Gedanken dazu

Ashitaka, Montag, 02.11.2015, 08:48 (vor 3741 Tagen) @ KK4086 Views
bearbeitet von unbekannt, Montag, 02.11.2015, 08:52

Hi KK,

Ein solches System, das nur Masse produziert ohne qualifizierte Bewertung,
erstickt an sich selbst, wird trivial, beliebig und müllt nur die Köpfe
seiner Nutzer zu.

Der auch hier gehaßte Jean Baudrillard schrieb zu diesem Gedanken: "information devours its own content" (auf Deutsch: Die Information verschlingt ihren eigenen Inhalt").

Ja, diese Tendenz ist im Gelben Forum klar zu erkennen. Getrieben vom Drang einer unaufhörlichen Informationsmitteilung wird der Inhalt der Information beliebig, nicht mehr bewertbar.

Da qualifizierte Bewertung der Informationsflut in einem so großen
Netzwerk (noch) nicht möglich ist, ist es umso wichtiger, Teilnetze zu
bilden, in denen in der Diskussion Werte geklärt werden können, also
Bewertung stattfinden kann.

Diese Teilnetzwerke sind demnach die Quelle qualifizierter Bewertung, bzw.
können es sein.

Was muß bei einem solchen Teilnetzwerk gegeben sein und berücksichtigt
werden?

Eine Orientierung am Inhalt. Man merkt sehr schnell, ob jemand etwas inhaltliches und argumentativ tiefgreifendes anbieten will, oder ob jemand nur darauf abzielt an der Wasseroberfläche zu schwimmen, gelegentlich hochzuhüpfen sobald es eine neue Information gibt, die aufgrund der ständigen Hüpfversuche inhaltich sowieso nicht mehr von Interesse ist. Ich sehe hier vor allem die Beiträge, in denen ganze Texte mit Linksetzung verbläulicht sind und man eigentlich gar keinen Eindruck von seinem Gegenüber mehr gewinnt, was dieser über die Zeit hinweg eigentlich erklären möchte.

Wir müssen aber auch die großes Ereignisse als Phasen der Unruhe verstehen. Blicken wir nur auf die derzeitige Flüchtlingskrise. Da spielen nicht mehr nur die Informationen eine entscheidene Rolle, sondern vor allem die eigenen Ängste, die Furcht vor gravierenden Veränderungen. Diskussionen, deren Fundamente aus Angst & Hoffnung bestehen, sind von Grund auf zum Scheitern verurteilt. Und wir alle scheitern "lösungstechnisch" an diesem Thema, weshalb das Forum eine gerade nicht sehr inspirierende Zeit durchmacht.

Ziel ist die Schaffung von kommunikativer, übersummativer Intelligenz.
Die eingebrachten Lösungen müssen in einer ergebnisoffenen Diskussion
bewertet und verdichtet werden. Ohne Verdichtung entsteht nur beliebige
Vielfalt.
Ist das Netzwerk dazu nicht in der Lage, ist es nutzlos.

Es ist für den Moment, für einen Zeitraum gesehen, nutzlos. Wichtig wäre es, dass wir uns gegenseitig wieder mehr Respekt zollen und vor allem einfordern, dass nicht mehr geredet wird ohne zu antworten. Und das beziehe ich nicht auf gedankenfreie Offtopics, sondern auf Ontopic-Themen. Offtopic ist alles, oder nicht?

Es soll für den Diskutanten nicht darum gehen, Lösungen zu produzieren,
sondern das Produzieren von Lösungen zu ermöglichen.
Das Senden von Informationen kann die Diskussion nicht ersetzen.
Es muß Lösungsansätze erarbeiten, die besser sind, als das bestehende
System, sonst ist es ein Zerstörer, ohne Bildner zu sein.

Nur wie soll man Lösungsansätze erarbeiten, wenn man ein Modell zum Original erklärt, wenn nur noch Zeichen die Realität simulieren. Viele hier wissen von der Simulation und Reproduktion der Modelle. Ich habe den Eidnruck wir müssten vielmehr daran arbeiten, das Original(system) klar und deutlich zu erklären, statt uns ein solches anhand von Erwartungshaltungen zu simulieren, von Lösungen zu fantasieren. Es herrscht ein irsinniger Mentalfaschismus, der durch Angst & Hoffnung zur universalen Religion aufgestiegen ist. Damit wird die zentrale Frage, ob es denn systematisch begründet überhaupt eine Lösung geben "darf", unmöglich. Vielleicht ergibt die Frage nach einer systematischen Lösung gar keinen Sinn.

In der Zeit der Diskussionen rund um den Debitismus war das Gelbe sicher
ein Ort des ergebnisoffenen Ringens um Erkenntnisse von einigen sehr hellen
Köpfen.
Es wurde verdichtet und bewertet, es war ein ThinkTank.

Es ist ein ThinkTank, einer in dem das Wasser derzeit nur zu heiß kocht. Auch damals wurde nicht nur verdichtet, sondern hart (ohne persönliche Angriffe) gekämpft, um die Modellierung und Simulationsprozesse erkennbar zu machen. Die Diskussionen im alten Forum haben gerade deshalb einen unverzichtbaren Wert, weil dort jeder bereit war mit Pfeffer & Salz um sich zu schlagen, weil jeder bei niedriger Taktrate an einer argumentativen Tiefe seiner Darstellungen interessiert war. Und dabei kristallisierten sich Gedanken heraus, die bis heute wiederlegt werden wollen.

Heute (seit einiger Zeit) ist die ergebnisoffene Diskussion weitgehend
verschwunden und wurde vom reinen Senden von Informationen abgelöst.

Kannst du denn diese "Ergebnisoffenheit" genauer erklären? Handelt es sich in Wahrheit nicht vielmehr um ein unnachgiebiges Festhalten, um ein "nicht loslassen dürfen" und "komplementieren" der Gedankengänge? Für mich hat z.B. das alte Forum gerade deshalb einen solch hohen Wert, weil dort über Wochen hinweg an der Mitteilung / Kritik weniger Gedankengänge festgehalten wurde. Und das nicht gerade zimperlich, sondern mit argumentativen Ohrfeigen, im Beisammensein mit roten Bäckchen.

Die Links sind in den Vordergrund gerückt; die Meinung irgendwelcher
Menschen muß nur ins eigene Weltbild passen (oder zur Erregung des Netzes)
– dann paßt’s schon.
(Die Struktur der Threads ist ein deutliches Indiz dafür, das immer
schnellere Verschwinden der Threads ins Gelbe Nirwana ebenso).

Ja, die Taktrate und Beliebigkeit sind ein Problem.

Problembekämpfung: Ich würde an Chef's Stelle nur noch einen Thread erlauben, der sich zukünftig mit dem Flüchtlingsthema beschäftigt, der auch nach unten verschwinden darf. Genauso bei jedem größeren Thema, dass uns über mehrere Tage mental gefangen hält. Er müsste sich nichts vorwerfen lassen, würde nichts zensieren, sondern allen eindrücklich vor Augen führen, wie wenig uns die Informationsdichte und Taktrate der letzten Wochen weitergeholfen hat, sobald man sich auf das Thema konzentriert. Und das versucht schließlich jeder in seinem Köpfchen. Wenn einem das Thema, vor dem Hintergrund, dass es sich hier um ein Börsen- & Wirtschaftsforum handelt, noch wichtig erscheint, dann sollte man den einen Thread immer wieder mit neuen News und Kritiken hoch leben lassen. Man wird schnell feststellen, dass man eigentlich nur Gefallen an der Taktrate und Spannung (Erwartung der Reaktion) hat, dass es aber so keinen Spass mehr macht. Problem beseitigt.

Herzlichst,

Ashitaka

--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.


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