Kleinbäuerliche Landwirtschaft in Apulien Süditalien
Guten Morgen Ostfriese,
im Gegensatz dazu erscheint bei uns im Süden die Landwirtschaft geradezu vorsintflutlich.
Fast jede Familie hat ein kleines Stück Land vor den Toren des Ortes.
Das geht bei ca. 2000m² los bis zu 2-3 Hektar.
Wobei diese zwecks Verkauf auch schonmal geteilt werden, denn ab 5.000m² darf man im Außenbereich bauen.
So bringt ein Teilverkauf Geld in die Kasse und der Rest wird genutzt für Oliven, etwas Wein, Obst und Gemüse.
Diese Erzeugnisse werden von der Familie verbraucht und der Überschuss meist am Straßenrand verkauft.
Was man bei uns am Stiefelabsatz überhaupt nicht sieht, sind große Monokulturen, riesige Maschinen und auch ein Silo habe ich noch nicht entdeckt. Durch die Trockenheit ist größere Viehhaltung nicht machbar ohne teure Bewässerung.
Damit entfällt auch die Belastung von Boden und Grundwasser durch die Gülle, welche immer unkontrollierter ausgebracht wird.
Nur die Schäfer treiben die genügsamen Ziegen und Schafe durch die Gegend, unausgesprochenes Gesetz: Wo nicht eingezäunt und sichtbar angepflanzt ist, darf der Schäfer seine kleine Herde drübertreiben, damit sie fressen.
Es ist auch keine Veränderung absehbar.
Denn, so freundlich und offen der Pugliese gegenüber (euopäischen) Fremden ist, so uneins ist er unter sich.
Hier 3 Leute zusammenzubekommen, um eine staatlich geförderte Cooperative zu gründen, ist fast unmöglich.
Jeder hat seinen eigenen Kopp und mit dem geht er lieber durch die Wand, als sich mit anderen zusammentzutun, um einen Betrieb aufzumachen.
Jeder "puddelt" vor sich hin und statt mehr Geld genießt man lieber die Sonne und das Meer.
Investoren gibts auch hier, sie kaufen gern Land auf, aber es sind immer nur Einzelstücke zwecks Umrubelung in Realwerte und vor allem Hausbau, das lohnt sich an der sauberen ionischen Küste vor allem für die Vermietung an Touristen.
Die Kommunen haben jeweils eigene Gesetze geschaffen, was die Bebauung betrifft.
Beispiel:
Ab 5.000m² darf man ein Haus bauen - Index 1% + Lagerraum.
So kommt man auf ca. 75m² Haus.
Bedenkt man, dass diese 5.000m² für ca. 30.000 Euro zu haben sind, ist es nicht verwunderlich, dass sich Investoren tummeln.
Die Region Apulien, für andere kann ich nicht sprechen, hat auch auf diese Flächen im Außenbereich die Grunderwerbssteuer so erhöht, dass es für viele uninteressant ist, riesige Flächen zu erwerben.
Beispiel:
(offizieller) Verkaufspreis für 4.000m² - 8.000€
Kosten für Notar und Grunderwerbsteuer - 2.500€
Der Gesamtpreis ist damit immer noch spottbillig, aber die Grunderwerbssteuer steigt prozentual ab einem (offiziellen) Kaufpreis von über 8.000€ sprunghaft an.
Wenn ich in die alte Heimat nach D. fahre, sehe ich jedoch - je weiter ich in den Norden Italiens komme, vermehrt riesige Flächen mit Monokulturen, die von großen Maschinen bearbeitet werden.
Insgesamt schätze ich unsere Gegend an der ionischen Küste so ein, dass sie weiterhin für große Investoren uninteressant ist und (noch) ein Eldorado für kleine Investoren. Sei es, um seine Euros in reale Werte wie nicht ausgelaugten Boden und Trinkwasser (Tiefbrunnen) umzuwandeln oder in Stein zu stecken, um die sehr guten Mieteinnahmen in der Saison mitzunehmen.
Für alles andere fehlt einfach die Infrastruktur, die Fläche und die Verschuldung der Bevölkerung, welche Papierwerte meiden wie der Teufel das Weihwasser und an ihrem Grund und Boden hängen.
Ein angenehmes Wochehende wünscht
modesto