Nachtrag

helmut-1, Siebenbürgen, Dienstag, 26.05.2015, 22:56 (vor 3886 Tagen) @ Bernadette_Lauert2918 Views

Du hast Dir ja wirklich Mühe gegeben, meinen Kommentar zu zerpflücken. Gefällt mir. Ich hab eigentlich nur zwei Sachen anzufügen, die nicht klar rausgekommen sind.

Das Erste:

Ich dachte Siebenbürgen ist da, wo die Vampire herkommen: Transsilvanien...

Wenn Du das mit meinem Lokalpatriotismus nicht auf die Reihe kriegst, dann kann das vielleicht daran liegen, dass man auch als Österreicher in Siebenbürgen leben kann.
Aber zum Thema Transsilvanien und Vampire:
Die Vampire haben mit Transsilvanien so viel zu tun wie meine Oma mit Bernie Ecclestone von der Formel I, - nämlich gar nichts. Nur über "von hinten durch die Brust ins Aug" kann man da einen Zusammenhang herstellen, der sich so darstellt:

In der früheren Walachei existierte im 15. Jhdt. ein Fürst, der durch seine grausamen Methoden berüchtigt war. Die genaue Erklärung will ich mir sparen, - es kommt ziemlich nahe an das, was in Wiki steht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Vlad_III._Dr%C4%83culea

Angeblich hätte der auch eine Zeit lang in Siebenbürgen gelebt, nachdem er in Ungnade gefallen war. Manche sagen auch, er wurde in der Nähe von Schäßburg geboren, was aber umstritten ist. Da sich nach dem Schriftsteller Stoker vieles Mystische um den Namen "Dracula" gerankt hat, hat man in Rumänien schnell kapiert, dass sich damit gute Kohle machen läßt.

Nachdem dieser Dracula dafür herhalten muss, dass er über seine Eckzähne das Blut seiner Opfer aussaugt, dann muss er dafür auch herhalten, dass die lieben Touristen aus dem Ausland über allerhand Märchen "ausgesaugt" werden, - was aber "nur" den Geldbeutel betrifft.

Der hierzulande Ansässige lacht da nur drüber. Hier gilt jedenfalls der Wahlspruch des Tages: "Stimmung, Humor, Umsatz". Siebenbürgen ist sehr schön, hat viele Sehenswürdigkeiten, - wenn aber jemand meint, da auf Draculasuche gehen zu müssen, dann soll er halt. Manche gehen ja auch auf den Fußballplatz, weil sie meinen, dass dort noch ein ehrliches Spiel abläuft.

Das Zweite:

Weiß nicht, ob ich das richtig verstanden haben: Du organisierst also Adi-Geburtstagspartys, lädst dazu Leute ein und lässt sie insgeheim "den Ehrentag vom Führer" feiern, offiziell wird aber Frühling gefeiert...(?)

Eine Sache, die viele nur dann verstehen, wenn sie mich näher kennen. Das genannte Zitat von Voltaire ist für mich wie ein Evangelium. Das Funktionieren dieser voltairischen Spielregel ist aber für mich auch ein Gradmesser, wie weit es mit unserer Auffassung von Demokratie und Meinungsfreiheit aktuell bestellt ist.

Solange ich das in die Tat umsetzen kann, was ich da am 20. April beschrieben habe, ohne irgendwie blöd angemacht zu werden, solange bin ich sicher, dass ich noch das laut sagen kann, was und vor allem wie ich denke. Wie konträr das zu den Erlebnissen meiner Familie steht (mein Großvater ist im Widerstand umgekommen) und dass es von der Logik her nicht nachzuvollziehen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Aber es ist ein Teil der Art von Freiheit, die ich für mich in Anspruch nehme. Wenn das einmal nicht mehr möglich ist, - dann beginnt der Countdown,- der Anfang vom Ende. In Deutschland hat er schon begonnen, - ich weiß noch, dass wir im Lokal "Ritterhalle" in Heidelberg noch vor Jahrzehnten diesen Tag mit Freibier gefeiert haben, - was dann verboten wurde, - bis heute.

Von den regierungshörigen Medien wird vorgegeben, an die gute ukrainische Revolution und den bösen Putin zu glauben. Noch kann man z.B. im Internet als Privatperson eine andere Meinung vertreten, die der Wahrheit wesentlich näher kommt. Die Tendenz geht aber eindeutig in die Richtung, dass es irgendwann gefährlich werden kann, hier eine andere als die von der Regierung vorgegebene Meinung öffentlich zu äußern.

Aber das freie Wort muss heilig bleiben, auch das freie Handeln an einem 20. April, egal, wie man da drüber denkt. In Siebenbürgen sowie in ganz Rumänien wird in dieser Richtung nichts verboten, - da kann man sich noch äußern, wie man denkt. Im Gegenteil: Die Nachbarn kommen dann am nächsten Tag und schwärmen davon, wie schön das geklungen hätte und wie schade es wäre, dass man sowas nur mehr selten hört.

O.k. ,- ich gebe zu, das ist nicht leicht zu verstehen. Aber nenn mir mal ein anderes Parameter, wo ich meinen persönlichen Radius zur Meinungsfreiheit ausloten kann, - und ich werde es verwenden. Aber ich hab noch kein effektiveres gefunden als dieses.


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