Danke und Ergänzung

KK, Montag, 02.11.2015, 13:29 (vor 3742 Tagen) @ Ashitaka3674 Views

Hallo ashitaka,

Hi KK,

Ein solches System, das nur Masse produziert ohne qualifizierte

Bewertung,

erstickt an sich selbst, wird trivial, beliebig und müllt nur die

Köpfe

seiner Nutzer zu.


Der auch hier gehaßte Jean Baudrillard schrieb zu diesem Gedanken:
"information devours its own content" (auf Deutsch: Die Information
verschlingt ihren eigenen Inhalt").

Ja, diese Tendenz ist im Gelben Forum klar zu erkennen. Getrieben vom
Drang einer unaufhörlichen Informationsmitteilung wird der Inhalt der
Information beliebig, nicht mehr bewertbar.

Da qualifizierte Bewertung der Informationsflut in einem so großen
Netzwerk (noch) nicht möglich ist, ist es umso wichtiger, Teilnetze zu
bilden, in denen in der Diskussion Werte geklärt werden können, also
Bewertung stattfinden kann.

Diese Teilnetzwerke sind demnach die Quelle qualifizierter Bewertung,

bzw.

können es sein.

Was muß bei einem solchen Teilnetzwerk gegeben sein und

berücksichtigt

werden?


Eine Orientierung am Inhalt. Man merkt sehr schnell, ob jemand etwas
inhaltliches und argumentativ tiefgreifendes anbieten will, oder ob jemand
nur darauf abzielt an der Wasseroberfläche zu schwimmen, gelegentlich
hochzuhüpfen sobald es eine neue Information gibt, die aufgrund der
ständigen Hüpfversuche inhaltich sowieso nicht mehr von Interesse ist.
Ich sehe hier vor allem die Beiträge, in denen ganze Texte mit Linksetzung
verbläulicht sind und man eigentlich gar keinen Eindruck von seinem
Gegenüber mehr gewinnt, was dieser über die Zeit hinweg eigentlich
erklären möchte.

Wir müssen aber auch die großes Ereignisse als Phasen der Unruhe
verstehen. Blicken wir nur auf die derzeitige Flüchtlingskrise. Da spielen
nicht mehr nur die Informationen eine entscheidene Rolle, sondern vor allem
die eigenen Ängste, die Furcht vor gravierenden Veränderungen.
Diskussionen, deren Fundamente aus Angst & Hoffnung bestehen, sind von
Grund auf zum Scheitern verurteilt. Und wir alle scheitern
"lösungstechnisch" an diesem Thema, weshalb das Forum eine gerade nicht
sehr inspirierende Zeit durchmacht.

Nein, die eigenen Ängste werden nicht durch direkte eigene Erfahrungen (ist sicher auch hier unter den Foristen eher die Ausnahme), sondern wesentlich durch angsteinflößende Informationen entwickelt, deren Berechtigung dann nicht mehr ergebnisoffen hinterfragt wird, sondern durch ihre manipulative Art den Kopf zumüllt.

Ziel ist die Schaffung von kommunikativer, übersummativer Intelligenz.
Die eingebrachten Lösungen müssen in einer ergebnisoffenen Diskussion
bewertet und verdichtet werden. Ohne Verdichtung entsteht nur beliebige
Vielfalt.
Ist das Netzwerk dazu nicht in der Lage, ist es nutzlos.


Es ist für den Moment, für einen Zeitraum gesehen, nutzlos. Wichtig
wäre es, dass wir uns gegenseitig wieder mehr Respekt zollen und vor allem
einfordern, dass nicht mehr geredet wird ohne zu antworten. Und das beziehe
ich nicht auf gedankenfreie Offtopics, sondern auf Ontopic-Themen. Offtopic
ist alles, oder nicht?

Nein, nicht bei den Anderen einfordern, sondern jeder bei sich selbst!

Es soll für den Diskutanten nicht darum gehen, Lösungen zu

produzieren,

sondern das Produzieren von Lösungen zu ermöglichen.
Das Senden von Informationen kann die Diskussion nicht ersetzen.
Es muß Lösungsansätze erarbeiten, die besser sind, als das

bestehende

System, sonst ist es ein Zerstörer, ohne Bildner zu sein.


Nur wie soll man Lösungsansätze erarbeiten, wenn man ein Modell zum
Original erklärt, wenn nur noch Zeichen die Realität simulieren. Viele
hier wissen von der Simulation und Reproduktion der Modelle. Ich habe den
Eidnruck wir müssten vielmehr daran arbeiten, das Original(system) klar
und deutlich zu erklären, statt uns ein solches anhand von
Erwartungshaltungen zu simulieren, von Lösungen zu fantasieren. Es
herrscht ein irsinniger Mentalfaschismus, der durch Angst & Hoffnung zur
universalen Religion aufgestiegen ist. Damit wird die zentrale Frage, ob es
denn systematisch begründet überhaupt eine Lösung geben "darf",
unmöglich. Vielleicht ergibt die Frage nach einer systematischen Lösung
gar keinen Sinn.

Ja, ist sicher ein diskussionswürdiges Thema und damit einen eigenen Thread wert.

In der Zeit der Diskussionen rund um den Debitismus war das Gelbe

sicher

ein Ort des ergebnisoffenen Ringens um Erkenntnisse von einigen sehr

hellen

Köpfen.
Es wurde verdichtet und bewertet, es war ein ThinkTank.


Es ist ein ThinkTank, einer in dem das Wasser derzeit nur zu heiß
kocht. Auch damals wurde nicht nur verdichtet, sondern hart (ohne
persönliche Angriffe) gekämpft, um die Modellierung und
Simulationsprozesse erkennbar zu machen. Die Diskussionen im alten Forum
haben gerade deshalb einen unverzichtbaren Wert, weil dort jeder bereit war
mit Pfeffer & Salz um sich zu schlagen, weil jeder bei niedriger Taktrate
an einer argumentativen Tiefe seiner Darstellungen interessiert war. Und
dabei kristallisierten sich Gedanken heraus, die bis heute wiederlegt
werden wollen.

Nein, es ist derzeit kein ThinkTank, es ist weitgehend ein Ticker beliebiger News.

Heute (seit einiger Zeit) ist die ergebnisoffene Diskussion weitgehend
verschwunden und wurde vom reinen Senden von Informationen abgelöst.


Kannst du denn diese "Ergebnisoffenheit" genauer erklären? Handelt es
sich in Wahrheit nicht vielmehr um ein unnachgiebiges Festhalten, um ein
"nicht loslassen dürfen" und "komplementieren" der Gedankengänge? Für
mich hat z.B. das alte Forum gerade deshalb einen solch hohen Wert, weil
dort über Wochen hinweg an der Mitteilung / Kritik weniger Gedankengänge
festgehalten wurde. Und das nicht gerade zimperlich, sondern mit
argumentativen Ohrfeigen, im Beisammensein mit roten Bäckchen.

Das Festhalten an der eigenen Meinung und das Abrunden/Ergänzen derselben in einer Diskussion hat nur dann einen hohen Wert, wenn man trotz aller Härte der Auseinandersetzung den Mitdiskutanten vermittelt, daß man gern (weil Erkenntnisgewinn) deren Einsichten/Argumente mitbedenkt und somit für ein wie auch immer anderes Ergebnis als das eigene gedachte offen ist.

Ist dies nicht der Fall, ist man als Missionar unterwegs, unfähig oder unwillig zur Reflexion, zur prüfenden Betrachtung.

Die Links sind in den Vordergrund gerückt; die Meinung irgendwelcher
Menschen muß nur ins eigene Weltbild passen (oder zur Erregung des

Netzes)

– dann paßt’s schon.
(Die Struktur der Threads ist ein deutliches Indiz dafür, das immer
schnellere Verschwinden der Threads ins Gelbe Nirwana ebenso).


Ja, die Taktrate und Beliebigkeit sind ein Problem.

Ja, und was steckt hinter Taktrate und Beliebigkeit?

Imho ist es fehlender Respekt vor dem Gelben, zumindest Unverständnis, was das Gelbe überhaupt ist bzw. war bzw. sein soll.
Es ist eben nicht der Ort der schnellen, beliebigen Information (die kann jeder für sich selbst erklicken); es ist der Ort der gemeinsamen prüfenden Betrachtung der wichtigen Geschehnisse zwecks Gewinnung von Erkenntnissen, die nicht durch die immer schneller fließende Informationsflut erreicht werden kann, sondern nur durch Innehalten in einer ergebnisoffenen Diskussion.

Problembekämpfung: Ich würde an Chef's Stelle nur noch einen Thread
erlauben, der sich zukünftig mit dem Flüchtlingsthema beschäftigt, der
auch nach unten verschwinden darf. Genauso bei jedem größeren Thema, dass
uns über mehrere Tage mental gefangen hält. Er müsste sich nichts
vorwerfen lassen, würde nichts zensieren, sondern allen eindrücklich vor
Augen führen, wie wenig uns die Informationsdichte und Taktrate der
letzten Wochen weitergeholfen hat, sobald man sich auf das Thema
konzentriert. Und das versucht schließlich jeder in seinem Köpfchen. Wenn
einem das Thema, vor dem Hintergrund, dass es sich hier um ein Börsen- &
Wirtschaftsforum handelt, noch wichtig erscheint, dann sollte man den einen
Thread immer wieder mit neuen News und Kritiken hoch leben lassen. Man wird
schnell feststellen, dass man eigentlich nur Gefallen an der Taktrate und
Spannung (Erwartung der Reaktion) hat, dass es aber so keinen Spass mehr
macht. Problem beseitigt.

Problembekämpfung: @Chef hat bisher einen sehr guten Job gemacht. Es geht nicht um ihn, es geht um die Foristen! Es geht um genau die Foristen, die die Information zum Selbstzweck erheben und im Gelben wie Müll abschütten. Es geht um die Foristen, die das Gelbe mit den Kommentarspalten der MSM verwechseln; schnell mal was hingekotzt zur Senkung des eigenen Blutdrucks. Es geht um die Foristen, die hier nur die Bestätigung der eigenen Meinung suchen, denen ergebnisoffene Diskussion weitgehend, wenn nicht völlig fremd ist.
Diese Foristen sollten in sich gehen, sich zurücknehmen, ausreichendes Basiswissen aneignen und dann als Diskutanten wieder zurückkommen.

Wer in meiner Meinung einen Schuh findet, der ihm passt, soll ihn sich gern anziehen; die Gelben haben schon die eigenen Schuhe an.

Herzlichst,

Ashitaka

Freundliche Grüße
KK


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