Zum 37. Mal: Fixing, Fixing, Fixing – „nachhaltig“
Wie ich schon sagte, wir drehen uns ständig im Kreis. Ich habe das alles schon erklärt, aber ich tue es gerne noch einmal.
Es geht um diese von dir übersetzte Textpassage aus dem von dir verlinkten Dokument:
„Es gibt keinen anderen sinnvollen Grund für die Beklagten bei der Preisstellung im Umfeld des PM-Fixings, anhaltend niedriger zu sein als andere Marktteilnehmer für mehr als ein Jahrzehnt, außer den, für ihre abgesprochenen Handlungsweisen die Spotpreise nachhaltig nach unten zu manipulieren.“
Nochmal: Ich bestreite keineswegs – wie sollte ich auch? – dass es über lange Zeiten Manipulationen des Fixings gab. Und ich bestreite auch nicht, dass diese Manipulationen weit überwiegend nach unten waren. Aber warum waren sie überwiegend nach unten?
Die Erklärung:
Die Banken, die manipuliert haben, waren überwiegend short, weil sie die entsprechende Gegenposition der Kunden (und die waren entsprechend überwiegend long) eingenommen hatten.
Nehmen wir einen typischen Kunden. Zu dieser Zeit waren viele große Spekulanten (nicht nur ich) mega-bullisch für den Goldpreis, daran brauche ich wohl nicht zu erinnern – und entsprechend sind sie long gegangen. Und wie geht das genau?
Nehmen wir an, der Goldpreis ist bei 700 $. Der Terminkurs in einem Jahr ist etwa genauso (leicht tiefer, aber das vernachlässigen wir jetzt mal). Sie kaufen Gold auf Termin (sagen wir, für 700 $) in der Hoffnung, es später, wenn der Termin gekommen ist, zu einem möglichst höheren Preis verkaufen zu können. Und in den Verträgen mit den Banken muss natürlich irgendein Referenzpreis vereinbart werden, und das war eben das PM-Fixing. Der Spekulant ist also daran interessiert, das Gold zu einem möglichst hohen Preis zu verkaufen, wenn der Termin gekommen ist. Und die Bank, die die Gegenposition eingenommen hat, will natürlich das Gegenteil, einen möglichst niedrigen Fixingpreis. Also versucht sie (wie im Barclay-Fall), das Fixing ein wenig nach unten zu drücken.
Und siehe da, das schaffen die Banken sehr oft auch, speziell wenn sich mehrere absprechen, die gleiche Positionen haben. Aber das Entscheidende ist die Frage, wie dauerhaft solche Preis-Drückungen gewesen sind. In dem Zitat oben kommt das Wort „persistently“ (nachhaltig) vor, und daraus schließt du, dass dieser gedrückte Fixingpreis nachhaltig unten geblieben ist.
Und genau das ist eben falsch!
Mit „persistently“ ist gemeint, dass dieses Drücken über viele Jahre geschehen ist.
Dass es eben nicht nachhaltig in dem von dir gemeinten Sinne war, sondern immer nur kurze Zeit angedauert hat, das sieht man in diesem Chart, den ich vor langer Zeit schon gezeigt hatte:
![[image]](http://www.dasgelbeforum.net/img/up/elli/2001-2014alle.gif)
Quelle: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=316286
Und was siehst du da? Wohlgemerkt, der Chart zeigt nicht irgendeinen Tag, sondern den Durchschnitt eines Zeitraums von vielen Jahren (2001-2014). Während der entscheidenden Zeitspanne kurz vor dem Fixing fällt der Kurs auffällig (Manipulation). Und wie lange bleibt er da unten? NUR GANZ KURZ! Er erholt sich sofort wieder und (im Durchschnitt) zweieinhalb Stunden später ist er wieder da, wo er vorher war. Und danach steigt er weiter. Jetzt kannst du natürlich behaupten, er wäre ohne die Manipulation direkt weiter gestiegen. Kann sein, kann auch nicht sein. Ich behaupte, nein, denn:
Kein Wunder, dass sich der Kurs sofort wieder erholt. In dem Barclay-Fall haben wir damals folgendes erfahren – Zitat: „Er [Plunkett] hat zunächst eine Verkaufsorder zum Fixing in den Markt gegeben und sie danach wieder (mit Verlust!) aufgelöst. Und damit war die kurzfristige Wirkung aufgehoben.“
Was ist daran so schwer zu verstehen? Das kann man nur dann nicht verstehen, wenn man es nicht verstehen WILL.