Infarkt der Seele, Akupunktur und Phytotherapie
Liebe Foristen und Leser,
heute wende ich mich für eine gute Freundin, welche unweit von uns lebt,
sich aufopfernd um Tiere kümmert und kurz vor einem Zusammenbruch steht,
...IST-Zustand:
48 Jahre, sehr schwierige Partnerschaft mit krankem Mann, (beginnende
Demenz mit Wutausbrüchen und in einer weiteren medizinischen Behandlung),
….
Seelisch ist sie hart an der Grenze zum Durchdrehen, bricht in Tränen
aus, ist überfordert mit der privaten Situation, keine Ansprechpartner
außer uns.Symptome:
Schlaflosigkeit, wach bis in die Morgenstunden mit Herzklopfen und Angst
und ständiger Grübelei, schläft mit dem Blutdruckmessgerät neben sich,
wacht auf mit dem Gefühl „da tut sich in der Brustgegend ein Loch auf,
als würde ich jetzt sterben“.
Dann Panik. „Herzstolpern“ nennt sie das, als würde es rauschen und
kratzen.
Das hat sie nur nachts!Sie möchte am liebsten mit niemandem mehr reden, soziale Kontakte
strengen sie sehr an,
…..
Tagsüber etwas besser, aber bei der geringsten Aufregung Herzklopfen und
starke Unruhe und das Bedürfnis Auszuflippen. (Blutdruck dann immer normal
– Höchstwert der letzten Wochen 139 – 89 – 95.)
…...
Bitte keine Ratschläge in Richtung Meditation, Baldrian, Bachblüten und
Tee – sie hat alles durch in dieser Richtung aus eigener Initiative.
…….
Vielen Dank und Grüße
modesto
Hallo modesto,
danke für deine umfassende Beschreibung ihrer Probleme.
Das Problem bei eurer Freundin ist das "zu viel".
Ihre Wertvorstellungen "zwingen" sie anscheinend sich aufzuopfern.
Ohne eine deutliche Verhaltensänderung können therapeutische Maßnahmen nicht wirken.
Das Prinzip des wieder Ruhig Werdens besteht darin, den Geist mit ungefährlichen Dingen zu beschäftigen. Ansonsten puscht man sich immer wieder in die Sympathikotonie.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sympathikotonie
2010 oder 2011 war das Buch von Byung-Chul Han - Müdigkeitsgesellschaft, Thema hier im Forum.
Seine Prognose hinsichtlich der Zunahme neurologischer Erkrankungen durch die Leistungsgesellschaft bestätigt sich aktuell.
http://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/muedigkeitsgesellschaft.html
Han bezeichnet die Pathologie der Krankheiten, die zu neuronalen Erkrankungen wie Depression, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Borderline oder Burnout gehören, als einen Infarkt der Seele.
Die Schulmedizin steht diesen Erkrankungen, von denen sehr offene oder auch sehr engagierte Menschen betroffen sein können, hilflos gegenüber. Linderung erfahren die Betroffenen nur dadurch, dass sie wieder zur Ruhe kommen (Osteopathie, Reiki, Yoga, Tai Chi, Gehmeditation und ihr Leben neu sortieren. http://ich-will-meditieren.de/meditationstechniken/gehmeditation/
Es gibt in dem ehemaligen Lehrbuch für Akupunktur für ausländische Ärzte an Chinesischen Hochschulen übersetzt von Dr. Wühr ein Krankheitsbild mit nächtlichem Herzklopfen und Angstzuständen - exakt, wie Du es beschrieben hast.
Ich habe dieses Krankheitssymptom wenige Male selber nach diesen Vorgaben deutlich lindern können.
Morgen hole ich das Buch aus der Praxis und schreibe Dir hier die zu behandelnden Punkte auf.
Schau mal, ob es in eurem Umkreis jemanden gibt, der klassische chinesische Akupunktur beherrscht.
Es gibt noch ein Phytotherapeutikum, dass sich bei diesem Krankheitsbild schon bewährt hat.
Mir ist aktuell der Name entfallen.
Alles das hilft nicht, wenn sie weiter darauf besteht, ein zu großes Rad zu drehen. Sie steht tatsächlich sehr kurz vor einem Zusammenbruch.
2003 habe ich von einer Pharmazeutin, die für Novartis an Medikamenten gegen Alzheimer arbeitete, erfahren, dass die Ablagerungen im Gehirn aus dem leicht löslichen Stoffwechselprodukt Milchsäure bestehen.
Wenn die Milchsäure nicht über den Blutkreislauf abtransportiert wird, kann es zu Schäden an den Nervenzellen kommen. Im Schlaf schrumpft unser Gehirn und es werden die durch unsere geistige Aktivität gebildeten Schlacken aus dem Gehirn abtransportiert. Somit sehe ich Schlaflosigkeit und Ruhelosigkeit als eine Vorraussetzung an, um an Demenz zu erkranken. Therapie ist, solange noch keine Schäden aufgetreten sind, die Behandlung der unterschiedlichen Formen von Schlaflosigkeit. Unser Gehirn ist sehr gut durchblutet und verbraucht ca. 40 % des aufgenommenen Sauerstoffs, was die enorme Stoffwechseltätigkeit dort dokumentiert.
Da der Partner eurer Freundin Wutausbrüche hat, sollte er keinerlei Alkohol trinken und auch nicht rauchen. Beides kann diese Symptomatik, wie auch die Demenz erheblich verschlechtern.
Ein solcher Mensch überfordert seinen Partner sehr oft. Daher halte ich es für wichtig, dass eure Freundin bei seiner Betreuung fremde, professionelle(!) Hilfe - zumindest für begrenzte Zeit/stundenweise in Anspruch nimmt.
Die Situation, wie Du sie beschreibst, erfordert kurzfristig Hilfe und deutliche Veränderungen im Tagesablauf. Eine Trennung vom Partner aus dieser Situation, wie von jemandem vorgeschlagen, ist völlig unrealistisch. Schon die Thematisierung eines solchen Schrittes könnte akut einen Zusammenbruch auslösen.
Alles Gute
Vatapitta
--
Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/