Agrarindustrie – die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft
In Ergänzung zu
Da ich auf einem Bauernhof groß geworden bin, könnte ich auch über die gegenwärtige Entwicklung hin zur industriellen Landwirtschaft – dem heutigen großen Bauernlegen in Westdeutschland – berichten. Ostdeutschland hat das ja schon seit Jahrhunderten nach einigen Wechseln von Groß- und Kleinbetrieben hinter sich. Zehn kleinbäuerliche Milchvieh-Betriebe verlieren täglich ihren Bestand in Deutschland – wegen der Logik des debitistischen Ablaufes kann ich das verstehen!
aus meinem Beitrag „Gut Ding will Weile haben.“ möchte ich auf den Bericht aus der ZDF-heute Sendung vom 03.05.2016 über die sinkenden Milchpreise hinweisen – die Discounter reduzieren gerade die Preise um mehr als 20%. Die Dokumentation zeigt das gegenwärtige große Bauernlegen in Westdeutschland an dem Beispiel
– eines Hofes aus dem Hegau, der offensichtlich mit einer Besenwirtschaft und einer Biogasanlage erfolgreich diversifiziert und überleben kann.
– eines Hofes aus dem Limpurger Land, der am Ende – auch wegen technischer Überalterung – aufgegeben wird und mit dem bäuerlichen überlieferten Selbstverständnis: “Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“, brechen muss.
– eines industriellen Agrarunternehmers von der Eifel mit 800 Tieren und mehr als 300 Milchkühen. Am Ende wirkt der Unternehmer angesichts der hohen Verschuldung auch sehr ängstlich und nachdenklich.
– der knallharten Verhandlungen um die Preise zwischen der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Milchland Baden Württemberg und dem industriellen Verarbeiter der Milch Zott unter Moderation eines Beraters und Coachs von der Bayern MEG – zuletzt geht es nur noch um die 3.Nachkommastelle im Cent-Bereich.
Die Verwendung von Futtermitteln aus weltweiten Importen und der Einsatz von Melkrobotern erzwingen dann auch die ganzjährige Stallhaltung, um die Leistung der Herdentiere mit allen Konsequenzen „auszufüttern“. Bei vielleicht einer zukünftigen durchschnittlichen Herdenzahl von 500 Milchkühen reichen in Schleswig-Holstein 800 Betriebe.
Wir sehen die Zukunft der Landwirtschaft – Wahnsinn!
Es ist schon bemerkenswert, wie es dem Imperium mit seinen Beraternetzwerken und seinen Schuldenverwaltern dann gelingt wird, den verpfändeten Grund und Boden der bäuerlichen Insolvenzler zu übernehmen, um die Wirtschafts- und Haftungsräume zu erweitern und weitere Macht durch neue finanzielle Abhängigkeiten auszuüben. Der Ausverkauf von Wald und Flur an amerikanisch-britisch-niederländische Anlagegesellschaften ist in Ostdeutschland und vor allem in Polen schon sehr viel weiter fortgeschritten. Die ungarische Situation ist anders. Nach der Wende haben insbesondere österreichische Bauern Nutzungsrechte (Nießbrauchrechte) an landwirtschaftlichen Flächen erworben, was im Laufe der Jahre immer restriktiver gehandhabt und rückgängig gemacht wurde. Orban sprach von „Diebstahl“ und Ausverkauf.
Diese Entwicklungen verlaufen unabhängig von TTIP – der Vertrag wird alles nur noch beschleunigen. Phoenix5 hat es formuliert: „Und über allem schwebt der Debitismus, der seine Zyklen abspult, egal welche Tricks die Politik anwendet.“
Ich denke, dass es viel Raum und Zeit zur individuellen Erholung, Ruhe, Entspannung und Gelassenheit bedarf, um den unvermeidbaren gewaltsamen Zwang des debitistischen Ablaufes – einerseits die Schulden als Instrument des Machterhalts und andererseits das Geld als zuckersüße Verlockung – mit seiner desillusionierenden Aussichtslosigkeit einer Handlungsanweisung – jenseits einer bedingungslosen Akzeptanz des Bankrotts – zu ertragen.