Der Weg zum Individuum

nemo, Samstag, 11.06.2016, 12:49 (vor 3540 Tagen) @ Hinterbänkler3049 Views

Damit wird der Waldgänger gleichzeitig zum Bewohner zweier Welten.
In der einen Welt unterwirft er sich 100 Prozent der staatlichen Ordnung
und seiner Werte, kauft und verkauft, fährt 50 innerorts, gibt seine
biometrischen Daten für den Pass und kommuniziert über Facebook.
In der anderen Welt bedeutet dies ihm zu 100 Prozent gar nichts.
Weil er gelernt hat, die beiden Welten nach Belieben zu wechseln,
identifiziert er sich eigentlich mit keiner, bzw. weiß, dass die
Identifikation nicht 'real' ist und nach Bedarf beliebig gewechselt werden
kann.
Er weiß, dass das Bewusstsein ihm immer eine Identifikationsmöglichkeit
bereitstellen muss, gleichzeitig weiß er, dass er diese wechseln kann.


Das ist rein theoretisch. Es gibt nur den Weg des klugen Menschen.
Der kluge Mensch ist weder zivilisatorisch sozialisiert noch ein animistischer
Wilder. Der kluge Mensch handelt ausschließlich nach seinen eigenen
Einsichten und nicht nach allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellungen.

Der kluge Mensch ist nicht Bewohner zweier Welten, denn es gibt nur
eine Welt – die Welt in der er lebt. Daher kann sich der kluge Mensch
niemandem unterordnen – auch nicht dem Staat, denn der Staat
verlangt unmögliches von ihm, wie z.B. im Kriegsfall andere Leute zu
töten oder sich einer Ideologie zu unterwerfen. Das steht im völligen
Gegensatz zu den Handlungsmaximen, die aus eigenen Erkenntnissen
resultieren.

Der kluge Mensch hat sich ein eigenes Verständnis erworben nach dem
er handelt. Er weiß, dass es nur diesen Weg gibt. Alle anderen Wege
sind für ihn unwürdig. Daher ist er weder ein Zivilist noch ein Wilder –
er ist einfach er selbst und tut das, was er als sinnvoll erachtet.

Der kluge Mensch weiß, dass er von niemandem verlangen kann,
sich seinen Maßstäben unterzuordnen, sondern dass es immer darum
geht, eigene Maßstäbe zu erwerben. Das ist der Sinn der Evolution.
Das Gegenteil davon ist ebenso einleuchtend. Keine eigenen Maßstäbe
zu haben und den Vorstellungen (Maja) anderer zu folgen, bedeutet
zu degenerieren – sein Menschsein zu verlieren und einfach im großen
Strom der Zeit mit zu schwimmen.

Die Bedingung für den klugen Menschen ist, dass er wenigstens eine
Sache wirklich durchdringt und beherrscht. Es ist egal welche Sache.
Der Grund ist, dass wenn er eine Sache wirklich beherrscht, erkennen
kann, dass die Dinge immer nur oberflächlich betrachtet werden und
Menschen meist nur oberflächliche Kenntnisse haben. Das betrifft auch
den Menschen selbst. Der Mensch kennt sich nicht. Und er weiß nicht,
dass er sich nicht kennt.

Der heulende Kojote


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