Wenn die Polizei während einer laufenden Fahndung stets die ganze Wahrheit sagte, bräuchte man sie nicht!

Literaturhinweis, Sonntag, 25.12.2016, 03:16 (vor 3365 Tagen) @ ebbes7672 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 25.12.2016, 20:37

Aber wenn die Vorarbeiten alle durchgeführt worden sind und der LKW endlich durchsucht werden kann, dann sollte ein Ermittler-Team alle Gegenstände gemeinsam finden.

Nein, sie finden sie i.d.R. nie 'gemeinsam', sondern eben immer nur in der jeweiligen 'Zwiebelschicht', die gerade bearbeitet wird. Da im Einzelfall auch der Spurensicherungsfortschritt von nur einem Dezimeter evtl. einen ganzen Tag dauern kann, sind also ein Mobiltelefon und ein Paß, die auch nur einen halben Meter von einander verdeckt liegen, je nach 'Zwiebelschicht' fast eine Woche 'auseinander'.

Das heißt: Den Aufenthaltsnachweis, die Geldbörse und das Handy zusammen, trotz deines angeführten Zwiebelprinzips.

Nein, eben nicht, aus o.g. Grund. Gerade in einem LKW gibt es relativ viele 'Schubladen' und nicht nur, wie im PKW, ein Handschuhfach.

Für mich ist es unglaubwürdig, dass die besten Spurensucher Deutschlands, das Handy erst bei einer 2. Untersuchung finden.

ERSTENS: die Ermittlungen unmittelbar nach der Tat wurden vermutlich vom Berliner Landeskriminalamt durchgeführt. Das sind nicht unbedingt die schlechtesten Ermittler, aber die 'besten' sitzen beim BKA in Wiesbaden.

ZWEITENS: zuerst sah es noch nach einem möglichen Unfall aus. In einem Flächenstaat ermittelt da noch nicht mal das LKA, sondern die Polizei 'vor Ort'. Wie es im Stadtstaat Berlin ist, weiß ich nicht, aber selbst wenn gleich das LKA mit eingeschaltet war - zuerst ging es nur um eine oberflächliche Untersuchung, bei der dann, nach Verzögerungen durch

- erst die Wiederbelebungsversuche am polnischen (Bei-) Fahrer

- dann durch das Warten auf und den Einsatz des Spürhund(es)

der Paß/die Duldungspapiere gefunden wurden.

Danach war erst mal Ende der Spuren-Ermittlungen im Fahrzeug-Innenraum, sofern man das Mobiltelefon nicht direkt sehen und nach Fotografie von dessen Lage mit einem Greifer 'herausfischen' konnte, ohne neue, 'falsche' Spuren zu legen oder alte echte zu beeinträchtigen.

Insofern ist "bei einer erneuten Untersuchung" formal korrekt: die erste war mit Spürhund, die zweite förderte das offenbar im Fußraum sichtbare Ausweisdokument zutage.

Danach wurde, wie beschrieben, vermutlich das Fahrzeug zu gelassen und höchstens wurden an der Außenhaut Spuren gesichert - ganz korrekt, denn diese könnten ja durch z.B. Regen, Frost, Wind, Tau bis zum nächsten Morgen, als nach Sicherung der umliegenden Spuren der Abschlepper kommen konnte, verderben. Daher fand man dann irgendwann die Fingerabdrücke des Tunesiers außen am Führerhaus. Aber nicht 'sofort', sondern erst, nachdem man zuvor noch die DNA-Spuren zu finden versucht hatte, denn das Abbilde-Pulver, oder was immer man genommen hat, um Fingerabdrücke sichtbar zu machen, verdirbt u.U. DNA-Spuren etc.

Da letztere DNA-Auswertung aber länger dauert, als die Fingerabdruck-Zurodnung, haben die später abgenommenen Fingerabdrücke dann die DNA-Analyse-Ergebnisse im Zeitablauf überholt, zumal von Flüchtlingen/Asylsuchenden, insbes., wenn sie, wie Amri in Italien, bereits vorbestraft waren, Fingerabdrücke, aber eben keine DNA-Profile vorhanden sind. D.h. die DNA hätte auch von einem polnischen KFZ-Mechaniker stammen können.

DRITTENS: Als Natur, strafrechtliche Würdigung und Ausmaß des Anschlages im Laufe des Abends erkennbar wurden, war zu entscheiden, ob der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich zieht und fortführt. Dann wechselt (nicht zwangsläufig, aber meist) die Zuständigkeit vom LKA Berlin zum BKA und auch die Kommunikationswege, die Polizeisprecher u.v.a. ändern sich. Daß dies zu Verzögerungen und in der Übergangsphase zu nicht immer zueinander passenden Pressemitteilungen führen kann, sollte in einem solchen Chaos nicht verwundern; böser Absicht bedarf es dazu nicht.

Also: daß erst nach geraumer Verzögerung weitere Gegenstände gefunden werden, ist geradezu wahrscheinlich.

Eine Fahrerkabine ist kein Dschungel, wo man sich mit einer Machete durchkämpfen muss.

Doch, auf Ebene von Mikrospuren ist eine Fahrerkabine so groß, wie für Läuse ein behaarter Kopf ein Dschungel ist. Wer da 'den Rambo' macht, zerstört unwiderruflich u.U. genau die Spuren, die dazu dienen könnten, den Täter zu überführen und/oder weitere schlimme Straftaten zu verhindern!

Außerdem würde ich als Verantwortlicher abwägen, was ich als besser erachte, den Wagen sofort zu durchsuchen, möglicherweise Spuren zu zerstören, dafür aber schnellere Ergebnisse zu bekommen oder alles nach Schema F abzuarbeiten.

Das Schema F hat sich in ca. 200 Jahren herauskristallisiert und weltweit bewährt; die Schnellschüsse dagegen nicht, siehe den bis heute nicht aufgeklärten Palme-Mord, wo man genau das aus politischen Rücksichten auf den öffentlichen Druck 'versucht' hat. Der Polizeichef selbst hat im "Palme-Rummet", dem Palme-Lagezentrum, die Ermittlungen 'geleitet' und ein hochrangiger Kriminalist hat später einer Untersuchungskommission gegenüber mal geäußert: "Das ist etwa so, als würde der nicht-ärztliche Geschäftsführer eines Krankenhauses eine Notoperation durchführen, bloß weil der Patient der Ministerpräsident ist". Polizeipräsidenten sind i.d.R. Volljuristen und keine Kriminalisten und lassen ihren Leuten wohlweislich freie Hand. Jeder unnötige Druck auf Ermittler führt dazu, daß hinterher u.U. gar keiner verurteilt wird, jedenfalls riskiert man, daß wegen Verlusts wichtiger Spuren noch mehr Taten begangen werden - von Tätern, derer man anders hätte habhaft werden könnern, wenn man nicht übereilt gehandelt hätte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man zweimal im Jahr versucht Russland und Türkei zu trennen und immer ein LKW in eine Menschenmenge fährt, ist einfach zu gering, dass man alles glaubt, was man hört.

Das halte ich für völlig nebensächlich. Das aufgetauchte, sicher authentische Video des Amri, in dem er seine Treue zum ISIS schwört, ist für mich völlig authentisch. Danach hätte er auch allein handeln können. Schon in Bad Aibling war's ja irgendeine böse Macht, und kein Fahrdienstleiter mit Spielsucht. Genau diese Folien, die man über Realitäten legt, verstellen den Blick auf Täter, Opfer und Wiederholungsgefahren!

Die Prozentzahl (2 mal zwei Ereignisse an einem Tag im Jahr), kannst du sicher besser ausrechnen als ich,

Aha. Das 'kann' man nur, wenn man

- alle anderen Ereignisse, die in dem Zeitraum auch noch ungut aufgestoßen sind, aber an anderen Tagen stattfanden, ignoriert und

- nicht beantworten kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß in einer Schulklasse mit 35 Schülern zwei am selben Tag Geburtstag haben.

Zum Glück gibt es noch Stochastiker hier, die mir diese Arbeiten abnehmen können, denn sowas kann man auch ohne mein Spezialwissen widerlegen.

Hinzu kommt, daß die Polizei vielleicht wirklich Ausweis und Mobiltelefon im gleichen Zuge fanden, aber erstmal einen Teil verschwiegen haben, um den flüchtigen Täter in Sicherheit zu wiegen, zumal ein ausgeschaltetes Mobiltelefon mit erst noch zu knackender PIN ja nicht freiwillig sagt, zu wem es gehört! D.h. was man einem Ausweispapier SOFORT ansieht, erkennt man bei einem Computer evtl. gar nie.

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