Das Kind mit dem Bad ausschütten hilft hier nicht

helmut-1, Siebenbürgen, Samstag, 30.07.2016, 13:22 (vor 3497 Tagen) @ SevenSamurai1357 Views

Ich finde es schon lustig, dass die meisten hier die Arbeitnehmer für ein
bösartiges Geschwür halten.

Das mit dem bösartigen Geschwür ist Polemik, - das hilft nicht in der Diskussion.
Generell muss man sich darüber im Klaren sein, wo die jeweiligen Interessen der einen und der anderen Seite liegen. Dass diese naturgemäß verschieden sind, liegt auf der Hand.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber befinden sich in einer Art gegenseitiger Symbiose. Der eine ist auf den anderen angewiesen. Wenn jeder nur seine Interessen im Auge hat, dann muss jede Zusammenarbeit in die Hose gehen. Deshalb muss man in der Lage sein, über seinen persönlichen Tellerrand drüber zu sehen. Jede Seite muss versuchen, die Interessen des jeweils anderen mit seinen persönlichen Interessen zu verbinden oder zumindest in Einklang zu bringen.

Ein Idealbeispiel kann ich hier vortragen (glaub, ich habs auch schon irgendwann mal erwähnt), das sich auf meine Spanier in den 70er Jahren bezieht. Wie war das damals:

Diese Gruppe von Spaniern, die übrigens alle aus einem Stall kamen (sie waren weitläufig miteinander verwandt) hatten das Ziel, mit Hilfe des Einkommen, das sie in Deutschland erwirtschaften, ihr Haus in Spanien zu finanzieren.

Und jetzt wirds interessant.
Sie sagten sich, - wir leben hier in einem fremden Land und machen das nur solange, wie es nötig ist. Wir wollen in möglichst kurzer Zeit viel Geld verdienen, damit wir unser Vorhaben in Spanien so schnell wie nur möglich realisieren können. Damit wir aber viel Geld verdienen können, müssen wir dafür sorgen, dass der Betrieb, bei dem wir beschäftigt sind, viel Geld verdient, damit dieser Betrieb uns auch viel Geld bezahlen kann.

Diese einfachen Leute haben diesen Reziprokeffekt kapiert und danach gehandelt. Mit dem Betrieb gings steil bergauf, ale wichtigen Investitionen bez. Einrichtungen wurden damals getätigt, - und die Leute verdienten ein Schweine-Geld. Aber zu Recht. Die haben mir teilweise noch Feuer unterm A. gemacht, wenns ihnen auf der Baustelle nicht schnell genug ging.

Klar kam man sich bei solchen außergewöhnlichen Verhältnissen auch menschlich näher, - wir haben alle geheult wie die Schlosshunde, als die Gardinen an ihren Fenstern in Spanien dranhingen und sie wieder zurückgingen.

Nun komme ich auf den Punkt: Wenn ein Arbeitnehmer meint, ein Betrieb ist eine soziale Einrichtung mit einem Fass hinten dran, in das man immer nur hineingreifen braucht, und das niemals leer wird, - dann muss es zu Schwierigkeiten kommen. Und diese Ansicht ist leider allzu weit verbreitet.


In einer Hinsicht habt ihr aber schon recht: Die Vorschriften und
Auflagen, die der STAAT den Arbeitgebern aufbürdet, gerade den kleinen
Betrieben, fördern die Staatsverdrossenheit. Den Frust lässt man dann
aber nicht beim Staat ab oder bei der Wahl ab (da wählt man z.B. die
reGIERungsgeile FDP), sondern beim kleinen Mann.

So jedenfalls empfinde ich es.

Stimmt, - aber es geht nicht nur um die manchmal unsinnigen Ideen die vom Staat kommen, auch die Gewerkschaften tun ihr Möglichstes dazu bei. Oder auch derlei Urteile wie vom Arbeitsgericht Düsseldorf. Soll mir doch keiner sagen, dass dieses Urteil o.k. ist. Wenn einer an der Flasche hängt, dann ist er nach heutiger Ansicht "alkoholkrank". Das ist ja eine offizielle Krankheit. Wegen Krankheit kann man niemanden entlassen. Ich könnte den Faden noch weiter spinnen.

Wenn ich jemanden einstelle, dann gehe ich in eine gewisse Verpflichtung gegenüber diesem Arbeitnehmer ein. Schließlich hat er meist Familie zu Hause, oder muss seinen Kredit vom Haus abbezahlen, hat Kinder, die studieren, usw. Also muss ich den Betrieb verantwortungsvoll führen, damit er Gewinn abwirft und der Arbeitnehmer auch übermorgen noch seinen Arbeitsplatz behalten kann. Deshalb habe ich die soziale Verpflichtung des Kapitals zu sehen, und der Arbeinehmer umgekehrt die Interessen des Betriebes, - wenn er nicht den Ast absägen will, auf dem er sitzt.

Genau diese Dinge aber geraten oftmals in Schieflage, - auf beiden Seiten. Dann kommt es zum Frust. Aber nicht immer ist der Staat daran schuld. Wenn der Frust permanent vorhanden ist und immer mehr zunimmt, dann wird von Seiten desjenigen, der die Investitionen betreibt, die Konsequenz gezogen. Oder der Arbeitnehmer hat die Schnauze voll und kündigt.

An meinem Beispiel sieht das so aus: Ich habe Einrichtungen für ca. 20 AK. Aufträge wären da, - aber ich schaff das mit den Nerven nicht mehr. Also habe ich auf 4 AK reduziert. Nächstes Jahr gehts noch mehr runter, - vielleicht habe ich dann außer der Sekretärin gar keine Beschäftigten mehr auf der Baustelle, nur noch Subunternehmer. Dann bin ich kein Arbeitgeber mehr, sondenr nur noch Arbeitnehmer. Ich gebe keine Arbeit mehr, ich nehme sie nur noch für mich, um am Ergebnis zu profitieren.

Zu viele kenne ich, die das genauso machen. Wenn es aber gerade die Klein- und Mittelschicht der Unternehmer betrifft, - also die, die das Rückgrat einer Volkswirtschaft darstellen, - dann ist das ungesund für die jeweilige Volkswirtschaft. Dem Arbeitnehmer wird es aber sicherlich keinen Vorteil bringen.


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