Rückfragen stellt man nicht
Bei dem Attentat in Istanbul servierte die Türkei in kürzester Zeit den IS als Drahtzieher. De Maiziere äußerte hierzu begründete Zweifel, da die gefundenen Ausweise platziert sein könnten, man so schnell normalerweise Tatverdächtige nicht feststellen könne.
Das wird ohne ein Stocken in der Stimme von den Nachrichtensprechern verbreitet. Wenn man aber selbe Punkte bezüglich der Attentate in Paris, New York anwendet, ist man Spinner und Verschwörungstheoretiker.
Aber auch die Zuhörer haben längst das aktive Denken beendet.
Es ist symptomatisch für unsere Zeit, dass wir zwar jede Menge an Informationen aufnehmen können, viel Wissen in uns haben, was uns Durchschnittsmenschen zu Hochgelehrten in früheren Zeiten machen würde. Doch haben wir eine Fähigkeit nicht geschult und noch weniger entwickelt, nämlich das Wissen zu verknüpfen, nachzudenken und zu hinterfragen.
Mir ist das im Biologieunterricht meiner Schulzeit bereits aufgefallen:
In Chemie lehrte uns der Lehrer, dass sich Eiweiße aus Aminosäuren bilden unter Abspaltung von Wasser. Diese Gleichgewichtsgleichung geht in beide Richtungen, so dass jeder Wasserüberschuss zu einem Zerfall von Protein führt.
In der nächsten Biologiestunde erklärte selber Lehrer, dass die ersten Proteine usw. sich in dem Meer (Wasserüberschuss) gebildet haben. Meine Kritik an seinen Ausführungen konnte er aber nicht nachvollziehen, die Klasse machte sich nur einen Jux daraus.
Was ich damit sagen will:
Kritisches Denken heißt nicht, gegen den Mainstream oder in Sonderstrukturen einer Gegenwelt zu denken, sondern, zu hinterfragen und kritisch zu prüfen. Letztlich ist es das, was man mit "gesunden Menschenverstand" noch als Begriff kennt, jedoch leider nicht mehr anwendet. Kritisches Denken entsteht, wenn man Wissen verknüpft, sich selbst auch hinterfragt und auch bereit ist, sich Verführung, Irrtum, Dummheit und naive Gutgläubigkeit einzugestehen, um dann auch wiederum zu suchen, was einen da hinein brachte, um zumindest aus dem Fehlern zu lernen.