Dein Klagelied ist in den Wind gesungen

Weiner, Montag, 08.02.2016, 01:01 (vor 3653 Tagen) @ Mercury3284 Views

Fazit ist: Die Flüchtlinge, egal ob sie als Kriegsflüchtlinge oder
Armutsflüchtlinge ihr Bündel packen, kommen auf jeden Fall.

Hallo Mercury, vielen Dank für Deine Überlegungen! Sie sind nachvollziehbar, und in die von Dir aufgezeigte Richtung wird es so ungefähr gehen. Du übersiehst aber zwei Dinge.

1) Die menschliche Leidensfähigkeit. Die Mehrzahl der 3-Milliarden-2-Dollar-Menschen geht nicht in die Migrationsbewegung sondern hält vor Ort durch. In China und Indien beispielsweise herrschen ganz krasse soziale Unterschiede, noch schlimmer wie in Deutschland vor 150 Jahren. Ungeachtet dessen bestehen dort aber bereits stabile Strukturen. Wie auch bei uns seinerzeit. Die Chinesen lassen heute Roboter auf dem Mond rumfahren. Das kriegen wir hier offenbar nicht mehr auf die Reihe, haben zwischen 1850 und 1950 der Welt aber eine komplett neue technische Struktur verpasst. In 50 Jahren nun werden die sozialen Unterschiede in Indien und China äußerlich und gefühlt genauso nivelliert sein wie inzwischen bei uns (Besitz von Wohlstandsutensilien, Übernahme von Wohlstandsverhalten), auch wenn dann dort die Grundbücher, Wertpapiere und Bankkonten, wie gegenwärtig auch bei uns, real eine andere Eigentumssprache sprechen werden. Aber egal, wie man es betrachtet: die Migration ist weltgeschichtlich gesehen überhaupt kein Problem. Selbst wenn 200 Millionen umhervagabundieren. Die anderen 2,8 Milliarden werden sich vor Ort durchkämpfen. Und die schaffen das.

2) Die geschichtlichen Zyklen. Staatlichen Komplexe sind wie Gewächse, die je ihre eigene Lebenserwartung haben. Ihre Biographien zeigen starke Phasen und schwache Phasen. Sie folgen dabei zyklischen Mustern, die sich rational abbilden und prognostizieren lassen. Die USA und Frankreich besipielsweise sind recht alt (1780er). GB ist schon bald ein Tattergreis (1689). Alle drei haben bereits Parkinson und leiden an Demenz. Demnächst im Rollstuhl für einige Jahre. Deutschland befindet sich im mittleren Alter, es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geboren. Man hat es nicht kaputtbekommen und wird es künftig nicht kaputtkriegen. Auch zwei Millionen ISIS-Kämpfer, selbst wenn sie jetzt schon da wären und alle eine Kalaschnikoff hätten mit ausreichend Munition - sie würden es nicht schaffen. Viele Tote und neues Leid wird es natürlich geben. Russland wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geboren. Es wird demnächst grandios auf die Schnauze fallen, aber ebenso grandios wieder aufstehen. Es hat sehr gute Reserven. Die Youngsters der Weltgeschichte sind China, Indien oder etwa auch Israel, zur Mitte des 20. Jahrhunderts geboren. Manchmal stirbt ein Organismus, weil etwas in seinen Genen nicht stimmt. So ist es mit Israel. Juden sind aus sich heraus nicht staatsfähig (sie haben stattdessen andere Vorzüge). Und deshalb wird auch das neue Israel als autonomer Staat nur wenig länger existieren als das Reich Davids oder als die anderen israelitischen Reichsversuche (nach dem babylonischen Exil, unter den Makkabäern oder unter den Idumenäern). China und Indien dagegen haben sehr gute Gene. Bei allen Krisen, die ihnen bevorstehen, werden sie sich, ähnlich wie Deutschland, immer wieder fangen. Auch Afrika wird überleben, auch Südamerika. Die schaffen das.

Die Probleme, die Du siehst, sind allein Probleme eines Europäers oder Nord-Amerikaners, der mehr als 2 Dollar hat. Und somit Zeit zum Nachdenken. Die Probleme, die Du siehst, gehen mithin an der täglichen 2-Dollar-Problematik der 3 Milliarden völlig vorbei. Und die Multimilliarden-Menschen und ihre Lakaien, die Rockefellers, die Rothschilds, die Soros, Gates und Buffet, die Kissingers, Brzezinkis , Friedmans - und wen immer man hier aufzählen möchte, das sind die erwähnten Leute mit Demenz und Paralyse. Weil sie große Tassen in den Händen haben, können sie ein bißchen mehr Wasser verschütten. Aber das war's dann schon. In 50 Jahren kräht kein Mensch mehr nach ihnen.

Sonstiges: Die Energiefrage ist gelöst. Es ist wahrscheinlich, dass das nicht mehr allgemein bekannt wird, bevor hier die Kugeln fliegen und das Chaos ausbricht. Aber wenn die Rauchschwaden sich verzogen haben, wird man in dieser Frage neu und ganz anders anfangen.

Parallel war heute ein Thread über das "Wahlverhalten". Auch so eine verkopfte Frage. Der wahre Souverän wählt nicht, sondern er handelt. Was heißt das konkret? Zum Beispiel: nicht Wählen gehen, sondern (ggfs. zusammen mit anderen kompetenten Fachleuten) ein neues Wahlgesetz schreiben. Ich sage das nur, weil heute auch die Seite "wahlrecht.de" zitiert wurde. Es ist eine sehr gute Webseite. Und dennoch: man hat es dort bei aller Expertise nicht geschafft, ein neues Wahlgesetz zu entwerfen (hoffentlich täusche ich mich, ich war seit einigen Monaten nicht mehr dort). Genauso hier das Forum. Da gibt es nicht Wenige, die sich extrem gut mit dem Thema Geld auskennen. Aber wenn ich jetzt anregen und bitten würde, einen praktisch umsetzbaren Vorschlag für eine Neustrukturierung des Geldsystems auszuarbeiten, inklusive aller dafür nötigen Gesetzesänderungen, dann würde ich wohl keine Antwort bekommen. Wenn ich aber sagen würde, dass der Vollgeldentwurf von Huber nicht schlecht sei und ein akzeptabler Anfang wäre (Respekt vor diesem Mann, der sich einer großen Mühe unterzogen hat!), dann würde hier ein Gewitter von Einwänden und Bemerkungen losbrechen.

Mit 2 Dollar am Tag stellen sich all diese Fragen natürlich nicht. Da sind die Verhältnisse eindeutig und klar. Deswegen werden die 2-Dollar-Menschen immer überleben. Auch ohne Wahlgesetz und neues Geldsystem. Und an allen Staaten, Staatstheoretikern und Nicht-Staats-Theoretikern vorbei. Auch wenn es ihnen täglich weh tut und ihnen so viel abverlangt: die 2-Dollar-Menschen schaffen das.

MfG, Weiner


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