Ganz klasse Ergänzung - Das Forum von seiner besten Seite - Diaspora-Juden ähnlich sozialisiert wie Moslems

azur, Sonntag, 14.02.2016, 23:00 (vor 3651 Tagen) @ Weiner3029 Views

Hallo Weinert,

danke für diese hervorragende Egänzung. Damit zeigt sich das Forum mal wieder von seiner allerbesten Seite: Es wird weitergedacht und ergänzt. Vielen Dank für die Verlinkung des klasse Artikels!

Die Ähnlichkeit des Lebens in der Diaspora drängt sich auf. Juden begriffen sich zu großer Zeit als eigenständig (die assimilierten und säkularisierten Juden des modernen Deutschlands, dass sich, wie ich mit einer Notiz a) Gründerzeit (dort im PS) und b) früher zu den sogenannten Hepp-Aufständen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hep-Hep-Unruhen aufzeigen konnte, gab sich dann zunehmend Mühe das Judentum zu emanzipieren, im Sinne von vollgleichberechtigten Gesellschaftsmitgliedern, und auch Rechtsadressaten, waren eine späte, wenn auch massenhafte Bewegung*), unabhängig von dem Herrschafts- oder Rechtsbereich, in dem sie sich befanden. Sie waren keine Deutschen oder Ungarn, sondern zuvorderst Juden (allerdings kann man aus der Geschichte von Nationalität und der Staatsbürgerschaft ersehen, dass dies ebenfalls eine späte Entwicklung was - der Zusammenhang war lange gar nicht klar - im preußischen Staat soll die Nationalität der Staatsbürger eine untergeordnete Rolle gespielt haben - kein Wunder auch bei den steten Gebietswechseln, wie etwa auf dem heute polnischen Territorium oder besonders Schlesien, und der Kleinstaaterei, die lange in deutschen Gebieten Standard waren).

Juden hatten eigene Handels- und Kommunikationssysteme, wie man u. a. in "der Medicus" von Noah Grodon (auch das Folgende, dass zur Zeit des Bürgerkrieges in den USA spielt, ist sehr aufschlussreich), die Teil ihres Erfolges waren, in zahlenmässiger Unterlegenheit in ursprünglich fremden Gebieten und unter quasi fremder Herrschaft zu überleben. Grundlage waren ihre Selbstverständnis, ihre eigene Schrift und ihr Glaube, mit dem die so wichtigen Thora-Schulen verbunden sind, die ein intellektuelle Training bedeuten (es gäbe da sicher noch eine Reihe weiterer Aspekte).

Ihr Verhältnis zu den Staaten, den Rechtsordnungen und Herrschaften, in deren Einflussbereich sie jeweils lebten und agierten, war vermutlich dem der hier lebenden Moslems nicht so unähnlich. Kein Wunder, dass sich ihre Regelungs- und Konfliktlösungmechanismen dem ähneln, was wir nun über die Muslime lesen (und so interessant das ist - man muss ja konstatieren, dass man ja mehr oder weniger wunschlos dazu veranlasst ist, sich in dieser Art damit auseinander zu setzen, denn eigentlich brauchen wir keine Scharia oder andere alternative Schiedsmöglichkeiten).

Vielen Dank noch mal. Werde mir das noch einmal sehr gründlich anschauen.

Viele freundliche Grüße

azur


* Lehrlingsheim, Baujahr 1896, Bauherr: Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Juden im preußischen Staate
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank...

(dazu gäbe es viel zu den Ostgebieten zu erwähnen, aus denen nicht umsonst so viele nach Berlin und Preußen strömten, zu erwähnen. Das waren massenhaft Ostjuden, aber auch sehr, sehr viele Deutsche. Im 19. Jahrhundert wurden etliche Pachtbetrieb in der Landwirtschaft unwirtschaftlich und verfielen - ein Umstand, mit dem sich u. a. die Artamanenbewegung, zu der auch Himmler gehörte, auseinandersetzete, die darin eine Chance für das Leben neuer Gesellschaftsentwürfe sahn: https://de.wikipedia.org/wiki/Artamanen - und auch die frühe SPD hat sich damit viel auseinandergesetzt (es gab dann heiß umkämpfte Volksabstimmungen, die in der Weimaer Zeit elektrisierte, aber heute kaum noch jemand kennt):

"Besonders hatte er in dieser Zeit mit den Landarbeitern Ostpreußens zu tun und entwickelte sich so zum Experten für Agrarpolitik in der Partei sowie zum lebenslangen Gegner der ostelbischen Landjunker. In seiner späteren Schrift Das ostelbische Landproletariat schrieb er in seiner sperrigen Prosa:

„Die ausgebeutete, entrechtete ostelbische Landbevölkerung ist also der Sockel, auf dem zum überwiegenden Teil die Macht des ostelbischen Junkertums ruht und auf den gestützt es seine volksaushungernde und entrechtende Raubpolitik treibt. Dieser Sockel muß aber in dem Maß morscher werden, als es gelingt, in den Bevölkerungsgruppen, die ihn bilden, den sozialdemokratischen Grundsätzen Verbreitung zu schaffen.“

Otto Braun regte die Gründung des Deutschen Landarbeiter-Verbandes an. Er war Vorsitzender der lokalen Ortskrankenkasse und Mitglied des Stadtrates von Königsberg."

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Braun#In_der_SPD

Das war der langjährige MP Preußens, bis in Hitlers Zeit.

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