Anschwellende Automatisierung

Falkenauge, Freitag, 18.11.2016, 12:46 (vor 3400 Tagen) @ Kaladhor4449 Views

Die Frage ist doch eigentlich, wo wir eigentlich bis 70 arbeiten sollen,
wenn mehr und mehr produktive Arbeitsplätze abgebaut und/oder in andere
Länder verlagert werden.

Ja, den zunehmenden Arbeitsplatzreduzierungen liegt ja letztlich die weiter anschwellende Automatisierung zugrunde. Immer mehr reproduzierbare Tätigkeiten werden unaufhaltsam von neu entwickelten Maschinen übernommen werden. Obwohl das am Horizont steht, ist die Gesellschaft darauf nicht vorbereitet.

Verschiedene wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bereits in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren zwischen 45 und 62 % der heutigen Arbeitsplätze wegfallen werden. Das Forschungsinstitut ZEW stellt in einer Studie aus dem Jahr 2014 die Prognose auf, dass in Deutschland rund 18 Millionen Jobs von der Einführung von Automatisierungs-Technologien betroffen sein werden. Bei 43 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland wären dies 42 %. Sicher entstehen in diesem Prozess auch neue Arbeitsplätze, aber nur zu einem geringen Teil und auch nur für Höherqualifizierte. Die bereits 1995 von Jeremy Rifkin, in seinem Buch „Das Ende der Arbeit“ prognostizierte 20 : 80 Gesellschaft, in der 80 % der arbeitsfähigen Menschen arbeitslos sein werden und mit „Tittytainment“ bei Laune gehalten werden müssten, scheint sich also immer mehr zu realisieren.

Manche sehen die soziale Lösung in einem bedingungslosen Grundeinkommen.
Doch diese lassen nicht nur das soziale Kernproblem der Lohnsklaverei wie es ist; sie setzen auch die unaufhörlich wachsende Arbeitslosigkeit als feststehend voraus. Das ist sie aber nur, wenn man das kapitalistische profitorientierte Wirtschaftssystem unangetastet lässt, in dem lediglich eine bestimmte Form organisierter Arbeit mit einem Einkommen verbunden ist.

Die anschwellende Automatisierung menschlicher Handarbeit durch Maschinen ist an sich kein Unglück, im Gegenteil. Die Menschen werden dadurch vielfach von der Fron körperlicher Arbeit befreit. Sie werden frei für höhere, kulturelle Bedürfnisse, die sie bisher unterdrücken mussten oder die sich noch gar nicht in ihnen regen konnten. Und sie werden frei, ihre Fähigkeiten zur Befriedigung solcher Bedürfnisse Anderer einzusetzen. Wir stehen eigentlich in einem gewaltigen historischen Umbruch der Verlagerung menschlicher Arbeit auf eine höhere menschliche Ebene.

Die Fähigkeiten, die in der Wirtschaft gebraucht werden, werden in den Schulen und Hochschulen des Bildungswesens, dem Kern und der Quelle des Geistes- und Kulturlebens, entwickelt und ausgebildet. Natürlich werden sie in den Betrieben weiter spezialisiert, setzen aber ihre Grundlegung voraus. Die Wirtschaft lebt also von dem, was im Geistesleben entwickelt worden ist. Und ihre Gewinne sind ohne die in Schulen, Fachhochschulen und Universitäten gebildeten Fähigkeiten der Menschen, ohne die damit entwickelten und konstruierten Maschinen und die Durchrationalisierung der betrieblichen Abläufe nicht denkbar.

Daher müssten die Unternehmen auch einen Teil ihrer Gewinne direkt an das Geistes- und Kulturleben abgeben, nicht nur als Gegenleistung für das bisher Erhaltene, sondern auch zur Weiterentwicklung des Bildungswesens in der Zukunft, von der die Unternehmen in ihrer eigenen Existenz und Entwicklung selber abhängig sind. Dies umso mehr, als durch die Automatisierung Personalkosten in erheblichem Umfang weggefallen sind und weiter wegfallen, an deren Stelle die Investitionen für die Maschinen nur einen Bruchteil ausmachen.

Im Kulturleben können dann viele neue Arbeitsplätze entstehen und finanziert werden.

Näheres für Interessierte in: Das besinnungslose Grundeinkommen


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