Bitte mal in Tatortarbeit einlesen!
Unser Chef-Kriminalist
Wer? @nereus???
Polizeiarbeit sei ein mühsames Geschäft
Ja, anders als aus dem Ohrensessel in die Tasten zu klampfen und dabei 'Fakten' zu erfinden oder erfundene abzuschreiben.
Selbstverständlich werden, wie meistens, eigene Erfahrungen dazwischen gestreut, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.
Ja, wenn man welche hat
Dies klingt alles durchaus plausibel, allerdings müssen diese Darlegungen dann auch ihren Praxistest bestehen.
Es gibt halt nur ein Problem dabei.
Eine schillernde Figur, mit Namen Lutz Bachmann, twitterte gaaaaanz zufällig und nach NUR EINER STUNDE!!! die tunesische Identität einer verdächtigen Person in die virtuelle Welt.
Also muß jemand ziemlich flott die Türen des Lasters aufgerissen und die Geldbörse inkl. Duldungsbescheinigung gefunden haben, gell?
Gell! Hatte ich geschrieben, aber offensichtlich ist mein Satzbau nicht für jeden. Das passierte, als der Spürhund in die Kabine gelassen wurde. Die Papiere von Tunesier Amri lagen im Fußraum auf der Fahrerseite, wo der Spürhund eingelassen wurde. Diese, und nur diese, die, ohne Spuren zu zerstören, herausgefischt werden konnten, wurden extrahiert. Danach kam die Tür wieder zu.
Dann
- wertete man den Zufallsfund aus
- ein Beamter, vermutlich aus dem Umkreis der Finder, das kann ein einfacher Streifenpolizist gewesen sein, informierte Bachmann (oder einen Pegida-nahen Mittelsmann), der dann den Rand nicht halten konnte, was seiner aufmerksamkeitssuchenden Persönlichkeit entspricht
- dann, an der geschlossenen Tür, an der unverzüglich die Spurensicherung begann, als man die Zugmaschine noch nicht abschleppen konnte, wurden erst DNA-, dann Fingerspuren gesichert (u.a. die von Amri, aber auch vom Polen und ggf. Dutzende weitere - aber nicht ein Hauch vom Pakistani)
- ein Abgleich ergab, daß diese (teilweise) mit dem in den Papieren genannten Spurenleger identisch waren
- ungefähr zeitgleich ergab sich dann das Bild, daß der versehentlich festgenommene Pakistaner es nicht sein konnte,
a) weil die Witterung des Spürhundes nicht zu ihm paßte
und
b) -zumindest auf der Außenhaut der Zugmaschine- weder DNA- noch Finger- noch Faser- noch Handabdruck- noch sonstige (etwa Blut-, Haar-) -Spuren zu finden waren, die mit dem vermeintlich 'geflüchteten' Täter übereinstimmten.
c) In zweiter Befragung teilte dann auch noch der 'aufmerksame Bürger', der ihn 'gestellt' haben wollte, mit, daß er ihn in den entscheidenden Momenten vor dem Zugriff der Polizei bereits aus den Augen verloren hatte und
d) -vermutlich- konnte er ihn dann -unsicher geworden ob des Aufwandes und zur Besinnung gekommen, nach seiner kurzen Sekunde des Ruhmes- bei einer erst dann erfolgenden Gegenüberstellung nicht 'zweifelsfrei' erkennen.
Letzteres, d), hätte keine Rolle gespielt (es war dunkel, er sah ihn u.U. nur von hinten, der Verfolger war aufgeregt!), wenn die Spuren zum Aufgegriffenen gepaßt hätten. Taten sie aber nicht, insbesondere der untrügliche Spürsinn eines Mantrailer-Hundes sprach vollkommen dagegen. Und vermutlich schlug dagegen der Mantrailer-Hund bei den Ausweispapieren eindeutig an.
Das ist der vermutliche Ablauf.
Nun zu Bachmann, den Rest der Kritik kann man als vom Laien kommend abhaken:
Was machen wir denn nun mit dieser Info?
Geistig verarbeiten. Täte ich jedenfalls ...
Dieses Gerücht, welches sich später BEINHART bestätigte, zerstört wie eine Seifenblase die uns geschilderte intensive und zeitraubende Polizeiarbeit.
Nein, im Gegenteil, sie bestätigt genau das.
Doch das ficht unseren Sachkenner nicht an, denn es darf nicht sein, was eben nicht sein darf.
Weil nicht sein konnte, was nie war.
Wie lange kann das gedauert haben?
Eine halbe, eine Stunde?
Siehe oben, das Fahrzeug blieb verschlossen bis auf die Bergung des Schwerverletzten/Toten und dessen versuchte Reanimation und den Einstieg des Mantrailer-Spürhundes, bei dem -da im Sichtbereich des Hundeführers- auch die Ausweispapiere im Fußraum der Fahrerseite gefunden wurden. Ich glaube, das versteht nur nicht, der nicht will.
Wie lange dauerte dies – mit allem drum und dran?
Zehn Minuten, 15 oder eine halbe Stunde?
Das kommt darauf an. Ich vermute, daß man den Spürhund zuerst am fälschlich beschuldigten Pakistani hat 'schnuppern' lassen und dann in der Kabine, da dies aufgrund der vermeintlichen Verdachtssituation und in Kenntnis polizeilicher Gepflogenheiten den größeren Sinn ergibt. Das kam aber in dieser -seltenen- Reihenfolge nur zustande, weil der 'beherzte Verfolger' sich so sicher schien, andersherum hätte man 'ergebnisoffener' ermittelt, weshalb ich ja diese -im Nachhinein- zu frühe Verengung des Gesichtskreises -und der Öffentlichkeitsarbeit!- auf diese Konstellation als schweren Fehler bezeichnet hatte. Shit happens.
(Ich wüßte aber auch nicht, ob ich mich in dieser Situation der Dynamik der Ereignisse hätte entziehen können.)
Dann wurde die Umgebung der Zugmaschine spurentechnisch untersucht, die Zugmaschine wurde bewacht, auch der Polizeipräsident wäre da nicht 'reingekommen.
Alleine dieser Satz spricht für sich und die Absicht des Verfassers.
Ja, Aufklärungsabsichten stoßen hier manchen sauer auf ...
Wir laufen nun aber schon seit geraumer Weile GEGEN die Bachmannsche Timeline!
Nein, Lesen bildet.
Der Lutz hat blöderweise NACH NUR 1 STUNDE die Identität des VERMEINTLICHEN Terroristen in die Welt gezwitschert.
Wie ich oben erklärte - da war das Papier bereits längst gefunden - aber, um Himmels willen, nicht kommuniziert. Nur darum hat man den falschen Ausländer auch so schnell wieder freigelassen - schließlich kann die Polizei einen Verdächtigen bis zu 24 Stunden auch ohne Haftbefehl festhalten (das wären, wenn man was von der Fristberechnung im Grundgesetz versteht, insges. ca. 30 Stunden gewesen). Aber nach diesem Fund und dem negativen Befund des untrüglichen Spürhundes erschien es ausgeschlossen, daß er 'am Tatort' war. Zumal er noch dazu in seinen Vernehmungen offenbar einleuchtend sein Verhalten erklären konnte. Viel klarer kann ein solcher Fall dann kaum sein.
Da war der Hund noch am Hecheln und die Hütchen noch nicht wieder eingesammelt.
Doch, genau das. Das geschah so schnell es irgend möglich war!
Niemand wußte schließlich, welch brisantes Dokument im Führerhaus vor sich hin schlummerte.
Doch, da schlummerte es dort nicht mehr.
Und daß die Polizei Stein und Bein schwört, der Tweet von Bachmann könne 'unmöglich' auf einem 'Leck' beruhen - ja, was soll sie sonst tun? Sie wird mit Sicherheit, wenn mal Zeit dafür ist, dazu Herrn Bachmann vernehmen und die Abläufe nachvollziehen. Auch bei der falschen DNA-Spur in Heilbronn und im Rest Europas und bei der Böhnhardt-Peggy-DNA ist sie erstmal komplett verwirrt und mauert. Weil aus ihrer Sicht nicht sein kann, was nicht sein darf: daß nämlich Polizisten, die sich von ihrer der Politik in den Hintern kriechenden Führung verladen fühlen, sich mit PEGIDA gemein machen. Ist aber so - gerade Polizisten stehen i.d.R. eher nicht 'links'.
--
Literatur-/Produkthinweise. Alle Angaben ohne Gewähr! - Leserzuschriften
![[[sauer]]](images/smilies/sauer.gif)