Kein Zufall...
Zufall?
Dazu ein Auszug aus einem Text, den ich vor einigen Jahren zu diesem Thema verfasst habe:
[...] Es gibt noch eine weitere, evolutionär entstandene ethische Grundhaltung, die sich in modernen Gesellschaften Geltung verschafft. Sie begegnet uns schon bei den griechischen Sophisten: Es ist das intuitive ethische Empfinden des sehr intelligenten Fremden.
Die soziobiologischen Überlegungen haben uns die Grundlagen der traditionellen gemeinschaftlichen Ordnung verdeutlicht. Weil die Gene nach maximaler Verbreitung streben, gönnt man seinen Verwandten den Erfolg und ist auch einmal bereit, auf eigene Vorteile zu verzichten. Der Erfolg der biologischen Gemeinschaft sichert zugleich die maximale Verbreitung der eigenen Gene, deshalb sind alle alten Werte am Wohl der Gemeinschaft ausgerichtet. Daraus entstehen die Sitten, Werte, Tugenden und ethischen Prinzipien des traditionellen Staates. Für den eingewanderten Fremden gelten diese Prinzipien nicht: Er ist kein Verwandter, der biologische Erfolg seiner neuen Mitbürger interessiert ihn wenig. Umgekehrt wird er von den alteingesessenen Bewohnern auch als Fremder identifiziert und, bewusst oder unbewusst, ausgegrenzt: es gibt kein biologisch bedingtes, unterbewußtes Eintreten für den Erfolg seiner Gene. Er profitiert deshalb nicht von der grundsätzlichen Bereitschaft der anderen, altruistisch zu handeln. Intuitiv wissen beide Seiten, daß er nicht dazugehört, und so ist er im gesellschaftlichen Alltag deutlich benachteiligt. Er wird deshalb die Existenz ewiger, gemeinschaftlicher Werte leugnen und ein ganz anderes ethisches System vertreten. Die obersten Prinzipien seines Systems sind: Individualismus und Werterelativismus.
Die anderen profitieren von der Gemeinschaft – er nicht. Nur ihre abstrakte Auflösung in eine Ansammlung von Individuen kann diesen Nachteil aus seiner Sicht beseitigen. Folgerichtig muß er auch die Existenz einer verbindlichen, gemeinschaftlich ausgerichteten Werteordnung leugnen, die ihn ohnehin benachteiligt. Die ewigen, traditionellen Werte existieren für ihn nicht. Stattdessen wird er behaupten, jeder habe seine Werte individuell für sich selbst festzulegen, jeder solle die Möglichkeit haben, „seine Persönlichkeit frei zu entfalten“. Die alte Ordnung enge die Menschen ein, nehme ihnen die „Freiheit“. Er wird auch sagen, es gebe kein gemeinschaftliches Wohl, das man objektiv bestimmen könne – nur einzelne Individuen und ihre (subjektiven) Interessen. Die Aufgabe der politischen Institutionen sei deshalb allein das Verwalten unterschiedlicher Partikularinteressen, etwa durch das Wirken sogenannter Parteien. Das Leitmotiv, an dem sich nach seiner Meinung alles auszurichten habe, ist das „Markt“-Prinzip. In ihm, das parabelhaft die höchste Form der Beliebigkeit, des Relativismus repräsentiert, die Verhandelbarkeit aller zwischenmenschlichen Dinge, finde sich allein die Leitlinie des gesellschaftlichen Handelns. Die Folge ist der Verlust jeder Art politischer Objektivität, wie ihn die Gemeinschaft zuvor garantiert hatte. Und auch nicht mehr der Staatsbürger soll maßgeblich sein, sondern der Mensch an sich: Der Fremde wird universale „Menschenrechte“ postulieren, die weltweit auf alle Erdbewohner anzuwenden sind. Er wird auch sagen, die Würde jedes einzelnen Menschen sei unantastbar. Natürlich ist sie sehr wohl antastbar, und pausenlos wird irgendwo gegen diese Forderung verstoßen. Auch die sogenannten Menschenrechte gibt es nicht wirklich, sie existierenden bloß als abstrakte Konstruktionen in der geistigen Sphäre des Fremden. Aber indem sie als neue, liberale Werte gesellschaftlich gesetzt und durchgesetzt werden, garantieren sie dem Fremden – ebenso wie allen anderen Fremden in natürlich gewachsenen Sozietäten überall auf der Welt – optimale Lebensbedingungen. Schließlich wird er die Einwanderung weiterer Fremder öffentlich propagieren und ihre Gleichstellung fordern, um auf diese Weise die Auflösung der ethnischen Homogenität der Mehrheitsbevölkerung zu befördern. Je erfolgreicher er in seinen Bemühungen ist, d. h. je mehr Einwanderer aufgenommen werden, umso geringer wird die gegenseitige Bindung der Angehörigen des Staatsvolks untereinander. Ist die biologische Schwelle erreicht, bei der die Auflösung der Gemeinschaft in eine Ansammlung von Individuen eintritt, hat er sein Ziel erreicht: Das Volk wird zur Bevölkerung, deren neue Heterogenität ein Leben nach den Werten der Gemeinschaft nicht mehr zulässt. Fremd zu sein ist in dieser atomisierten Gesellschaft nun endlich kein Nachteil mehr, denn alle sind sich gewissermaßen fremd geworden. [...]