Das ist Deine Interpretation

Kurz_vor_Schluss, Sonntag, 19.04.2015, 09:00 (vor 3922 Tagen) @ Nonpopulo4352 Views

Moin NP,
alors - la réponse:


Ist die Überlegenheit des Stärkeren eine Sünde? Gemessen an unseren
humanistisch-sozialen Grundwerten bestimmt, aber die Frage ist, generiert
das Faustrecht am Ende wirklich mehr Opfer als eben diese Grundwerte es auf
indirektem Wege tun? Dabei möchte ich keine vergleichenden
Todesopferzahlen genannt haben, denn der Tod ist eine logische Folge des
Lebens, sondern allenfalls Vergleiche über mehr oder weniger artgerechtes
Leben.

Nicht die Überlegenheit ist eine „Sünde“, sondern der Umgang mit derselben (eine Frage des Bewusstseins). Aus Überlegenheit sich schützen ist was anderes als aus Überlegenheit plündern, morden, vergewaltigen. Mehr dazu sagen Dir BBouvier und Monterone.

@Olivia hat das doch sehr schön beschrieben. Die Freiheit und
Selbstbestimmung hat eine Sonnen- und eine Schattenseite. Die Schattenseite
ist der Preis, den lebendige Freiheit fordert. Doch, man staune, selbst
dort herrscht in USA nicht Depression und Agonie wie es hierzulande schnell
mal der Fall ist, sondern es wird weiter gekämpft für ein besseres
Leben.

Wären wir mehr wir selbst, wäre der Tatendrang auch bei uns größer. Eine Frage des Bewusstseins – sprich, ein WIRKLICHES: Du bist Deutscher – Du kannst es schaffen! würde ähnliche Wunder wirken können wie ein You can make it! in Amiland. Es klingt für uns nur so komisch, weil wir es nicht kennen, weil es nicht benutzen und leben (dürfen).


Was würden diese "Unschuldigen" tun, hätten sie die Macht, es zu tun?
Würden sie eine bessere Welt erschaffen oder genauso oder gar noch
schlimmer zu "Schuldigen" werden, wie die Amis?

Das ist ein guter Punkt. Das Risiko besteht natürlich. Es wird auf den Versuch ankommen.


Klingt für mich sehr schwammig. Hast du praktische Beispiele? Ich sehe
keinen Staat, der nicht seine eigenen Leute verheizt seiner Erhaltung
willen.

S. die Beispiele von BBouvier. Winkler würde wohl das Zweite Deutsche Kaiserreich von 1871 nennen. Die frühe Eigenossenschaft. Vorstaatlich dann halt friesische Freibauern oder germanische Stämme.


Ok. Welche Möglichkeiten siehst du und welche praktische Beispiele kennst
du, in denen das Bewusstsein die debitistischen Zwänge durchbrochen hat?

Gute Frage! Zum einen bräuchten wir mehr Verantwortungsbewusstsein – es ist zu spät dafür, aber es hätte mit kleinen Dingen anfangen können wie damit, Politiker in die Pflicht zu nehmen: Es werden Wahlverträge geschlossen und wenn Politiker gegen diese verstoßen (man verspricht, Steuern nicht zu erhöhen und tut es dann trotzdem), sind direkte Neuwahlen angesetzt. Offenlegung aller Bezüge von Politikern. Verhinderung von Lobbyismus. Volksbefragungen. Umfassende Allgemeinbildung. Vollkommen neue Geschichtsschreibung. Weckung eines nationalen Bewusstseins etc. pp. Alles nur Träume, schon klar. Aber man hätte irgendwo anfangen können.

Was allerdings insofern nichts bringt, da die Macht- oder Beraterstrukturen, wie das gute Wort von Ashitaka war, nicht nur die obigen Schritte verhindert hätten, sondern überdies bisher alle gesellschaftlichen Änderungen überdauert bzw. wohl entweder genutzt oder gar gesteuert haben. Diese Machtstrukturen lassen sich auch nicht durch Aufklärung allein beseitigen – es kommt auf die Bewusstseinsänderung an.

ALLES hängt am Bewusstsein! DAS muss angehoben werden, was nur eine individuelle Aufgabe sein kann, die zur nationalen Aufgabe werden kann. Ich kenne keine Beispiele, wo das Bewusstsein von Nationen den debitistischen Zwang durchbrochen hat (es mag sie indes gegeben haben) – wohl aber das von Menschen. Wir müssen wachsen – innerlich! Um aus dem Schlaf und der Trägheit (alles ist Zwang! Nie geht es anders! Alles ohne Sinn!) aufzuwachen.

Nicht mißverstehen - die Karre fährt gesamtgesellschaftlich vor die Wand! Aber ob wir nun ins 18. oder 16. Jhdt. oder in die Barbarei zurückgeworfen werden – es wird Überlebende geben. Und unter diesen Überlebenden welche mit der Gabe, Dinge neu, anders zu machen.


Leider nein. Alles ist dem debitistischen Zwang unterworfen,
gewinnbringend zu wirtschaften. Oder kennst du Systeme, die unabhängig
davon existieren konnten, abgesehen von nicht zivilisierten
Gemeinschaften?

Wir müssen diese Systeme erst schaffen. Was erst geht, wenn das Bewusstsein ein anderes ist. Ein simples Beispiel wäre die Aufklärung über das bestehende Wirtschaftssystem, welches in der Schule gelehrt werden könnte. Dass Vermögenskonzentration eine logische Folge dieses Systems ist, ebenso wie sein Zusammenbruch durch immer größere Verschuldung. Dass Wirtschaften ein Zwang ist. Der sich allein dadurch ja schon änderte, indem man die Menschen darüber aufklärte!

Du hast doch ein Kind. Erzählst Du dem: Mein Kind, alles ist Zwang, Du wirst Dich prostituieren müssen und Dein Leben lang dem Zwang unterliegen? Quark! Du wirst Dein Kind liebevoll schützen und leiten und wünschen, dass es ein gutes Leben führen kann! Und aus dieser Haltung kann der Widerstand gegen das System wachsen, kann neues Bewusstsein entstehen NP – darum geht’s.


Ich finde, man sollte da sehr vorsichtig sein. Wer glaubt, "das Feuer" "in
sich zu tragen" und gleichzeitig Weltfrieden propagiert, ist mE hochgradig
faschismusgefährdet, weil sein Kampf auf einer sehr subtilen, indirekten
Art stattfindet und sehr manipulativ und deshalb potenziert zerstörerisch
ist. Wenn du Feuer in dir hast, dann kämpfst du - wenn es sein muss auch
physisch - auf direktem Wege für das, was dein Feuer entfacht. Ohne
Rücksicht auf die, die dein Feuer nicht teilen.

Nein, das missverstehst Du vollkommen, NP – auch Liebe ist ein Feuer. Wer liebt, brennt (Du liebst doch auch…. jemand? Etwas? Oder?).. Schiller liebte die Freiheit, brannte dafür OHNE anderen Tod oder Verderben oder ähnliches zu wünschen. Macht korrumpiert – das ist so und wird weiter so sein, ABER es muss deswegen nicht jeder Freiheitskämpfer zum Faschisten werden.

Es ist schon so, dass wir materiell so viel besser dastehen als vorherige Generationen, (freilich auf Kosten der Plünderung weiter Teile der Welt durch ein kannibalistisches System, das sich am Ende selber frisst), dass Millionen Menschen hierherkommen wollen, um ein Stück vom Kuchen zu ergattern (was am Ende zu sehr unschönen Szenen führen wird, aber das nur nebenbei).

Das Perfide daran ist, dass dieser materielle Wohlstand die Menschen nicht bewusster (im Sinne von freier-stärker-kritischer) gemacht hat, sondern vielmehr ängstlicher, hysterischer, schriller und verbohrter. Man mag sich darüber streiten, wer dafür im Einzelnen verantwortlich ist; tatsächlich sinken überall Diskussions- und Verständniskultur. Es wird zunehmend ideologischer und dümmer (was sich auch im Forum zeigt, aber nicht nur in diesem – das ist überall so).

Kurz: Die Karre fährt demnächst vor die Wand (demnächst - alles zw. 6 Monaten und 30 Jahren) [[zwinker]] und dann gilt es wieder aufzubauen. Und für Aufbau und Neues schaffen wollen – dafür braucht es Feuer. Ein inneres Brennen, das sagt: Ich muss! Ich muss!! Nicht das Feuer ist das Schlimme, NP, sondern mit welchem Bewusstsein ich mit ihm umgehe. Ich kann aufgrund meiner Überzeugung die anderen umbringen, die meine Meinung nicht teilen. Oder ich kann mich gegen sie verteidigen. Sie überzeugen, wo möglich. Mein Ding machen. Whatever.

Hab nicht soviel Angst vor dem Feuer, NP – halte es mit Schiller. GEGEN die Tyrannen, aber nicht FÜR den Mord an ihnen. Das ist der Weg.

Beste Grüsse Nonpopulo

Schönen Gruss zurück und schönen Sonntag, von dem ich jetzt noch etwas die Sonne genießen will (und hoffe, Du kannst das auch)
K_v_S

--
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.
Karl Valentin


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