Den Metaphysikern ist ihre Flachheit noch weniger bewusst als den Debitisten
[img][/img]... zumal jede Art Metaphysik wesentlich flacher ist als die debitistische These.
Hallo!
Hallo!!
Daß die debitistische Theorie allein als Geschichtsmodell taugt,
bezweifle ich. Es ist eine Wirtschaftstheorie, die auf die Wirtschaftsseite
des Lebens anwendbar ist.
Nein, es ist eine umfassende These. Die Wirtschaftsseite wird hergeleitet aus generell vorhandenen Rahmenbedingungen: dem Ur-Soll.
Sie zu verallgemeinern und Schuld als Triebfeder
der Geschichte zu betrachten, wäre (mit Spenglers Worten) "Denken in
Geld", was an sich schon eine Verfallserscheinung ist.
Es ist umgekehrt. Die allgemein vorhandenen Rahmenbedingungen waren die Basis, damit Wirtschaft und Religion entstehen konnten. Sie sind sozusagen ein Missbrauch und eine Pervertierung des Ur-Solls.
http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=17856
Spengler war die
Natur unseres Geldes sehr wohl bewußt: ein von allem greifbaren
abgezogenes, völliges Abstraktum, was dem faustisch-dynamischen, Raum und
Zeit überwindenden, der Unendlichkeit zustrebenden Impuls des Abendlandes
entspricht. Ein solches Geld, das ein rein geistiges Produkt ist, läßt
sich natürlich unendlich vermehren.
Das wäre neu.
Debitismus ist wohl eine treffende
Selbstbeschreibung des Systems, welches aus dem abendländischen Gelddenken
entstehen mußte.
Woher soll denn dieses Gelddenken kommen? Zuerst wurde ein Abgabezwang organisiert, und erst später kam das Gelddenken.
Dieses Gelddenken betrachtet die Geschichte natürlich
vor dem Hintergrund seines Weltbildes und findet damit eine
scheinbare Bestätigung, während es die Entfaltung des Lebens aus
dem metaphysischen, also von der Seele her nicht erkennen kann.
Die Entfaltung des Lebens kann niemand erkennen. Man kann nur erkennen, was offensichtlich ist: Ein unbedingter Lebenswille. Warum sich ein solcher entfaltet, kann niemand wissen. Man kann nur religiös/metaphysisch in der allzubekannten, mannigfaltigen Art und Weise darüber schwafeln, mit katholischen, wahabitischen oder kantianischen Göttern, Götzen und Strohmännern.
Dem
Debististen ist seine Flachheit gar nicht bewußt und seine Theorie ist in
sich konsistent.
Ich gehe eher davon aus, dass den Seelenpredigern und deren Zuhörern ihre haarsträubende Flachheit nicht bewusst ist.
Den metaphysischen Schwätzern hielt Wittgenstein zurecht entgegen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“
Nietzsche über die Metaphysik und Gottglaube:
Weg mit den bis zum Ueberdruss verbrauchten Wörtern Optimismus und Pessimismus! Denn der Anlass, sie zu gebrauchen, fehlt von Tag zu Tage mehr: nur die Schwätzer haben sie jetzt noch so unumgänglich nöthig. Denn wesshalb in aller Welt sollte jemand Optimist sein wollen, wenn er nicht einen Gott zu vertheidigen hat, welcher die beste der Welten geschaffen haben muss, falls er selber das Gute und Vollkommene ist, – welcher Denkende hat aber die Hypothese eines Gottes noch nöthig?
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Der Urglaube alles Organischen von Anfang an ist vielleicht sogar, dass die ganze übrige Welt Eins und unbewegt ist. – Am fernsten liegt für jene Urstufe des Logischen der Gedanke an Causalität : ja jetzt noch meinen wir im Grunde, alle Empfindungen und Handlungen seien Acte des freien Willens; wenn das fühlende Individuum sich selbst betrachtet, so hält es jede Empfindung, jede Veränderung für etwas Isolirtes, das heisst Unbedingtes, Zusammenhangloses: es taucht aus uns auf, ohne Verbindung mit Früherem oder Späterem. Wir haben Hunger, aber meinen ursprünglich nicht, dass der Organismus erhalten werden will, sondern jenes Gefühl scheint sich ohne Grund und Zweck geltend zu machen, es isolirt sich und hält sich für willkürlich. Also: der Glaube an die Freiheit des Willens ist ein ursprünglicher Irrthum alles Organischen, so alt, als die Regungen des Logischen in ihm existiren; der Glaube an unbedingte Substanzen und an gleiche Dinge ist ebenfalls ein ursprünglicher, ebenso alter Irrthum alles Organischen. Insofern aber alle Metaphysik sich vornehmlich mit Substanz und Freiheit des Willens abgegeben hat, so darf man sie als die Wissenschaft bezeichnen, welche von den Grundirrthümern des Menschen handelt, doch so, als wären es Grundwahrheiten.
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Missverständniss des Traumes. – Im Traume glaubte der Mensch in den Zeitaltern roher uranfänglicher Cultur eine zweite reale Welt kennen zu lernen; hier ist der Ursprung aller Metaphysik. Ohne den Traum hätte man keinen Anlass zu einer Scheidung der Welt gefunden. Auch die Zerlegung in Seele und Leib hängt mit der ältesten Auffassung des Traumes zusammen, ebenso die Annahme eines Seelenscheinleibes, also die Herkunft alles Geisterglaubens, und wahrscheinlich auch des Götterglaubens. "Der Todte lebt fort; denn er erscheint dem Lebenden im Traume": so schloss man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch.
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Bei der Philosophie nun gar, als bei der Spitze der gesammten Wissenspyramide, wird unwillkürlich die Frage nach dem Nutzen der Erkenntniss überhaupt aufgeworfen, und jede Philosophie hat unbewusst die Absicht, ihr den höchsten Nutzen zuzuschreiben. Desshalb giebt es in allen Philosophien so viel hochfliegende Metaphysik und eine solche Scheu vor den unbedeutend erscheinenden Lösungen der Physik; denn die Bedeutsamkeit der Erkenntniss für das Leben soll so gross als möglich erscheinen. Hier ist der Antagonismus zwischen den wissenschaftlichen Einzelgebieten und der Philosophie. Letztere will, was die Kunst will, dem Leben und Handeln möglichste Tiefe und Bedeutung geben; in ersteren sucht man Erkenntniss und Nichts weiter.
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Metaphysische Welt. – Es ist wahr, es könnte eine metaphysische Welt geben; die absolute Möglichkeit davon ist kaum zu bekämpfen. Wir sehen alle Dinge durch den Menschenkopf an und können diesen Kopf nicht abschneiden; während doch die Frage übrig bleibt, was von der Welt noch da wäre, wenn man ihn doch abgeschnitten hätte. Diess ist ein rein wissenschaftliches Problem und nicht sehr geeignet, den Menschen Sorgen zu machen; aber Alles, was ihnen bisher metaphysische Annahmen werthvoll, schreckenvoll, lustvoll gemacht, was sie erzeugt hat, ist Leidenschaft, Irrthum und Selbstbetrug; die allerschlechtesten Methoden der Erkenntniss, nicht die allerbesten, haben daran glauben lehren. Wenn man diese Methoden, als das Fundament aller vorhandenen Religionen und Metaphysiken, aufgedeckt hat, hat man sie widerlegt. Dann bleibt immer noch jene Möglichkeit übrig; aber mit ihr kann man gar Nichts anfangen, geschweige denn, dass man Glück, Heil und Leben von den Spinnenfäden einer solchen Möglichkeit abhängen lassen dürfte. – Denn man könnte von der metaphysischen Welt gar Nichts aussagen, als ein Anderssein, ein uns unzugängliches, unbegreifliches Anderssein; es wäre ein Ding mit negativen Eigenschaften. – Wäre die Existenz einer solchen Welt noch so gut bewiesen, so stünde doch fest, dass die gleichgültigste aller Erkenntnisse eben ihre Erkenntniss wäre: noch gleichgültiger als dem Schiffer in Sturmesgefahr die Erkenntniss von der chemischen Analysis des Wassers sein muss.
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Metaphysische Erklärungen. – Der junge Mensch schätzt metaphysische Erklärungen, weil sie ihm in Dingen, welche er unangenehm oder verächtlich fand, etwas höchst Bedeutungsvolles aufweisen: und ist er mit sich unzufrieden, so erleichtert sich diess Gefühl, wenn er das innerste Welträthsel oder Weltelend in dem wiedererkennt, was er so sehr an sich missbilligt. Sich unverantwortlicher fühlen und die Dinge zugleich interessanter finden – das gilt ihm als die doppelte Wohlthat, welche er der Metaphysik verdankt. Später freilich bekommt er Misstrauen gegen die ganze metaphysische Erklärungsart, dann sieht er vielleicht ein, dass jene Wirkungen auf einem anderen Wege eben so gut und wissenschaftlicher zu erreichen sind: dass physische und historische Erklärungen mindestens ebenso sehr jenes Gefühl der Unverantwortlichkeit herbeiführen, und dass jenes Interesse am Leben und seinen Problemen vielleicht noch mehr dabei entflammt wird.
Da fällt mir auf, noch etwas schneller im Erfassen der Geschichte als
zyklischen Vorgang waren die Maya, oder?
Der Gedanke kommt intuitiv jeder Kultur.
Bei den Römern waren es die Weltzeitalter von gülden zu ehern, um
schließlich erneut zu beginnen.
In der hinduistischen Kosmologie spielt sich in gigantischen Zeiträumen
ähnliches ab, wobei wir uns heute im Kali-Yuga, dem Zeitalter des Verfalls
befinden, das irgendwann einem neuen goldenen Zeitalter weicht.
Ja, flach und anthropozentrisch, wie jede Religion und Metaphysik. Die realistischere, wissenschaftlichere Erkenntnis und Vorstellung, dass die Spezies wieder verschwindet, so wie unzählige andere auch, kommt ihnen gar nicht in den Sinn, weil sie sich ihrer Flachheit mangels naturwissenschaftlicher Kenntnisse nicht bewusst sind.
Meines Erachtens befindet sich die Menschheit seit ihrem Erscheinen auf
Erden in grauer Urzeit auf einem Weg hin zu einem fernen Endziel, auf dem
sie sich zunehmend verfeinert und vergeistigt. Der Weg ist geprägt von
zyklischen Aufstiegen und Niedergängen, wobei das Leben der Hochkulturen
und der übergeordnete Zyklus von Atlantis bis in unsere Zeit womöglich
ihrerseits nur die Modulation eines viel größeren Lebenslaufs sind, der
die ganze Spezies betrifft.
Allerdings!
Gruß
Taurec
Grüsse, Zara