Inflation von Managerpositionen
Mich erfreuen Diskussionen zu diesem Thema – auch im Bekanntenkreis – immer wieder; aber so wie sie mich erfreuen, so führen sie auch regelmäßig zu immer neuen Bluthochdruckhöchstständen.
In 20 Berufsjahren (vor allem in der Prozessmesstechnik und Medizintechnik) durfte auch ich – in Festanstellungen wie auch freiberuflichen Projekten – so einiges erleben.
Die Inflation von Managerpositionen für alles und jeden stellt in meinen Augen das eigentliche pseudoide Fachkräfteproblem dar. Ein Manager ist nach meinen Erfahrungen in der Regel keine Führungskraft; geht daher meist auch nicht gestalterisch mit neuen Situationen und Herausforderungen um, führt seine Mitarbeiter nicht auf dem Lösungsweg, sondern versucht, seine in beliebigem Studium oder Beruf auswendig gelernten (teils vielleicht auch eingeprügelten) Schemata abzuspulen (bloß nicht weiter oder gar um die Ecke denken!). Wenn die Probleme sich nicht lösen lassen erweitert man den Kreis der Manager einfach. Wer kennt nicht das Foto des Bauarbeiters Horst in der Grube?
Dabei werden Hinweise, Verbesserungsvorschläge, Warnungen, etc. aus dem gesamten Mitarbeiterkreis (von der Aushilfe bis zum Abteilungs-/Gruppenleiter) gerne überhört, wegdiskutiert oder einfach nur ausge-basta-t, bis die Hütte tatsächlich brennt. (Vielen Dank an @Blut-Svente: den „KBF“ habe ich stante pede in mein Vokabular übernommen.)
So sind auch mir entsprechende astronomische Stundensätze durchaus bekannt – genauso wie aber auch durchaus amüsante Projektanfragen auf freiberuflicher Basis á la 12 Monate, 40 h pro Woche, 100 % Ortsverfügbarkeit beim Kunden, keine zus. Spesen zu fix 30,- Stundensatz – muahahahahaha. Hier zeigt sich der angebliche Fachkräftemangel© (deutsche Regierung und Presseagentur der deutschen Regierung), welcher auch in diesem Faden ja schon von mehreren Foristen beschrieben wurde.
Meiner Erfahrung nach sucht man nach willigen, billigen Fachkräftenutten.
Manager „der Industrie“ (ob nu 4.0, 5.0 oder was einem Driss auch immer) suchen bestens ausgebildete Fachkräfte, welche einen Lebensstil führen, welcher sich nicht einfach mehr ändern lässt, und entsprechend (kognitiv) bereit sind, sich zu fast schon beliebigen Konditionen zu prostituieren.
Aber all dies ist ja nicht unbekannt.
Nach meinen Erfahrungen gibt es aber tatsächlich einen real existierenden, aber auch schwer zu beseitigenden Fachkräftemangel bei uns in Deutschland.
Dieser liegt meiner Meinung nach gerade in den Managementkreisen und – vor allem auch jenen Kreisen, die uns dies alles erst eingebrockt haben – der Politik; national, international und oft auch kommunal. Wobei hier die Probleme kleiner werden, desto kleiner die Verwaltungseinheiten sind …
Was uns schlussendlich der Lösung näherbringt …
Stammesbildung.
Herzlichst grüßend,
Birger