Sammelantwort zu den Einwänden und Vorschlägen hinsichtlich Brotbackautomaten, Mehlsorten und -lagerung, Alternativen usw.

Literaturhinweis, Donnerstag, 25.08.2016, 15:48 (vor 3473 Tagen) @ Literaturhinweis3755 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 25.08.2016, 17:55

Eines vorweg: die Liste der Brotbackautomaten richtet sich vor allem an die mindestens 80% der Bevölkerung, die schon jetzt überwiegend kein Vollkornbrot kaufen, und daher im angeblichen Katastrophenfall auch nichts vermissen werden, wenn sie dann ihr herkömmliches Brot aus ungefähr denselben Zutaten backen, wie ihr Innungs- oder ALDI/Edeka-Bäcker vordem auch.

Zweitens, für die restlichen 20%, die u.U. durchaus jetzt schon Brot backen, z.B. mit leistungsfähiger Getreidemühle mit Steinmahlwerk usw., unmittelbar aus eingelagerten Säcken von Roggen-, Dinkel- oder Weizenkörnern usw. (oder schon jetzt hochwertigeres Brot kaufen), auch für die könnte dies als Auffanglösung interessant sein. Zum einen hat ja @igelei schon darauf hingewiesen, daß man mittlerweile auch gemahlenes Vollkornmehl trocken und dunkel unter Sauerstoffabschluß lagern kann, so daß es nicht ranzig wird (die Oxidschicht ist überall, Aluminium ist immer vollständig von einer Oxidschicht überzogen, sonst finge es Feuer).

Zum anderen sollte man aber zwei Dinge, die ich aus Erfahrung als Brotbäcker nur zu gut kenne, noch wissen oder berücksichtigen:

a) Die meisten verwenden recht grob gemahlenes, ja geschrotetes Mehl. Dagegen ist nichts zu sagen, aber dadurch läßt es sich nur noch als Kastenbrot ausbacken ("einfach mit dem Kochlöffel umgerührt"), denn der Teig würde sonst zu einem Fladen zerlaufen. Das kann m.E. nicht mit dem mithalten, was ein Bäckergeselle oder -meister früher von Hand knetete und was heutige Knethaken leisten. Daher ist dann auch die Krume eines solchen Brotes zwar in "alternativen" Kreisen durchaus wohlgelitten, bei einem Wettbewerb der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG oder bei den sog. "Schaubäckern" der örtlichen Innung würden sie schon allein aufgrund dieses Kriteriums abgewertet auf "sechs". Mir persönlich schmeckt das auch nicht und ich mag es, wenn mein Honig auf dem Brot bleibt, und nicht durch beim Buttern aufreißende Spalten auf's Brettchen sickert, während der Rest dann zur Hälfte auf der Hose landet, wenn man es zum Munde führt, es sei denn, man beugt sich wie Stäbchenesser über's Brettchen. Harte Worte, aber meiner Erfahrung aus unzähligen "alternativen" Haushalten nach: nicht einer wußte, worauf es beim Brotbacken außer den Zutaten noch alles ankommt.

Nachlesen könnte man das z.B. in der Literatur, die in der Berufsschule in den Bäckerklassen verwendet wird.

b) "Alternatives" Brot ist oft recht schwer. Auch das hat damit zu tun, siehe Punkt a), daß sich eine (bäcker-) meisterliche Krume nur ausbilden kann, wenn die Luftblasen, die sich durch das von den Hefepilzen oder den Sauerteig-Bakterien gebildete Kohlendioxid aufblähen, nicht nach außen diffundieren/wieder kollabieren. Daher muß das sog. "Klebereiweiß" (Gluten, vgl. "glue" = Kleber im Englischen) "aktiviert", d.h. gestreckt werden (ähnliche Eiweißfraktionen gibt es auch in andern Getreidesorten). Das erfordert beharrliches Kneten, das Frauen meist körperlich nicht zu leisten vermögen, aber auch viele "moderne" Männer nicht mehr. Es erfordert eine gewisse Ausdauer bei einer Mindest-Muskelleistung. Bäcker waren früher muskulöser als z.B. Schornsteinfeger oder Drechsler, sahen eher wie Grobschmiede aus.

Von daher ist eine Brotbackmaschine mit ausreichendem Drehmoment (Tests studieren - da laufend neue Modelle auf den Markt kommen, habe ich das nicht weiter ausgewertet) heutigen menschlichen Knet"maschinen", zumindest, was die Ausdauer betrifft, überlegen, es ergibt sich so eine Krume, die dem professionell hergestellten Brot nahekommt.

Wer nun steiferen (Vollkorn-) Teig verwenden will und dem Knethaken seines Brotbackautomaten nicht traut, kann immer noch eine externe Knetmaschine verwenden, und den Teig danach in den Backautomaten geben. Da diese Automaten kompakt sind und ausgetüftelte Programme mit Temperaturführung haben, brauchen sie deutlich weniger Anschlußleistung, als ein Backofen - und das war ja mit ein Grund, die Aufmerksamkeit auf diese Automaten zu lenken, weil sie in Zeiten der Stromrationierung bzw. bei durch Notstrombetrieb verminderter Leistung immer noch einsetzbar sein dürften.

Ein letztes, warum man das erwägen sollte: wenn die Katastrophe in Form von Versorgungsengpässen mit Nahrungsmitteln und Energie tatsächlich eintritt, verkennen, glaube ich, viele noch den Ernst der Lage, so, wie sie sich dann darstellt:

Wenige werden sich noch an das Dritte Reich erinnern, in dem es schon 1935/36 vieles nur noch auf Marken gab, und man Schlange stehen mußte (das wird heute immer sehr verklärt - es war von Anfang an eine Art "Kriegskommunismus"). Deutlich mehr noch werden sich an die DDR oder Ceaucescus Rumänien erinnern, wo man z.T. nur heimlich im Hinterhof was kaufen konnte, weil so wenig da war, daß die Partei verbot, zur Straßenseite hin die Rolläden hochzuziehen, damit es kein West-Reporter fotografieren konnte. Das endlose Schlangstehen und Ring-Tauschen in der DDR gibt aber einen Vorgeschmack darauf, was in einer Katastrophe mit Versorgungsengpässen los wäre.

Wenn "Mutti" dann Schlange steht, während "Vati" zum Zivilschutz eingezogen ist oder nach den gültigen Notstandsgesetzen sonst zu betrieblichen Überstunden etc. verdonnert wird, dann backt der Brotbackautomat heimlich still und leise zuverlässig das Brot der Familie fertig. Diesen Luxus hatten die DDR-Haushalte eben nicht. Daß sie meist irgendein Brot kaufen konnten, ist ja recht und schön - darum ging's aber nicht. Es ging um den Katastrophenfall, in dem man das gerade nicht mehr kann, zumindest vorübergehend. Und immer bedenken: An Tag 1 ist es "vorübergehend", and Tag 2 ist es "vorübergehend, an Tag "n" ist es immer noch ... Es weiß doch keiner, insbes. nicht bei großflächigen Notständen, wann es sich wieder normalisiert. Das ist ja grade der Punkt bei einer solchen Vorsorge!!!

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Ich denke, die Stoßrichtung meiner Überlegungen dürfte somit klarer sein, und daher laufen dann auch die meisten Einwände ins Leere. Ich will aber dennoch auf ein paar davon eingehen, soweit sie nicht Fusionsforschung betreffen.

Lang_dauernde Netzzusammenbrüche erledigen doch zukünftig die Russen-Hacker - ja, mag sein, drum sollte man erst recht vorsorgen, denn: die zitierten Verbundkraft-Speicheranlagen werden den großflächigen Netzzusammenbruch kaum verhindern können. Der tritt u.a. dann ein, wenn, und diese Tage werden immer häufiger, dank großflächigem Sonnenschein und steifer Brise die unbrauchbaren Photovoltaikanlagen zusammen mit den stromfressenden Windanlagen gleichzeitig auf höchster Ausbeute laufen. Und wenn dann gleichzeitig erst Wolken aufziehen und der Wind in Bodennähe stark abnimmt (Wind in größeren Höhen, der schnell verdunkelnde Wolken heranführt und Windstille in Bodennähe sind nicht bei allen Wetterlagen ein Widerspruch), ist der Blackout da.

Der schlagartige Lastabfall in Höhe mehrerer Großkraftwerke gleichzeitig führt i.d.R. zu einem sich in Art eines Domino-Effektes ausbreitenden schrittweisen Abschalten weiterer Teile des Verbundnetzes, z.T. bis ins angrenzende Ausland hinein. Und umgekehrt, siehe Technikfolgenausschuß des Bundestages, dauert das Wiederanfahren eines solchen Netzes nach Anscht nicht der schlechtesten Experten Tage, Wochen bis u.U. Monate.

Glücklich dann, wer Mehl eingelagert hat, und seinen Brotbackautomaten mit Notstrom oder Solarelement mit Pufferbatterien für ein Stündchen betreiben kann.

Auch der dankenswerterweise erwähnte Potjiekos wird dann nicht viel helfen - Städter, die in verdichteter Bauweise leben, können wohl kaum einfach so einen Holzkohleofen in der Küche in Betrieb nehmen, ohne den Zorn des Vermieters zu erregen. Wenn der Sturm klingelt, und keiner macht auf, ist das keine böse Absicht; es könnte auch Kohlenmonoxidvergiftung sein. Das gilt auch für die portugiesische Methode auf dem freien Lande.

Das Thema kommt immer wieder auf im Forum; jedoch sind die Links in den früheren Beiträgen meist "tot".

Wichtig noch zu wissen: anders als Hefe und Backpulver, die nicht "auf Bäumen wachsen", bedarf es bei Sauerteigbrot keinerlei Zutaten außer Mehl und Wasser - die Sauerteigbakterien kommen von selbst hinzu, die schwirren überall in der Luft herum, wir atmen sie also auch jede Minute ein. Wenn es anfänglich mißlingt, weil sich andere Bakterien oder Schimmelpilze durchsetzen, liegt es an mangelnder Erfahrung ("Sauerteigführung"). Man kann also auch, wenn kein Sauerteig-"Starterset" mehr verfügbar ist, weil die Geschäfte geschlossen haben oder ausverkauft sind, immer Sauerteig selbst "züchten"!

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