Illigs VT geht gar nicht, würde die Kritik an ihm und seinen Kreis aber trotzdem relativieren.

SUCRAM, VLC, España, Freitag, 13.11.2015, 14:27 (vor 3735 Tagen) @ Zarathustra5418 Views

Hi @Zara

Es ist eigentlich umgekehrt. Namhafte Historiker lehnen die abstrusen
Geschichten des Bankers Illig, der übrigens Heribert und nicht Herbert
heisst, ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_Illig#Leben
https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_Illig#Rezeption

Was nun nicht unbedingt etwas zu heißen hat als Fakt, wenn das Establishment, allen voran das Akademische, etwas ablehnt.
Mann müsste schon schauen, wer wie und was warum ablehnt.

Niemitz und Illig haben zu mindest an Dogmen in der Geschichtswissenschaft gekratzt, die selbst davon nicht gerade befreit ist. Aber ich denke, da sind wir uns einig. Das Problem Illigs ist, dass er, wie auch viele hier, ein bestimmtes Ziel vor Augen hatte, nämlich eine Verschwörung nachzuweisen. Er hat dann recht schnell den wissenschaftlichen Pfad verlassen und teilweise Behauptungen aufgestellt, die er nicht nachweisen konnte, bzw. die widerlegt wurden.

Ich hatte alle seine Bücher gelesen.

Trotzdem sollten sich, gerade namhafte Historiker nicht hinstellen, und alles als abstrus abwatschen nur weil es nicht in ihr Denkschema passt. Das hat der Wissenschaft noch nie gut getan und ist eigentlich der Religion und den Wirtschafts"wissenschaften" vorbehalten.

Nichtsdestotrotz sollte erkannt werden, dass insbesondere die Schlüsse von Illig hinsichtlich des "fehlenden Mittelalters" zwar interessant klangen aber wissenschaftlich mathematisch unhaltbar waren. Da das sein Fundament für alle anderen Schlüsse war (Erfindung Karls, usw.), sind diese natürlich damit auch hinfällig. Erst Recht, wenn er dann auch noch über mögliche Motive der Erfindung dieser "Geschichte" fantasiert. Würde hier in das Forum passen.

Nun denke ich trotzdem, dass gerade die Geschichtswissenschaft allen Grund hat, offen zu sein für Kritik und alternative Interpretationsansätze, soweit sie auf wissenschaftlichen Methoden basieren. Nur weil eine Idee oder ein Ansatz für manchen Akademiker absurd klingen, müssen sie es nicht sein. Niemitz größter Verdienst war m.E. sein Denkanstoß mit seiner wissenschaftlichen und detaillierten Kritik über die etablierten Datierungsmethoden (C-15 und Dendrochronologie), dem sich offene Historiker nicht verschließen sollten. Ich halte eine möglichst korrekte Chronologie für eine wichtige Voraussetzung, Ereignisse in der Menschheitsgeschichte richtig einzuordnen, um dann sinnvolle Schlüsse daraus zu ziehen. Denn all zu viele weitere Ansätze und Theorien, nicht zuletzt der Debitismus, setzen auf eine korrekte Chronologie als Basis auf.

Oft genug bedient sich die Geschichtswissenschaft zwar wissenschaftlicher Erkenntnisse, macht sie dann aber für ihr etabliertes Fundament oder oft auch Ideologie "passend". Spengler, von dem ich ebenfalls restlos alles gelesen hab, dem ich jedoch in vielen Dingen mittlerweile kritisch gegenüber stehe, hatte aber eine Forderung, die ich ganz teile: Dass sich die Geschichtswissenschaft mit allen Nebendisziplinen wie z.B. Archäologie auf eine korrekte Chronologie beschränken und den Rest den methaphysischen Disziplinen wie Philosophie und dergleichen sowie den Sozialwissenschaften [mein Zusatz] überlasse sollte.

Das dazu.

Beste Grüsse, Zara

L.G. Sucram

--
"Den Staat (oder irgendwas anderes) zu bekämpfen macht ihn nur stärker.
Willst Du den äußeren Staat erschüttern, dann erschüttere den Staat in Dir." (@Konstantin)


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