Zahlen mit System falsch
Bei so gut wie allen Großbauvorhaben geht man mit Vorsatz mit zu niedrigen Kosten in das Projekt. Jeder mit Kenntnis der Details weiß das und man macht das trotzdem. Der Grund ist, dass höhere Vorherkosten den politischen Willen zur Entscheidung mindern und somit das Projekt unwahrscheinlich machen. Also türkt man nach unten, um dann später, wenn man nicht mehr aussteigen kann, mehr zu nehmen.
Der 2. Punkt ist ein Strukturproblem der Planung. Die völlig abgehobene obere Schicht der Planer (Stars der Branche) übergehen schlicht die Gesetzmäßigkeiten der Statik, des Brandschutzes usw. Keiner der unteren Ebene der Planer kann da wirklich dagegen an, da es die Empfehlung der oberen ist, die jenen den Zugang zum Projekt und viel Geld ermöglicht. Folglich planen die unteren Ebenen den Mist, den oben jene produziert haben, gehen an die Grenzen und darüber, bis dann ein Prüfstatiker, ein Bauamt, Brandschutzsachverständige oder die Sachverständigen der Abnahme ein Stopp rufen, dann aber längst das Kind halbtot bis tot im Brunnen liegt.
Der 3. Punkt ist auch, dass nicht das Projekt fix und fertig bis zum letzten Plan und Detail durchgearbeitet ist, wenn man anfängt. Man fängt mal hier und dort an, derweil viele noch völlig ungenehmigt, ungeplant und unklar ist. Man holt sich Vorabgenehmigungen, um das machen zu können oder man macht gar einzelne Bauteile, die unabhängig betrachtet werden. Überlagert wird das Ganze dann durch unzählige Änderungen, Umplanungen, Anpassungen an Kundenwünsche usw., die dann selbst jede gute Planung völlig durcheinander bringen.
Wenn man es richtig nach HOAI in den erforderlichen Planungsabschnitten anginge, dann hätte man:
Vorentwurf mit Kostenschätzung (30-40 % Spannbreite)
Ausführungsplanung (ca. 20 % Spannbreite der Kosten)
Ausschreibung/Vergabe (ca. 10 % Spannbreite)
Ausführung (sollte dann bei richtiger Planung im Soll liegen)
Genau aber dieses gute Schema hält man nicht ein und macht damit die an sich gute Ingenieur-Planungskunst zu einer Witznummer international.