Ich kenne das aus dem Donbass
es dann schwierig,
wenn ein Bauerngut zwischen 4 Söhnen aufgeteilt werden sollte: jeder
der
4 wird dann
existentiell gefährdet sein.
Das sehe ich anders. Hier in Sofia, als es mit den Einkommen bergauf ging,
hauptsaechlich durch die Immobilien, kamen auch alle Zigeuner aus ganz
Bulgarien und siedelten sich in den Randgebieten an. Wodurch auch die
Immobilien wieder wertlos wurden. Und noch etwas die Immobilien sind zwar
teuer aber wenn die Mieten sinken, da es keine gut bezahlten Jobs gibt,
sinken auch die Immobilien.
Den Immo-Boom kenne ich auch aus der Ukraine, Wohnungen für USD 5'000 waren
plötzlich USD 50'000 wert und am Eingang zu jedem Mehrfamilienhaus wurden
von verschiedenen Maklern und "Investoren" Zettel hingeklebt, dass man seine
Wohnung an sie verkaufen soll.
Ich habe jeden gewarnt, weil wir aus der Schweiz natürlich solche Immo-Booms
kennen, aber in der Ukraine war das neu.
Neu war, dass es sowas wie Eigentum gab, dass Eigentum beliehen werden kann
und dass plötzlich nicht mehr Hyperinflation auf Hyperinflation folgte. Schon
wenn die Zinsen nur von 25% auf 18% fallen, hat diese eine preissteigernde
Wirkung auf alle Assets.
In Bulgarien fand dies doch noch viel stärker statt, weil es dann Richtung
EU ging.
Wie weiter oben beschrieben, ist der Grossteil dessen, was wir als "Geld" bezeichnen,
in Hypothekgeschäften kreiert worden. In der Schweiz so 70-80%.
In jedem Verschuldungsprozess gelangt mehr "neues Geld" in den "Kreislauf". Diesen
Kreislauf gibt es natürlich nicht, es findet sich alles auf der Passivseite des
aggregierten Bankensystems wider.
Weil Immopreise steigen, werden auf mehr Immos gebaut und aus den Neuverschuldungen
werden Einkommen bezahlt, was den Boom weitertreibt.
Immos sind das Backbone unserer Banksysteme, deshalb wirken sich Booms und Krisen
so enorm auf die Gesamtwirtschaft aus.
Die Auszehrung der Doerfer zugunsten der Staedte ist der Grund weshalb der
Kommunismus scheiterte.
Der Kommunismus scheiterte, weil es kein Eigentum gab, deshalb auch kein "Geld", wie
wir es haben. Der Kommunismus ist ein Kommandosystem, wie es im Kapitalismus auch
vorkommt, im Kapitalismus heisst es "Unternehmen". Der Kommunismus war wie ein Mega-Konzern
und wie wir wissen, überlebt kaum ein Unternehmen länger als 50 Jahre, 9 von 10 scheitern
gar in den ersten Jahren.
Die Eu versucht zwar mit Programmen die Doerfer
wiederzubeleben, nur das ist schon gescheitert.
Weil es in den Dörfern nichts mehr zu verdienen gibt. Ich stelle es mir vor
wie die Dörfer in der Ukraine, die leben sehr bescheiden und mehrheitlich in
Subsistenzwirtschaft. Obwohl die arm sind, fliegen schon oft Trauben oder
Tomaten auf den Mist, davon haben sie genügend. Äpfel auch und trotzdem wurden
in den Supermärkten von Donezk und Mariupol Äpfel aus dem Südtirol verkauft.
Hier in Bulgarien besteht
ein Hass der Doerfler gegenueber den Staedten, da alles was die Doerfer
produziert haben in Richtung zu den hungrigen Staedter geht. Der
Stadtmensch ist ohne die Doerfer ein Toter.
Werden die "Dorfprodukte" von den Städtern gestohlen? Ist es nicht so, dass
die Städter einfach finanzkräftiger sind und das Zeugs kaufen?
Also ich würde nicht gegen die Stadt als Konzept per se wetten, nur
weil
die alten Industriestädte Probleme
haben, weil die Industrie abwandert. Aus individueller Sicht kann dies
natürlich anders aussehen - nicht
jede Stadt wird sich transformieren.
Das sehe ich auch nicht so. Der Staedter ist aus Konsumsicht eine
Missgeburt.
Er hat kein Platz, um zu konsumieren. Denn Sachen, die man kauft, brauchen
Platz. Der Staedter ist eine Totgeburt. Und er bleibt sein ganzes Leben ein
Gefangener seiner Unfaehigkeit, ohne den Staat ueberleben zu koennen.
Sehe ich gar nicht so. Seit jeher strömen Leute vor allem vom Dorf in die Städte.
Städte sind sehr effizient, ohne Städte könnte es gar nicht so viele Leute geben,
Städte schaffen Gesetze, damit auch den Staat.
Ich verstehe aber, dass gerade in einem ex-kommunistischen Staat diese Vorstellung
vorherrscht und dass mit "Stadt" vor allem die Hauptstadt gemeint ist. Ich kenne
viele Russen, die nicht aus St. Petersburg oder Moskau stammen und die alle der
selben Meinung wie Du sind, nämlich dass vor allem Moskau wie ein gewaltiges
Fettauge auf Russland's Resourcenreichtum schwimmt, aber produktiv nichts dazu
beiträgt. Die verstehen halt nicht, dass die Händler mit Marktzugang in St. Petersburg
entscheidender sind, als das hundertfünfzigtausendste Bohrloch irgendwo in Sibirien.
Ohne Wettbewerb hat man keine Margenschwaeche sondern tendiert zum
Mafiaclan.
Nein. Google's Umsatz ist viel kleiner als der aggregierte Umsatz der US-Flugindustrie.
Dennoch ist Google's Gewinn grösser, ganz einfach deshalb, weil die Fluglinien
sich gegenseitig die Margen wegkonkurrieren.
Was ich sage, ist nicht, dass Wettbewerb schlecht ist, sondern dass es sich nicht
lohnt, in den Wettbewerb einzusteigen.
Reiche Länder haben eine starke Währung, obwohl eine starke Währung im globalen
Wettbewerb ein Nachteil ist. Reiche Länder wollen nicht in den Wettbewerb mit armen
Länder treten sondern neue innovative Produkte oder Markenprodukte mit hohem Prestigewert
herstellen. In reichen Ländern können so vergleichbar hohe Löhne gezahlt werden, so
verdient in der Schweiz ein Coiffeur mehr als einer in der Türkei, obwohl derjenige in
der Schweiz vergleichsweise niemals dermassen besser sein kann.
Die ganzen Assets der Banken sind imaginaere Werte. Also keine Werte. Und
das ist was die Banker fuerchten.
Auch das stimmt nicht. Der grösste Teil in den Bankbilanzen sind Ansprüche, die mit
Immobilien besichert sind. Realer geht es kaum.
Das hat auch Bulgarien
gemacht bevor es in die EU aufgenommen wurde. Mehr als 50 Mafia-Bosse
wurden um das Jahr 2000 von irgendeinem Unbekannten abgeschossen,
wahrscheinlich vom Staat.
Darauf angesprochen sagte der damalige Ministerpraesident, dass der
normale Buerger sich nicht sorgen solle, denn nur die Mafiosi waeren
betroffen.
Im Donbass hat es anders funktioniert. Dort wurden von den 50 nur 49 Mafia-Bosse erschossen,
jeder weiss von wem, spricht es aber nicht offen aus.
Seine Marionette wurde vom Maidan aus dem Amt gejagt. (Auch Peter Scholl-Latour kannte die
Machtverhältnisse im Donbass, er hat den Überlebenden ja besucht: https://www.youtube.com/watch?v=2DstVufWpRg#t=8m40s )