Manipulation ist evtl. das falsche Wort
Wie ich oben schon geschrieben habe, empfinde ich das Problem bei den Papierkontrakten, und zwar nicht nur bei Edelmetallen, sondern auch bei anderen Commodities, als ein Abstraktes: Die meisten (Groß-)Spekulanten möchten das underlying, auf dessen zukünftigen Preis sie spekulieren, überhaupt nicht haben.
Dementsprechend werden die Preise verfälscht, weil viele Marktteilnehmer ohne die Möglichkeit der Papierwetten mit Cash-Settlement überhaupt nicht am Markt für Weizen, Schweinebäuche, Gold, Silber, Kaffee usw. usf. teilnehmen würden.
Ich würde daher die Papierkontrakte nicht als direkte Manipulation bezeichnen sondern evtl. als Verstärker/Amplifier des generellen Marktsentiments.
D.h. im Fall von Gold wurde das Sentiment zwischen 2011 - 2015 dahingehend verstärkt, dass die (trügerische) Sicherheit der expansiven Zentralbankmaßnahmen den Goldpreis stärker gebeutelt hat, als das sonst (ohne Papiergold) der Fall gewesen wäre.
Umgekehrt werden die Papiergoldkontrakte letztendlich denselben Effekt haben: Sie werden bei einer entstehenden Panik den Run auf Gold potenzieren und die LBMA wird "bust" gehen, d.h. Marktteilnehmer werden ihr Papiergold in physisches Bullion konvertieren wollen und die LBMA wird dem nicht entsprechen können.
Es gibt nur eine Sorte Marktteilnehmer, deren Marktteilnahme immer Manipulation ist, und das sind die Zentralbanken.
Diese könnten rein theoretisch den Goldpreis tatsächlich verfälschen: Mit "gedrucktem" Geld unendlich naked shortselling mit Gold Futures betreiben. Ob sie das tatsächlich tun: Keine Ahnung.