Ich versuche es auch...

puk, Freitag, 13.02.2015, 17:36 (vor 4037 Tagen) @ Bernadette_Lauert5703 Views

Hallo Bernadette,
ich habe mich über 15 Jahre lang in diversen antifaschistischen Gruppen engagiert, verfüge also über einiges an „Innenansicht“. Auf jeden Fall kann ich Dir sagen, dass diese Gruppen sehr, sehr heterogen sind und es immer zu kurz greift, alle über einen Kamm zu scheren. Für mich persönlich stand „nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ im Mittelpunkt, sowie der Kampf gegen das Vergessen, was während der NS-Zeit geschah und was dazu führte. Ich hatte noch das Glück, Überlebende des Holocaust, oft Widerstandskämpfer, kennenzulernen. Beeindruckende Begegnungen, die mich geprägt haben. Heute fehlt das leider, vielleicht ist das ein Grund für viele Irrungen und Wirrungen a la Bomber-Harris.

Mir hat irgendwann das „Anti“ nicht mehr gereicht, ich wollte mithelfen, eine positive Alternative für die Gesellschaft zu entwickeln, als besten Schutz vor Faschismus. Daher habe ich mein Engagement in andere Richtungen gelenkt, aber das ist ein anderes Thema, dass ich vielleicht an anderer Stelle nochmal aufgreifen werde.

Ich bedauere ebenfalls, dass von Antifa-Seite kaum etwas zum Thema Ukraine und Kriegsgefahr passiert. Ich denke, das hängt damit zusammen, dass eine Positionierung nicht einfach ist, da Putin nicht wirklich progressiv ist, und auch die Separatisten sind keine Sympathieträger a la Che Guevara. Die Welt ist eben nicht so schwarz/weiß, und Geopolitik und das „über den Tellerrand schauen“ hat auch schon früher bei Antifagruppen nur eine geringe Rolle gespielt (nicht viel anders als im Rest der Bevölkerung). Leider.

Ich weiß aber, und ich finde, das ist hoch anzurechnen, dass es Antifa-Gruppen gibt, die Veranstaltungen und Solidaritätsaktionen mit ukrainischen Linken und Antifaschisten durchgeführt haben, die in der Ukraine um ihr Leben fürchten müssen. In der Öffentlichkeit ist davon natürlich wenig zu hören.

Was das RL-Zitat anbelangt. Hier ist der Originaltext, aus dem es stammt. Bilde Dir selbst eine Meinung:
http://www.glasnost.de/klassiker/luxem3.html
(das Zitat steht im unteren Viertel des Textes, suchbar im Browser)

Ich finde es immer schwierig, einzelne Zitate universell zu verwenden, wenn der Kontext u.U. ein ganz anderer war. Rosa Luxemburg äußert sich hier zur bolschewistischen Revolution und innerparteilichen Demokratie. Was sie zum Thema „Meinungsfreiheit in der Gesellschaft“ gesagt hätte, erfahren wir aus diesem Text nicht. Sie hätte wohl einen ganz anderen Text geschrieben (wobei ich nicht glaube, dass der so schwarz/weiß ausgefallen wäre wie in Deiner zitierten E-Mail. Sicher nicht).

Es gäbe vieles andere zu sagen, aber ein Zwiegespräch widerspricht dem Zweck des Forums und überstrapaziert diesen Thread. Wir können uns aber gerne per PN austauschen.

P.S. Das Kompliment gebe ich gerne an Dich zurück.


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