i will choose freewill

Watson, Mittwoch, 02.11.2016, 16:18 (vor 3414 Tagen) @ Revoluzzer1424 Views

Servus,

vorweg angemerkt bin ich sehr froh, dass sich auch der Determinismus niemals wird beweisen lassen, was uns vielleicht den ultimativen Gottestaat vom Leibe hält.

Nun aber einige Gedanken zum Thema:

Und jedes Wort, jeder Gedanke, jede Theorie muss eine Ursache haben.

Die Menschheit kennt derzeit einen Prozess ohne Ursache: Quanten-Fluktuationen. Dabei entstehen kleinste Teilchen völlig zufällig (nach aktueller Auffassung) aus dem Nichts. Natürlich löst dies den gordischen Knoten dieser Diskussion nicht. Aber solange kein Determinist diese Vorgänge voraussagen kann, habe ich Hoffnung, dass Freiheit - die ich im übrigen lieber freier Wille nennen würde – besteht. Wollte ein "Gott" die Menschheit lenken, hätte er sehr viel damit zu schaffen, all diese Quanten-Fluktuationen zu bewerkstelligen.

Wie kann aber die Freiheit einem Zwang unterliegen? Freiheit bedeutet logisch auch, dass sie die Freiheit
hat, nicht zu existieren, noch präziser: nie existiert zu haben!

Das erscheint mir nicht logisch. Freier Wille setzt echte Zufälle voraus. Gibt es diese, gibt es auch Freiheit/freien Willen.

Wir können so begründet an der Idee der Freiheit festhalten: Als
Ergebnis eines freien Aktes, den wir als solchen selbst nie werden
beobachten oder beschreiben können und von dem wir daher nie wissen
werden, ob es ihn tatsächlich gab oder nicht gab.
Freiheit ist ein Glaubenssatz. Und dabei gilt: Alles, individuell und
gesellschaftlich, spricht gegen die Freiheit.

Wikipedia weiß Rat:

"Immanuel Kant schlägt dafür in der Kritik der reinen Vernunft folgenden Ausweg vor: Der Widerspruch zwischen Determinismus und Unbestimmtheit des Willens entsteht nur, wo Erscheinungen (der Erfahrungswelt) mit dem „Ding an sich“ gleichgesetzt werden. „Denn, sind Erscheinungen Dinge an sich selbst, so ist Freiheit nicht zu retten. […] Wenn dagegen Erscheinungen für nichts mehr gelten, als sie in der Tat sind, nämlich nicht für Dinge an sich, sondern bloße Vorstellungen, die nach empirischen Gesetzen zusammenhängen, so müssen sie selbst noch Gründe haben, die nicht Erscheinungen sind.“ Willensfreiheit bedeutet danach „das Vermögen, einen Zustand von selbst anzufangen“

> Und die metaphysische Spielerei ist: Warum habe ich, haben wir trotzdem

diesen unstillbaren Drang nach der Idee der Freiheit? Weshalb will ich,
wollen wir, dass es sie gibt?

Hier muss man nun wirklich deutlich zwischem freien Willen und dem westlichen Begriff der Freiheit unterscheiden. Ersterer ist für mich Gegenstand dieser Diskussion, letzterer ist noch gar nicht so alte, reine Propaganda.

Der Freiheitsbegriff war noch vor wenigen Jahrhunderten völlig unbekannt und entstand mit der zunehmenden Industrialisierung (im weiteren Sinne), die die bestehende Ordnung durcheinanderbrachte. Früher dienten in Europa alle Gott. Jedes Handeln war darauf ausgerichtet und selbst die Höchsten und Mächtigsten hätten sich nicht im heutigen Sinne als "frei" bezeichnet. Die Zerschlagung dieser "gottgegebenen" Gemeinschaft aus Herr, Bauern etc durch die Marktwirtschaft führte dann zum modernen Freiheitsbegriff. Und ja, mir ist bewusst, dass dies massiv dem widerspricht, was uns Hollywood glauben machen will. Aber als die echten "Braveheart"-Schotten für ihre "Freiheit" kämpften, haben sie keinen Schottenrock getragen...


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