Vom Für und Wider öffentlich auf eine Kuh zu pinkeln
Imponiert mir irgendwie, Deine Beurteilung der Sache. Über die Verwendung
von Schärf bin ich nicht besonders glücklich, allerdings spielt da auch
etwas Lokalpatriotismus mit.
Ich dachte Siebenbürgen ist da, wo die Vampire herkommen: Transsilvanien...
Das Thema "Führergeburtstag" auf die Schippe zu nehmen, - das finde ich
generell gut. Allerdings könnte man das auch mit etwas mehr Geist machen.
Jepp.
Auch ich stelle derlei "Pfui-Themen" ad absurdum, indem wir bei uns zuhause
öfters mal an diesem Termin die Blasmusik zu Gast haben, - mit schönem
Gegrilltem und gekühlter Flüssigkeit. In der Regel ist das das erste
Aufflammen im Freien nach kürzerem oder längerem Winter.
Hört sich zünftig an.
Fragt man mich (in Siebenbürgen fragt ohnehin niemand), nach dem Datum
und der Bedeutung des Feierns, - dann antworte ich immer, dass das unser
Frühlingsfest wäre. Wenn mir dann jemand sagt, dass der Frühlingsanfang
schon einen Monat zurückliegt, dann reagiere ich derart, dass ich grade
feststelle, mich im Monat geirrt zu haben...
Weiß nicht, ob ich das richtig verstanden haben: Du organisierst also Adi-Geburtstagspartys, lädst dazu Leute ein und lässt sie insgeheim "den Ehrentag vom Führer" feiern, offiziell wird aber Frühling gefeiert...(?)
Ums klar zu sagen: Ich geile mich nicht an einem Datum eines Geburtstages
auf, der bei manchen verpönt ist, sondern ich veräpple diejenigen, die
sogar soweit gehen, die Autobahn von Salzburg nach München nicht zu
benützen, weil die damals unter Adolf erbaut wurde.
Hihi... Du hast "Autobahn" gesagt...
Dein Vergleich mit Charlie Hebdo ist ok. Man darf nicht mit zweierlei Maß
messen. Es gibt gewisse Schranken des Anstands, insbesonders gegenüber
andern Religionen, die man respektieren sollte. Ich würde in Indien auch
nicht auf eine Kuh öffentlich pinkeln.
In anderen Gegenden geht das viel unproblematischer. Der Vergleich gefällt mir. Schön wuchtig und Fäkalhumor wird allgemein unterschätzt. Kommt sofort in den Betreff...
Kunst- und Satirefreiheit, - das ist ein gemischter Begriff.
Satirefreiheit, - ja. Kunstfreiheit, - das kann man verschieden sehen.
Kunst kommt vom Begriff "können". Ich habe da - auch bei diesem Song -
eine etwas höherwertige Auffassung von "Kunst". Aber da kann man eben
verschiedener Meinung sein, was ich auch respektiere.
"Vielleicht ist die Kunst das Gespräch der Welt mit sich selbst - durch das Medium Künstler." (Norbert Kricke)
Wenn das stimmt, sind die Selbstgespräche der Welt manchmal hochtrabend und manchmal infantil.
Was mich nachdenklich macht, ist Dein Verhältnis zu einer bestimmten
Partei. Ich hab dazu eine etwas andere Einstellung. Mit jedem kann ich
reden, egal von welcher Partei.
Das stimmt schon mal.
Dabei oder danach mache ich mir ein Bild
von demjenigen, und dann entscheide ich, ob es für mich einen Sinn hat,
mit dem Betreffenden weiter zu reden oder nicht.
Auch das ist satisfaktionsfähig.
Aus dieser Sicht habe ich
mich mit Leuten der einstigen DKP genauso unterhalten wie mit denen der DVU
oder sonst jemanden.
Warum auch nicht?
Damals, in meinen Sturm- und Drangjahren, habe ich mich auch mit den
Leuten der damaligen APO unterhalten. Altgediente Soldaten der Waffen-SS
waren genauso meine Gesprächspartner wie erlebte KZ-Insassen. Ich habe
eigentlich niemanden ausgeklammert. Doch, - mit den Sympathisanten der RAF
hatte ich keinen Kontakt, - da war ich voreingenommen. Heute bereue ich
das, - denn es wäre eine Erfahrung mehr in meinem Leben.
Welch subversive Kreise...
Was ich damit sagen will, ist folgendes: Das Recht der freien
Meinungsäußerung ist für mich heilig. Im Sinne von Voltaire und seinem
bekannten Spruch:
"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür
geben, daß du es sagen darfst."
Da gehe ich auch voll d´accord. Obwohl - wollen wir aufrichtig sein. Das eigene Leben lassen... Ist auf alle Fälle schön gesagt.
Wenn dann aber Unqualifiziertes aus dem Zeitgenossen heraussprudelt,
dessen Verifizierung auf erhebliche geistige Schwierigkeiten stößt, dann
werde ich wohl kaum auf eine Weiterführung der Diskussion drängen. Aber
geistige Vollpfosten gibt es sowohl im rechten Spektrum sowie im linken,
genauso aber auch in der Mitte.
Denkretardiertheit, in Fachkreisen auch "geistige Vollpfostierung" genannt, ist ein soziopsychologisches Phänomen, dessen Auftreten nicht durch bestimmte Einflussfaktoren wie politische Orientierung, Vermögensstand, ja nicht mal wirklich vom Bildungsgrad des Probanden sonderlich beeinflusst wird.
Reden kann ich aber mit jedem. Vorurteile kenne ich nicht. Das heißt aber
noch lange nicht, dass ich dann die Ziele und Vorstellungen eines
Parteimitgliedes, mit dem ich mich unterhalte, auch annehme oder
Du sagst: "...mit der NPD will ich dann doch nichts gemein haben."
Sagen wir mal so: Ich würde so ein Lied vor dem Hintergrund, dass das ein NPD-Mann ist, nicht auf einer von mir organisierten Party spielen, weil das insgesamt nicht in meinen Wertekanon und mein Umfeld passt. Wobei: Den Typen kennt keiner. Und ich lade nur Leute ein, die mit derbem Humor gesegnet sind. Ach, was weiß denn ich... Diese Distanziererei geht doch eh auf die Nerven.
Ich z.B. habe mit der NPD was gemein: Die Satzung.
Auch wir in unserem Kulturverein haben eine Satzung, die NPD natürlich
auch. Dass unsere Satzung ganz anders aussieht als die der NPD, dürfte
klar sein. Aber ich hab doch was gemein mit dieser Partei: Beide haben wir
eine Satzung.
Übrigens: Auch Adolf (egal welcher) trug Unterhosen. Ich übrigens auch.
Was noch viel schlimmer ist: Der "Führer" war auch Nichtraucher und Vegetarier.
In diesem Sinne... Immer locker bleiben... und sich in Indien verkneifen öffentlich auf eine Kuh zu pinkeln. Das macht man einfach nicht, wie Du weißt!
Auch nicht aus Jux...(!)
̶m̶̶i̶̶t̶̶ ̶̶d̶̶e̶̶u̶̶t̶̶s̶̶c̶̶h̶̶e̶̶m̶ Gruß, Bernadette