Insgesamt gilt, dass die Kriminalitätsbeteiligung nicht primär herkunftsspezifisch erklärt werden kann
Hallo
Dieses Gutachten des Kriminalwissenschaftlers Dr. Christian Walburg, welches viele andere Ergebnisse aus vielen anderen (Befragungs-)Studien zusammenfasst, ist im Juli 2014 veröffentlich worden. Inwiefern sich das Ergebnis in den kommenden Jahren ändern wird, aufgrund der Flüchtlingsbewegung des letzten Jahres, wissen wir nicht. In jedem Fall müssen wir besonnen unterscheiden zwischen kulturspezifischer Kriminalität und Taten, die aus bestimmen sozialen Extremsituationen entstehen.
Ich will nochmal darauf hinweisen, dass wir uns nicht verrückt machen lassen sollten von undifferenzierter, stereotyper, reißerischer und irreführender Berichterstattung im Internet u.a Medien, welche dazu dient, gezielt zusätzlich Hass, Angst und Gewalt zu schüren. Das heißt nicht, dass man bestimmte Taten herunterspielen soll, man sollte aber aufpassen, dass nicht ein falscher Eindruck entsteht. Die überwiegende Mehrzahl der Zugewanderten ist weder kriminell noch faul noch unanständig oder integrationsunwillig u.a. Es handelt sich prozentual tatsächlich nur um eine Minderheit, bezogen auf die Gesamtzahl (mindestens 1 Million Zuwanderer).
Dieser Eindruck wird aber vermittelt, wenn man selektiv tagein und tagaus medial nur die negativen Dinge selektiert und aneinandereiht.
Schon seit Jahrzehnten weisen Studien darauf hin, dass ein Zerrbild ethnischer Minderheiten in Medien und Öffentlichkeit verbreitet wird. Das erschwert nicht nur die Integration sondern stigmatisiert die große Mehrheit der anderen Zuwanderer, die sich hier integrieren wollen.
Die Diskussion um die vermeintlich höhere Kriminalitätsrate bei Migrantinnen und Migranten in Deutschland gegenüber der nicht zugewanderten Bevölkerung ist ein Dauerbrenner - gerade auch in den Medien.
Ein Gutachten des Kriminalwissenschaftlers Dr. Christian Walburg von der WWU Münster - Münster University im Auftrag des Mediendienst Integration hat bereits im letzten Sommer mit dem "Mythos Ausländerkriminalität" aufgeräumt. "Erwachsene Zuwanderer fallen nicht vermehrt durch Straftaten auf - ausländische Jugendliche in den letzten Jahren immer seltener", so Walburg, der zu diesem Thema promoviert hat. Er weist auch darauf hin, dass die Ursachen von Gewalttaten bei Intensivtätern weniger in der Herkunft als in sozialer Ausgrenzung begründet liegen.
Wenn sich höhere Anteile von Gewalttätern fanden, dann traf dies meist auf alle größeren Herkunftsgruppen zu – eine Beobachtung, die gegen einen Zusammenhang mit einer bestimmten ethnischen Herkunft oder Religionszugehörigkeit spricht.
• Dagegen spricht auch, dass bestimmte Teilgruppen, etwa Mädchen aus muslimisch geprägten Einwandererfamilien, deutlich geringer delinquenzbelastet sind als nichtmuslimische Jugendliche.
• Ein weniger risikoreiches Freizeitverhalten und insbesondere ein geringerer Intensivkonsum von Alkohol verringern die Delinquenzrisiken in manchen Migrantengruppen deutlich.
• Unterschiede in der Gewalttätigkeit verschwinden in einigen Studien, wenn die ungünstigere Bildungsbeteiligung von Migrantenjugendlichen berücksichtigt wird (oder sind an Orten mit geringen Unterschieden in der Bildungsteilhabe von Anfang an geringer).
• Eine stärkere Zustimmung zu Gewalt hat vielmehr mit einer größeren sozialen Randständigkeit (Marginalisierung) zu tun als mit spezifischen ethnisch-kulturellen oder religiösen Orientierungen.
Unter den Intensivtäter/innen sind laut der Studie zwar besonders viele Einwanderer/-innen und ihre Nachkommen zu finden. Das widerspricht trotzdem nicht dem hier zitierten Gesamtergebnis der Studie.
Die Gruppe der Mehrfachgewalttäter mit mindestens fünf im Vorjahr begangenen Gewaltdelikten ist dabei grundsätzlich kleiner. Hier erreichten Jugendliche aus dem ehemaligen Jugoslawien (9,4 Prozent) und der Türkei (8,3 Prozent) die höchsten Anteile, wobei auch dieser Wert für die meisten anderen Herkunftsregionen mit 6 Prozent bis 7 Prozent ebenfalls deutlich über dem der Deutschen ohne Migrationshintergrund (3,3 Prozent) lag.
Dass die erhöhte Gewaltbelastung in erster Linie mit einer bestimmten ethnischen Herkunft
oder Religionszugehörigkeit zusammenhängt, ist bereits angesichts dieser gruppenübergreifenden Grundbefunde recht unplausibel: Erhöhte Gewaltrisiken sind gerade nicht auf eine spezielle ethnische oder religiöse Gruppe beschränkt. Vielmehr scheinen die erhöhten Gewalttäteranteile mit den Lebenslagen zusammenzuhängen, die typischerweise mit Migration verbunden sind.
Dass hierbei das jeweilige Umfeld eine wichtige Rolle spielt, zeigt unsere Untersuchung aus Duisburg. Dort wird seit 2002 die Längsschnittstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“ durchgeführt, in deren Rahmen individuelle Delinquenzentwicklungen im Altersverlauf sowie deren Bedingungen untersucht werden
Nach der These des inneren Kulturkonfliktes ist Delinquenz eine gängige Begleiterscheinung des Eingliederungsprozesses von Migrantenjugendlichen. Gemeint ist damit heute weniger die überkommene essentialistische Vorstellung einer unüberwindlichen Gegensätzlichkeit verschiedener statischer und homogener Kulturen, die bei Migrantennachkommen zu Orientierungs- und Normlosigkeit führe. Vielmehr beziehen sich Forscher in erster Linie auf Spannungen und Identitätsprobleme, die sich aus der zunehmenden Hinwendung zur Aufnahmegesellschaft und dabei erlebten Ausgrenzungen ergeben. Man geht davon aus, dass dieser sogenannte Akkulturationsstress zur Übernahme negativer Selbstbilder und damit zusammenhängenden abweichenden Normen führen kann.
http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/32218/lebenswelten-von-migrantinnen-und-migra...
http://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/Gutachten_Kriminalitaet_Migration_...
Gruß