Das mit der Puenktlichkeit der Zuege laesst sich nicht messen ...
... denn: unter Dr. Ludewig selig, der wenigstens als Ex-Staatssekretaer zu dem Beamtenstadel Bundesbahn stallgeruchsmaessig passte und gleich das wohl groesste Zugunglueck der deutschen Geschichte verantworten durfte, wurden in den Bahnhoefen Schultafeln aufgestellt, auf denen die Mitarbeiter(innen) der "Service-Points" immer mit Kreide die Puenktlichkeiten auftrugen.
"Heute 88,7% puenktlich", usw.
Da ich zu der Zeit, letztmals in meinem Leben, mit der Bundesbahn unterwegs war, fragte ich jedesmal, wie sie das denn "berechnen". Das geht naemlich so wenig, wie in der Notengebung.
Es macht einen Unterschied, ob ich von Mannheim nach Heidelberg fahre (acht Minuten!) und dabei 12 Minuten Verspaetung habe ("150 Prozent"!), aber danach ohnehin einen Anschlusszug erreichen wollte, der erst in 25 Minuten abfaehrt, und den ich dann noch erreiche, so dass ich dann nach, sagen wir, vier Stunden, in Muenchen, puenktlichst ankomme. Verspaetung eigentlich NULL!!!
Oder ob ich denselben Zug nehme, vier Minuten Verspaetung habe ("50 Prozent"?), dann aber meinen Anschlusszug verpasse und nun zwei Stunden auf den naechsten ICE warten muss. Oder gar strande, im Hotel uebernachten muss und einen halben Tag verliere! Oder so.
Nicht ein Bahn-Mitarbeiter konnte mir das erlaeutern.
Daraufhin schrieb ich Herrn Dr. Ludewig und bat um Auskunft.
Diese konnte nicht erteilt werden.
Denn: um ueberhaupt ein "objektives" Mass fuer Bahn-Puenktlichkeit zu erschaffen, muesste man
A) ermitteln, wer wohin will und mit wie oft umsteigen.
B) Dann ermitteln, wer in Bahnhof X seinen Anschlusszug verpasst und wieviele Menschen das betrifft.
C) Um dann am Ende von ggf. mehreren Tagen festzustellen, wer wann mit wieviel Verspaetung angekommen waere.
Ich muesste also -ein faktisch nicht, und mathematisch sehr schwer, loesbares Problem- ALLE Passagiere mit ihrer Anzahl, deren gewuenschten Streckenkilometern und deren relativer Verspaetung gewichten! (Und das sind noch laengst nicht alle Faktoren.)
Nun ja, ich drohte dem Bahnvorstand dann an, dass, wenn die Tafeln nicht bis zum ... verschwaenden, ich eine Klage nach Gesetz ueber unlauteren Wettbewerb inkl. kostenpflichtiger Abmahnung (geht u.U. in die Millionen, je nach Bemessungsgrundlage) einreichen werde.
Leider beraubte der Bahnvorstand mich dieser Moeglichkeit, an seinen Puenktlichkeits-Boni zu partizipieren, indem er saemtliche Tafeln deutschlandweit puenktlich entfernen lies.
Franzoesische Zustaende wurden so verhindert und wir sind bereits wieder auf gutem Wege ...
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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