Er hat eben viel zu lange gepokert und das ohne einen Plan B

Morpheus ⌂, Donnerstag, 09.07.2015, 18:27 (vor 3846 Tagen) @ Gaby6111 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 09.07.2015, 19:21

Hallo Gaby,

das mit dem Trauerspiel sage ich ja hier schon länger.

Frage mich nur, warum das nicht alles komplett offensichtlich war.

Ehrlich gesagt, macht Tsipras das Beste, was er jetzt noch machen kann und zwar ausdrücklich für die Klientel, für die er immer etwas raus holen wollte.

Nur kann er jetzt froh sein, wenn er noch die alten Konditionen bekommt. Denn jetzt muss er sonst von sich aus noch ganz andere Maßnahmen ankündigen, die noch viel brutaler ausfallen.

Ich wundere mich nur, warum ihm und allen anderen Griechen das jetzt erst klar wird. Die moderate Einschränkung, wie von der EU gefordert oder Bail-In aller Guthaben über X Euro, sowie Wechsel auf die Drachme. Und dann steigen die ganzen Importpreise sofort massiv an. Die Renten und Löhne bleiben dann zwar auf dem Papier gleich hoch. In der Praxis sinkt die Kaufkraft der Leute aber so oder so. "Sie werden ihm die Folter-Werkzeuge vorgeführt haben".

Ohne Unterschrift bei der Troika müsste Griechenland ab sofort stets und ständig einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Verschuldung wäre nicht mehr drin, da würde keiner was abnehmen. Selbst nach einem Schulden-Teil-Erlass müsste GR langfristig alle Restschulden selbst tragen. Im Euro werden selbige früher oder später auf die EU hochgebucht. Ob das dann ESM oder wie auch sonst immer heißt. Diese gesamten Möglichkeiten würden er Griechenland mit einem GR-Exit verbauen.

Tsipras hat nur den Fehler gemacht, dass er die Leute nicht um ein ehrliches "Ja" gebeten hat. Er hoffte wohl auf ein "Ja" auch gegen seine Empfehlung. Dann hätte er am Montag danach schnell alles unterschreiben können, was er jetzt auch unterschreiben wird.

Aber mich würde die Entwicklung freuen. Sie ist für Griechenland das Beste, was offensichtlich möglich war/ist. Das große Chaos würde ausbleiben. Ein Hochbuchen von Schulden bleibt möglich. Ein Domino-Effekt kann abgewendet werden.

Kein Grund zum Jammern, höchstens weil die Einsicht irgendwie etwas sehr spät kommt. Aber erstaunlicher Weise hat das Referendum hier auch eine tröstende Wirkung. Ganz demokratisch war Griechenland in seiner demokratisch gebildeten Gesamtheit zu dumm, um die kommenden Entwicklungen richtig einzuschätzen. Und 61 % sind ja für jede Demokratie schon eine tolle Mehrheit.

Wenn er unterschreibt, dann beschränkt sich das Trauerspiel einfach nur auf die letzten 3 Wochen. Denn er hätte bereits vor diesen 3 Wochen unterschreiben sollen. Die Verzögerung war unnötig. Ohne eine griechische Unterschrift könnte es noch richtig richtig schlimm werden, zu 90 % für Griechenland.

Grüße
Morpheus

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