Aufwecken?

Ashitaka, Sonntag, 17.01.2016, 21:24 (vor 3672 Tagen) @ mh-ing2191 Views

Hallo mh-Yngvi,

Weshalb?

Dein Fußtext könnte glatt einem Bibelvers entnommen sein. Joh. 1,1:
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Ja, der Satz trägt eine enorme Spannung. Die Welt ist Text. Jede Wahrnehmung die wir auszudrücken bereit sind ist bereits durch das Wort (das Signifikant) vor Überraschungen, vor einer Erfindungen, beschützt. Wir entdecken nur noch das, was bereits Text ist. In der Gesellschaft gibt es nichts außerhalb dessen. Der Mensch hat die Kraft der Illusion vergessen, ihre Bedeutung negativ besetzt.

Die Frage ist tatsächlich, was wir als Realität ansehen. Was und wem
können wir vertrauen? Wir Menschen sind gewohnt, Bilder, welche wir sehen,
als wahr anzusehen. Wir Menschen glauben Zeugenberichten und Berichten
allgemein, zumal wenn diese noch mit Bild unterlegt sind. Das ist unsere
Disposition.

Wir müssen nur uns selbst vertrauen. Das setzt voraus, dass wir den Beobachter erkennen, uns darüber bewusst werden, dass alles was uns im Leben wiederfahren wird niemals im Außen stattgefunden hat. Wie Dürr bereits erkannte, ist die Welt auf einen Beobachter angewiesen, kann sie erst durch seine Perspektive entstehen. Ich hatte schon einmal danach gefragt, was wohl ein Apfel auf dem Tisch ist, wenn es niemanden gibt, der diesem eine Perspektive bietet? Und andersherum: Was ist der Apfel, wenn er jede Perspektive einnehmen würde?

Die andere Begrenzung ist unser Wissen. Die Welt und die Dinge sind so
kompliziert, so dass die meisten früh aussteigen und daher nicht prüfen,
sich nicht anmaßen kompetent zu sein, das zu erfassen oder gar infrage
stellen zu können.

Exakt, sie maßen es sich nicht an. Ich behaupte: Sie sind geboren, um bereits gestorben zu sein! Das Leben ist dafür da, Erfahrungen zu sammeln, seine Erfahrungen und Erkenntnisse auf die Probe zu stellen. Dazu gehört meiner Meinung nach, dass wir die Toten auf die Straßen legen, statt uns einen Sieg über den einzigen und verbleibenden Sinn des Lebens zu simulieren.

Daraus ergibt sich eine Unterwürfigkeit unter das
Vorgegebene. Wie will man jenen den Vorwurf machen? Jedoch, aus dieser
Unterwürfigkeit unter das Vorgegebene ergibt sich eine Erweiterung der
Haltung auch auf Dinge, wo man auch bei geringerem Wissen aufmerken
müsste. Doch das tut man nicht.

Sehe ich genauso. Wer alles aufmerkt ist jedoch unbekannt. Und der Erkenntnis, dass unsere Weltvorstellung schon seit Jahrhunderten nicht mehr auf Originalen beruht, sondern auf inhaltsleeren Signifikanten erbaut wird, würde auch kein Ausdruck in der Gesellschaft folgen. Die Gesellschaft ist schließlich ein Teil dieser Simulation. Die Originalität kann nicht auf Modellen (Studien) basierend nachempfunden werden. Das ganze "Außen" ist ein Modell und da wir dies nicht begreifen zugleich Simulation.

Gerade in der Zeit, wo die meisten Menschen am kritischten wären, erfolgt
die größte Indoktrination, Reitzüberflutung und Stillegung aller
Denkprozesse, nämlich in der Schulzeit ab der 5.6. Klasse. Dort wird nur
massiv Wissen eingetrichtert (in den höheren Schulen, aber eben Wissen
nicht verarbeitet und verknüpft, nicht Wissen erarbeitet). Dann wirkt dort
massiv die Indoktrination der Standardlehren der Schule. Privat wird durch
den Medienkonsum diese Zeit völlig platt gemacht, so dass die wenigsten
noch etwas über das schulische hinausgehen, sondern zu braven Konsumenten
werden, die kritische Haltung mehr hohles Gehabe ist, ohne Substanz.

Es fängt viel früher an. Wer erklärt seinen Kindern schon noch, dass ihre Ängste auf das Äußere zurückzuführen sind? Das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und vollzuscheißen (Kinder an die Macht!) ist etwas völlig anders, als dem Kind etwas über die Verantwortung und Größe seiner nie im Außen Gefahr annehmenden Welt beizubringen. Angst ist ein Mentalkonstrukut. Wer erklärt seinen Kindern schon, dass das Leben Kontrast ist? Wer zeigt ihnen das für das Glück notwendige Leid? Lieber wird doch das Gleichgewicht in der Heilwerdung, dem Glücklichsein, gesucht.

Daher -das wäre ein Ansatz im Privaten - dort genau anzusetzen und
möglichst viele hier aufzuwecken und zu informieren. Danach sind viele
schon zu blockiert, um zudenken oder es dauert meist bis jene >40 Jahre alt
sind- so meine Erfahrung.

Uns fehlt bereits die Zeit für Erfahrungen. Ich habe solch inspirierende Gespräche mit stark in meiner Gesellschaft aktiven Personen geführt, von denen ich das nie angenommen hätte, dass mir dabei die Kinnlade auf den Tisch viel. Das immer wiederkehrende Problem ist die Angst davor, dass die sich aufdrängenden Fragen bei anderen Menschen Abneigung hervorbringen könnten. Das Gegenteil ist der Fall. Die besten Feiern sind immer die, bei denen sich diejenigen, die sich nicht früh genug mit auf den Balkon abseilten, immer wieder danach fragen, ob nicht eine Runde Orangensaft für alle besser sei, bevor noch jemand Flügel bekommt.

Herzlichst,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.


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