Ich bleibe dabei: doch Äpfel und Birnen!
Cher "nereus",
Alle Ihre Zitate aus dem AT sind - wenigstens für Christen (zu denen die meisten von ihnen mich aufgrund meines "aufgeklärten Deismus"*) - um meine religiösen Anschauungen mal kurz auf den Punkt zu bringen - entweder gar nicht, oder wenigstens nur peripher zählen würden!) - nur in dem Maße relevant, in dem sie "im Lichte des NT" betrachtet werden. Nicht umsonst lautet das berühmte Zitat zum Verhältnis der beiden Schriftteile: "Novum in vetere latet. Vetus in novo patet" - "Das Neue Testament ist im Alten verborgen, das Alte im Neuen offengelegt". ein Satz, den Juden natürlich nicht akzeptieren würden - aber was kümmert mich das als Nicht-Jude?!
Dann fordere ich dieses Verständnis auf für das Lesen des Korans ein.
[quote]Textauszüge verfälschen mitunter den Zusammenhang.[/quote]
Das sei konzediert. Man sollte immer zuerst lesen, was man ggf. kritisieren will! Deshalb habe ich auch die Bibel, den Koran, den "Granth Sahib" der Sikhs, sogar Teile vom "Buch Mormon" (das war eine echte Herausforderung - Mark Twains böses Diktum "printed chloroform" hat seine Berechtigung!), das "Kapital", den "Mythus des 20. Jh." und vieles mehr gelesen.
Aber was den Koran betrifft, verweise ich auf zwei ausgezeichnete Essays von Manfred Kleine-Hartlage (ich weiß, ich weiß: ein pöhser Rechter ...), die Sie sicherlich mit Google finden werden: "Der mekkanische Koran: Eine Themenanalyse" (beim zweiten Essay über den medinensischen Koran habe ich leider den Titel momentan nicht präsent).
Und wenn ich schrieb:
Mir ist jedenfalls kein einziger katholischer Pfarrer bekannt, der
nach dem Beispiel des Buches Josuah seine Schäfchen aufgefordert hätte,
die Ungläubigen aus dem Gebiet seiner Pfarre auszurotten.
dann ist - wieder aus christlicher Sicht - Ihre Replik:
Das dürfte stimmen, aber kennen Sie das Buch „Torat Ha’Melech“ bzw. „The Kings Thora“?
einigermaßen verfehlt. Denn was irgendwelche durchgeknallte Juden über die Vernichtung von "Ungläubigen" schreiben mag genauso schrecklich sein wie ähnliche Auslassungen von muselmanischer Seite - nur: was kümmert das mich von christlicher Seite? Höchstens als Betroffener: nun, diesfalls werde ich es ebenso verurteilen, wie die tollwütigen Exzesse im Koran!
Wir müßten jetzt einen längeren Thread über die Real- und Geheimpolitik im Nahen Osten eröffnen.
Nur zu: aber ich fürchte, damit werden Sie sich beim Forumsbetreiber recht unbeliebt machen ...
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Sie würden staunen, welche Gelder und Unterstützung an welche Kreaturen
flossen und noch immer fließen.
Nein, würde ich wohl eher nicht. Wer seit fast 10 Jahren einen Blog wie den meinen schreibt, der staunt nur mehr ganz selten ...
Nicht überall wo Islam drauf steht ist auch Islam drin.
Nun, cher nereus, Sie können mir glauben: exakt dasselbe nehme auch ich an!
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*) was auch nichts daran ändert, daß ich formell kirchenbeitragszahlendes Mitglied der RKK bin, und mich in theologischen Fragen wie solchen der vergleichenden Religonswissenschaft verdammt gut auskenne - bei beidem handelt es sich um von mir jahrzehntelang intensiv betriebene Steckenpferde. Und ob Sie's nun glauben oder nicht: Ich habe den Koran (wenngleich "nur" in deutscher Übersetzung, denn dafür gleich arabisch zu lernen war's mir dann doch nicht wert!) gelesen. Mit ähnlich geringem, nein: mit noch geringerem Vergnügen als das Alte Testament.
Denn dieses enthält wenigstens erbauliche Weisheitsbücher von großer Tiefe und Lebensklugheit (den "Prediger", die Weisheit Salomons, oder den Siraciden bspw.), interessante historische Bücher (wenn sie auch, natürlich, wie damals nicht anders zu erwarten, v.a. aus tendenziöser Geschichtsklitterung bestehen!), und neben den von Ihnen herausgepickten Psalmstellen unendlich viele Psalmen von z.T. berückender poetischer Schönheit und ethischer Tiefe (z.B. Ps. 14 "Domine, quis habitabit", Ps. 83 "Quam dilecta", oder Ps. 116 "Laudate Dominum", um nur ein paar wenige zu nennen).
Der Koran wirkte auf mich dagegen wie eine aufs zehnfache aufgeblähte Ansammlung genau jener Sorte von Psalmen, die ich im Psalter schon nicht wirklich leiden konnte. Und v.a.: ziemlich repetitiv und langweilig. Mag sein, daß dies im arabischen Original trotzdem unglaublich poetisch wirkt. auf mich machte er einen teils einschläfernden, teils abstoßenden Eindruck.
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LePenseur