Freiheit ist logisch niemals beweisbar.
Unten gibt es einen sehr interessanten Teilstrang über Freiheit / Determinismus. Da ich nicht recht weis', wohin mit meinen Gedanken, mach ich einen neuen Strang daraus:
Eine freie Entscheidung, eine freie Handlung ist und kann niemals erfasst werden. Die Freiheit kennzeichnet sich eben dadurch, dass sie jenseits jeder Determiniertheit, jeder Theorie, jeder Vorschrift, jeder Aussage steht (egal ob auf Ebene des Individuums, der Gesellschaft oder des Schwarms oder von sonst was).
Sollte es eine freie Entscheidung gegeben haben, so können wir diese Entscheidung gar nicht anders ansehen, als durch die vorhandene Determiniertheit: Wir können die Welt nur durch die Augen, die uns gegeben sind, mit den Ohren, die uns gegeben sind, mit den mentalen Modellen, die wir bereits haben, anschauen. Allgemein: Es kann ein "Dann" nur geben, wenn wir es an ein "Wenn" anschließen können. Und jedes Wort, jeder Gedanke, jede Theorie muss eine Ursache haben. Den jungfräulichen Anfangspunkt kann es nicht einmal als Idee für uns geben: Indem wir z.B. die Idee "Urknall" aussprechen, haben wir uns selbst schon die Frage gegeben: Was war denn vor dem Urknall? Und was immer wir annehmen, als "vor dem Urknall stehend" schließen wir auf irgendeine Art - und insoweit das nicht der Fall wäre, also ein echter Akt der Freiheit vorliegen würde, könnten wir es, siehe oben, weder beobachten noch beschreiben.
Das Phänomen der Freiheit, so es denn existiert, können wir nicht erfassen, denn könnten wir es erfassen, wäre es keine Freiheit.
Da Freiheit aber also nie zu beobachten ist und schon gar nicht prognostiziert oder gar vorhergesagt werden kann, entzieht sie sich notwendig jeder Theorie, jedem Gedanken, jeder Beschreibung (auch dieser im Übrigen)
Paradoxon: Wer behauptet, dass es die Freiheit gibt, schafft den unauflöslichen Widerspruch, dass die Freiheit selbst einem Determinismus unterworfen wird, dass sie bestehen MUSS. Wie kann aber die Freiheit einem Zwang unterliegen? Freiheit bedeutet logisch auch, dass sie die Freiheit hat, nicht zu existieren, noch präziser: nie existiert zu haben!
Folglich: Wir sind sowohl sozial als auch in unserem individuellen Denken notwendig und ausschließlich "determiniert".
Trotzdem sagt das über die Realität der Idee der Freiheit gar nichts, denn diese ist weder falsifizierbar, noch kann sie bewiesen werden.
Ein Determinist schließt nun hieraus, dass, was nicht bewiesen oder falsifiziert werden kann, auch nicht ist. Aber eben das ist auch nicht zu beweisen, denn Freiheit ist ja überhaupt nur als Paradoxon denkbar, das eben notwendig durch determiniertes Denken nicht zu erfassen ist.
Wir können so begründet an der Idee der Freiheit festhalten: Als Ergebnis eines freien Aktes, den wir als solchen selbst nie werden beobachten oder beschreiben können und von dem wir daher nie wissen werden, ob es ihn tatsächlich gab oder nicht gab.
Freiheit ist ein Glaubenssatz. Und dabei gilt: Alles, individuell und gesellschaftlich, spricht gegen die Freiheit.
Und die metaphysische Spielerei ist: Warum habe ich, haben wir trotzdem diesen unstillbaren Drang nach der Idee der Freiheit? Weshalb will ich, wollen wir, dass es sie gibt? Ist diese Sehnsucht nach Freiheit nicht Beweis für ihr Sein? Ist die Idee der Freiheit nicht der Bruder des Lebenstriebes, so wie die Idee der Determiniertheit der Bruder des Todestriebes ist?
Revo.