Eine ehrliche Antwort, ich versuche es
Wenn man zudem länger weg ist, eine größere Distanz hat, sieht man die
Veränderungen viel deutlicher als jene, die ständig darin leben. doch ist
zu fragen, ob in den Ländern, wohin man auswandert, es wirklich wesentlich
besser ist.
Ja, vielleicht bekommt man einen anderen Blick auf die Dinge - wenn man soweit weg ist. Dazu kommt noch, dass das ja mein 2. Anlauf hier ist, beim 1. Mal hat es nicht geklappt. Diesmal gibt es kein zurück mehr, denn das ist keine Option mehr.
Auswandern ist im Normalfall keine Lösung, das muss man ganz klar sagen. Für Einzelfälle ist das die richtige Option, wenn man abschätzen kann was einen erwartet. Die besten Chancen hat man, wenn man in ein halbwegs intaktes Familienumfeld kommt, in dem Land seiner Wahl. Aber genau das ist die grösste Schwierigkeit, der Neuling kann gerade das nicht beurteilen. Wer diese Hürde überspringt - kann sich glücklich schätzen. Ein Mindeststartkapital von 250K Euro dürfte heute egal wo, die Voraussetzung bilden - aber ohne regelmässiges Einkommen löst sich das schnell in Nichts auf. Rentenzahlungen/Pensionen sind für meinen Jahrgang auch keine Option mehr - was in 10 Jahren ist, weiss niemand. Es muss ja auch eine ungefähre Planung geben, wie im höheren Alter z.B ab 70J. Einkommen erzielt werden kann, wenn man vielleicht nicht mehr arbeitsfähig ist.
Wer heute eine Auswanderung plant, hat einen denkbar schlechten Zeitpunkt erwischt, der Ruf des deutschen Facharbeiters, Ingenieurs hat seine beste Zeit auch hinter sich, seit alle Welt diverse Grossprojekte wie Berliner Flughafen, Stuttgart 21 etc. bewundern kann. Da gibt es heute andere Vorgaben.
Ich war vor einem Jahr im August zusammen mit meinem Sohn in D um meine Mutter zu besuchen. Er ist ja als Kleinkind bis er 6.5 J. alt war dort aufgewachsen und hat dort den Kindergarten und die erste Hälfte der 1. Klasse besucht beherrscht die Sprache auch in Wort und Schrift. Meine Geburtsstadt ist ungefähr so gross, wie die Stadt in der wir in TH leben. Nur: beim letzten Besuch hatten wir das Gefühl, wir sind in einem 3. Weltland gelandet. Es begann mit den SIM Karten fürs Telefon/Tab, diese überhaupt anzumelden ohne Adresse und Telefon, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Funktioniert hat es nachher auch nicht richtig - wir hatten den HighSpeed Tarif gebucht, waren aber die meiste Zeit nur mit EdgeSpeed unterwegs. In der ganzen Stadt gabe es kein WIFI - in keinem Cafe und keinem Restaurant, ich war fast in jedem und hatte gefragt, überall Fehlanzeige nur im McDonalds gabs das - aber bei der Anmeldeprozedur - da hab ich dann freiwillig verzichtet. Sonntags, Geschäfte geschlossen, Samstag und Sonntag Banken geschlossen(in TH sind in den Einkaufstempeln auch die Banken am Sonntag offen), nur grosse Supermärkte bis 20 oder 22 Uhr offen usw. und so fort. Ein Leben wie in einem riesigen Krankenhaus, sauber, steril, mit enstprechenden Fütterungszeiten - Hightechapparaturen, gestresstes Personal, Götter in weiss ...... und wir mitten drin, so haben wir uns gefühlt.
Wir haben dann die 10 Tage durchgehalten - und jeden Tag ein paar Stunden im Pflegeheim verbracht. Es war ein ganz neues Haus die Einrichtung und das Personal war ok, trotzdem war der Aufenthalt dort sehr beklemmend. Meine Mutter kann nicht mehr verständlich sprechen (Schlaganfall) was sie aber noch halbwegs artikulieren konnte, war immer -- ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr -- der Abschied war nicht einfach, meinem Sohn sind diese Wortfetzen wochenlang nicht aus dem Kopf gegangen.
Dafür gibt es im Buddhismus den Begriff - Karma - meine Mutter war mit 80 Jahren nach dem Tode meines Vaters zusammen mit uns auf einem 2 monatigen Urlaub in TH ihr hatte es sehr gut gefallen, war damals ihr 1. Flug und ihr erster Aufenthalt in einem nicht deutschsprachigen Land. Sie hatte die Option mit uns nach TH zu ziehen und dort zu leben, sie wollte aber nicht, sie meinte sie kann sich ja mit niemand unterhalten - dort ....
Jetzt kommt der harte Teil - ich habe sie so weit verstanden, dass sie mich angefehlt hat sie mitzunehmen - es ist aber leider zu spät, keine Fluggesellschaft der Welt wird sie befördern.
Die Situation meiner Mutter - dürfte für viele Deutsche eine ähnliche Wendung nehmen, beim richtigen Zeitpunkt gezögert. Jeder Mensch ist letztendlich verantwortlich für sein Leben, er muss Entscheidungen treffen (das kann auch absolute Passivität sein) und dann auch mit den daraus resultierenden Folgen leben. Dieses Bewusstsein ist in den Wohlfahrtstaaten völlig verloren gegangen, so mein Eindruck. Nur ganz wenige Menschen haben das Glück, die schlafen ein und wachen nicht mehr auf, für alle anderen ist dieser Übergang mit meistens sehr viel Leiden verbunden. Das ist eine ganz natürliche Sache, wird aber sehr gerne verdrängt - holt aber jeden letzendlich ein. Dagegen hilft auch keine Vorsorgeuntersuchung, auch keine Impfung oder veganes Essen. Es ist schlicht das normale Leben.
Mein Fazit wäre folgendes:
eine ehrliche Bestandsaufnahme des Ist-Zustands, darin sollte auch die Möglichkeit in betracht gezogen werden, dass der Sozialstaat ausfällt. Die Lösung vor Ort suchen, es sei denn, man hat wie z.B bei mir schon seit frühester Jugend direkte Erfahrungen mit einer anderen Kultur, die schon zu einem Teil der Persönlichkeit geworden ist. Ohne solche oder vergleichbare Erfahrungen wird auswandern immer zu einem Problem, man kann seine Wurzeln nicht ziehen und mitnehmen. Im neuen Land warten jede Menge Probleme, die sieht man am Anfang aber nicht - eines ist aber sicher, einfacher als im Geburtsland ist es im fremden Land nicht - sondern immer schwerer, nur Transferleistungsempfänger berichten anderes.
Gruss
--
Buntschland bald platt?
Mir doch egal, solange mein Geld aus dem Bankomaten, mein Strom aus der Dose, mein WiFi aus der Luft, mein Wasser aus dem Hahn und meine Fressalien auf den Tisch kommen!
©n0by
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