Auch wenn es hart klingt: 'unverzeihlich' ist es, in Ermittlungen zu früh einer bestimmten Hypothese zu folgen

Literaturhinweis, Montag, 26.12.2016, 17:05 (vor 3364 Tagen) @ Rybezahl5132 Views
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 27.12.2016, 17:27

Zu diesen Fragen ein paar Antworten:

Warum "unverzeihlicher Ermittlungsfehler"?

Weil er hätte vermieden werden können, wenn man sich nicht hätte in's Bockshorn jagen lassen (alles, was man wissen kann, bezieht sich, außer man heißt Bachmann, auf das, was übereinstimmend in den Medien berichtet wurde):

Die Polizei muss doch dem Hinweis des beherzten Verfolgers nachgehen

Ja, aber

- nicht nur diesem, sondern auch anderen, 'widersprechenden'

- bloß, weil es zu einem frühen Zeitpunkt noch keine anderen, 'widersprechenden' gibt, heißt das niemals, daß es sie nicht geben könnte. Alle polizeiliche Ermittlungserfahrung zeigt, daß es sie in der Regel gibt, und daß sich mehrere Spurenakten anfänglich widersprechen. Also ist es gute Praxis, keine frühe Spur als 'besonders' gewichtig zu betrachten. Oder anders herum: nehmen wir an, jemand hätte den echten Attentäter, Amri, fliehen sehen und der 'beherzte Verfolger' hätte einen anderen 'fliehen' sehen - welcher wäre dann 'der richtige' gewesen? Zu dem Zeitpunkt: keiner!

Also ist es, auch wenn es nur einen gibt: keiner!!!

So sollte man denken, wenn man kriminalistisch denkt. Daß es den erstgenannten Fall nicht gab, sollte einen erfahrenen Kriminalisten nie verleiten, zu glauben, es gäbe ihn nicht bzw. könne ihn nicht geben, bloß, weil es 'so schön paßt' und man noch dazu unter dem Schock/dem Eindruck der bösen Tat steht.

Dem Chirurg zittern auch nicht plötzlich die Hände, wenn er den Bauchraum eröffnet wegen eines einfachen Blinddarms und plötzlich vor einem riesigen Aorten-Aneurysma steht, das jeden Moment platzen könnte. Er kann beides: den Blinddarm nicht vergessen und überlegen, wie er mit dem Aneurysma umgeht und in welcher Reihenfolge. Ich hatte aber auch konzediert, daß es mir vielleicht ähnlich gegangen wäre, noch passieren solche Anschläge ja nicht alle Tage.

schließlich könnte auch er die Papiere dort platziert haben

(Der Verfolger?) Alles ist möglich - aber warum sollte der Verfolger Papiere von Amri plazieren und dann einen unbeteiligten Pakistani 'verpfeifen'???

(Der Pakistani?) Ja, es könnte der Pakistani die Amri-Papiere dort plaziert haben. Aber: dann hätte der Spürhund angeschlagen!!! Also, ab dem Zeitpunkt, da der Mantrailer-Hund die Kabine, die Amri-Papiere und den Pakistani 'beschnüffelt' hatte, war klar, daß entweder ein 'geruchsloses Etwas' mit Handschuhen die Amri-Papiere dort plazierte oder eben ... Amri selbst.

Daß Amri in Italien mit einer Kleinkaliberwaffe um sich schoß, die der glich, mit der der polnische Fahrer erschossen wurde, spricht ein weiteres Mal für Personenidentität, und vermutlich sind mittlerweile die forensischen Auswertungen zu den Patronen und Kugeln und den typischen Spuren vom Lauf auch ausgewertet und beide Projektile wurden aus derselben Waffe abgefeuert.

Dann gibt es nur noch die Möglichkeit, daß Amri die ganze Zeit in Italien war und jemand hat ihm die Waffe mit UPS oder DHL hingeschickt. Es gibt nichts, was man sich nicht ausdenken könnte (dann stellt sich aber die Frage, wie ausgerechnet seine Fingerabdrücke außen und innen am Führerhaus gefunden werden konnten).

konnte der wahre Täter doch so glauben, es würde nach der falschen Person gesucht

Das war ja der Sinn, warum man nichts über 'den Tunesier' veröffentlichte - bis auf Bachmann. Genau so geht ja Polizeiarbeit!

kann aber nicht glauben, dass die gefunden Papiere nicht trotzdem untersucht wurden

Davon rede ich doch: die wurden forensisch untersucht:

a) dem Hund zum Schüffeln gegeben

b) DNA-, Fingerabdrucks- und andere Spuren gesichert und abgeglichen

c) auf Fälschungen untersucht (!) - es könnte ja gerade so sein, daß man sie Amri geklaut oder welche nachgemacht hatte, um Amri ungerechtfertigt zu belasten.

Die Polizei ist doch nicht blöde!

richtigerweise auch nicht die Rede davon, dass der Täter gefasst wurde

Wie man's nimmt: es wurde ungewollt suggeriert:

a) "Ein Verfolger hat den Täter bis zuletzt im Blick gehabt"

b) "Dieser wurde gefaßt".

Genau das war ja das Fatale, worauf, nach den Pressemitteilungen zu schließen, in den ersten Minuten auch die Polizei hereinfiel: es gibt eine lückenlose Spur vom Führerhaus zum Festnahmepunkt - das kann dann ja nur der (letzte) Fahrer sein! Wenn jemand sagt "es ist Tag" gehe ich ja auch nicht davon aus, die Sonne sei nicht aufgegangen!

Was die Leute daraus machen, ist eine andere Sache, da wird aus "mutmaßlich" schnell mal "ganz bestimmt".

Das tat wohl leider im ersten Moment auch die Polizei.

Ich war als Jugendlicher mal auf dem Gepäckträger eines Fahrrades unterwegs, mit Fahrradanhänger, in der Dämmerung. Da kam ein Polizist um die Ecke gefahren, und ich sprang schnell vom Gepäckträger herunter, denn das war ja verboten.

Der Polizist herrschte mich an: "Was hast Du da drüben hinter der Mauer gemacht?" Ich: "Wo hinter der Mauer?" Er "Red' Dich nicht 'raus, ich hab' Dich springen sehen!". Nun ja, es klärte sich dann auf und mein verkehrsordnungswidriges Mitfahren auf dem Gepäckträger (das ich ja dann erklären mußte, um dem gravierenderen Vorwurf des unbefugten Eindringens in ein fremdes Grundstück zu entgehen) interessierte ihn gar nicht - aber auf dem Garten-Grundstück hinter dieser Mauer war erst vor ein paar Tagen eingebrochen worden und er an den Ermittlungen beteiligt.

So schnell kann es gehen, wenn jemand, wie im Fall Berlin, von einem Tatort, den er noch nicht mal als solchen (er)kennen muß, wegrennt (weil er angeblich zu U-Bahn will) und man einen flüchtenden Täter sucht. Obwohl ein Polizist sehr wohl in Erwägung zieht, daß gewiefte Täter eher behutsam (vor)gehen.

Ausgerechnet Amri gehörte zu der Sorte 'gewieftere' Täter, hatte er es doch geschafft, sich sowohl in Tunesien der Justiz nach Lastwagendiebstahl u.a. Delikten zu entziehen, dann wieder in Italien und unbehelligt gegen Residenzauflagen verstoßen.

Man darf auch ruhig davon ausgehen, daß a) die Kriminalität mit dem Alter abnimmt, b) Frauen weniger häufig kriminell werden als Männer und c) daß Männer, die sich im Ausland durch Flucht der Justiz entzogen haben (es sind eben nicht alles Kriegsflüchtlinge oder Verfolgte! - siehe Amri, dessen Familie nicht nur vollständig noch dort wohnt, sondern ihn sogar in Heimaterde beerdigen will!), besonders 'begabt' sind und daraus schließen, daß aus kriminalstatistisch-kriminologisch-demographischen Gründen junge | Männer, die | auf der Flucht | hierherkommen, zu einem höheren Prozentsatz auch von Kriminellen und Verbrechern durchsetzt sind, als die indigene Bevölkerung, die aus ebendiesem Grunde dann eben bald 'nicht mehr länger hier ist', wie sich Frau Dr. Erika Merkel ausdrücken würde.

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