Empathie
Hallo Sylvia,
Du schreibst, dass bei der Bevölkerung eine sinnbildlich Aufwertung des Egos zu beobachten ist. Nach jahrelanger Zerstörung (oder Umwandlung des Selbstbildes) der Kultur der deutschen Bevölkerung wird jetzt eine Situation geschaffen, in der sich zumindest einige wieder als positiven Pol der Welt betrachten. Bitte korrigiere meine Interpretation Deiner Aussage, sofern ich etwas falsch wiedergegeben habe.
In meinen Augen geht die aktuelle Situation (noch) in eine andere Richtung. Viele Menschen, gerade in den industrialisierten westlichen Ländern, haben bewusst oder unbewusst die Sinnlosigkeit ihrer Existenz festgestellt. Die Mohrrübe, welche uns allen immer vorgehalten wird, ist für die meisten nicht erreichbar. Sofern sie es dennoch ist, muss man sich sehr weit verbiegen und ist daher gezwungen, seiner eigenen Überzeugung zu widersprechen. Für die meisten unter uns bleibt die Rübe dennoch unerreichbar. Die Versprechen werden uns aber alltäglich „mantrahaft“ vorge-Gauk-elt.
In dieser Situation befinden sich imho viele oder nahezu alle Menschen, die der (finanziellen) Freiheit nachlaufen, indem versucht, wird Reichtum (in materieller Hinsicht) anzuhäufen.
Um der eigenen Existenz einen Wert zu geben, wird nun versucht, auf jeden Zug aufzuspringen, der an mir vorbeirauscht --> „Es geht voran“! Jeglicher logischer Verstand wird hierbei ausgeschaltet. Dies war in meinen Augen sehr stark zu beobachten, als die Bevölkerung der USA nach 9/11 relativ schnell überzeugt werden konnte, dass der Aggressor im Osten liegt. Dieser hätte auch sonstwo sein können. Die meisten kannten nicht einmal das später überfallene Land. Für die Bevölkerung war es nur wichtig, dass der Schafzaun wieder ein Stück verlegt wird. Ein neues Ziel war definiert worden, das Leben hat einen Sinn --> „Es geht voran“!
Die aktuelle Situation in Deutschland ist meiner Ansicht nach identisch. Sofern man gewillt ist, sich logisch mit dem Flüchtlingsstrom zu befassen, kann man nur zu einem Schluss kommen. Logik ist hier aber nicht gefragt, sondern das Herz, bzw. das Mitgefühl. Leider wird der Begriff durch die Medien in einem völlig falschen (u.a. auch religiösem) Kontext genutzt.
Mit dieser Art der Beeinflussung wird nahezu jeder in den Bann gezogen (wobei das Wort „besessen“ hier besser wäre), der nicht bereit ist, sich mit der Sinnlosigkeit seines Lebens zu beschäftigen.
Grüße
David