Arbeitssklaven-Existenz
Hallo nemo,
Hallo KvS,
für den konditionierten Arbeitssklaven, der das Gefühl hat, dass er von
der
Gesellschaft nicht mehr gebraucht wird und seine Existenz sinnlos wird,
sobald er arbeitslos wird, gibt es keine Lösung dieses Dilemmas.
Die eigene Existenz wird mit Verlust des Arbeitsplatzes nicht sinnlos, es wird nur unendlich schwer, das zu bekommen, was das eigene Leben erhält, sprich Unterkunft, Nahrung, Realisierung des persönlich gewünschten Konsums.
Jeder Landstreicher ohne Wohnsitz und Arbeit "ist" dennoch Mensch und existiert. Der Leidensdruck aus dieser Situation heraus mag unterschiedlich hoch sein...manche kommen eben auf den Gedanken, dass das eigene Leben damit an Sinn verloren hat, weil die Verwirklichung der persönlichen Ziele durch fehlendes Einkommen und eine gesicherte Existenz nicht erreichbar ist.
Man kann allerdings als phantastisch reicher Mensch sich ebenso nutzlos fühlen, da man nicht mehr arbeiten muß und daraus den Schluss ziehen, eigentlich "überflüssig" zu sein, da es nichts mehr zu erreichen gibt.
Ich denke, die Antwort, wie man sich selbst und sein Leben wertmäßig einordnet, ist das Ergebnis eines intensiven Denkprozeßes, einer inneren Bestandsaufnahme.
Er müsste sich selbst neu erfinden und seinem Leben einen neuen Sinn
geben. Er muss sich seine Lebensbereiche zurück erobern.
So weit kommen manche nicht, weil sie es nie gelernt haben, wenigstens über einen vorgefertigten Lebensentwurf hinaus zu denken.
Das ist der Menschentypus "Glücklicher Sklave".
Seien wir doch ehrlich. Welchen Sinn haben wir unserem Leben
gegeben, jenseits der biologischen Notwendigkeiten, wie Ernährung,
Fortpflanzung und Obdach?
Man könnte ein philosophierender Schöngeist sein, welcher auch in der Lage ist, sich selbst zu ernähren. Aber halt, dem stehen Eigentumsrechte und Steuern, Grundbesitzabgaben entgegen. Hier stört eben das Gefängnis oder die Falle, in der wir fast alle sitzen, entgegen.
Die Fortpflanzung ist jedoch ein ergreifendes Wunder, welches dem eigenen Leben eine ganz andere Wendung gibt. Man lebt um Wissen und Erfahrungen weiter zu vermitteln.
Wir sind noch nicht mal an dem Punkt angelangt, an dem diese biologischen
Notwendigkeiten zum Selbstverständnis des Lebens gehören würden, da
sich ein kleiner Teil der Menschheit auf Kosten der Arbeit anderer
ernährt
und die allgemeine Lage dadurch immer prekärer wird.
Es wäre Aufgabe der Führungsetage, dies nicht zum Auswuchs werden zu lassen.
Und ebenso wäre es eine Erziehungsaufgabe, den Menschen wieder zu vermitteln, wie man sinnvoller lebt.
Jedoch steht dies wirtschaftlichen und politischen Interessen entgegen.
Die Lösung in Automatisierung und Robotik zu suchen ist eine schlimme
Illusion. Darin kann die Lösung nicht liegen. Insofern spielt die
Robotik
auch keine Rolle für die wichtigsten Fragen und Probleme. Sie geht
am Thema vorbei.
Schlimmer noch, Kybernetik, Robotik und Co. sind Utopien neueren Datums, deren Achilles-Sehne in der Energieversorgung und somit endlichen Ressourcen liegt.
Wie Tassie Devil hier schon vor Jahren geschrieben hat, liegt das Haupt-
problem darin, dass wir alle Tag für Tag, Jahr für Jahr völlig sinnloseArbeit machen.
Sinnlos mag diese Arbeit für uns in der Tat sein, sie dient aber anderen dazu, wohlhabender zu werden und ihrem erklärten Lebensziel näher zu kommen. Urlaub, Freizeit, Prestige, oder große Wohltäter der Gesellschaft.
Die Lösung darin zu suchen die sinnlose Arbeit der Robotik zu
überlassen
ist nur ein Teil der Gleichung. Der andere und viel wichtigere Teil, ist
die Frage:
Was können wir sinnvolles tun?
Bescheiden leben, unseren Geist sinnvoll beschäftigen, neue Fertigkeiten erlernen, die es uns ermöglichen, selbst unser Leben in die Hand zu nehmen - darauf kann man dann auch ein wenig Stolz sein und Zufriedenheit daraus schöpfen.
Damit beantwortet sich auch gleichzeitig die Frage nach dem Gefängnis.
Das Gefängnis existiert nur weil wir es zulassen und weil wir die
Beantwortung der wichtigsten Frage – die Frage wie wir leben wollen –anderen überlassen.
Ja, ich denke, es ist auch eine Frage der Erziehung und was man vorgelebt bekommen hat bzw. was man bereitwillig aus dem endlosen Schwall der Medien auf der Suche nach einem Lebensentwurf als vorgefertigte Schablone aufgenommen hat.
Das "Gefängnis" hat viele Facetten und der Stempel des "Aussenseiters" trägt sich im persönlichen Umfeld nicht leicht.
Was geschehen wird, ist einfach zu beantworten. Entweder wir stellen
irgendwann die Frage nach dem Sinn oder wir werden immer mehr Teil
einer voll automatisierten und kontrollierten Welt sein. Als freie Wesen
können wir aber entscheiden und fragen: Wollen wir das?
Selbst wenn wir uns entscheiden und es schaffen würden zu ändern....würde es nicht irgendwann in einer Wiederholung der Geschichte enden? Alle müssten so aufgeklärt und Verantwortungsbewusst sein, für immer den Kurs des alten Systems abzulehnen und ihre Freiheit zu behalten (oder das "bessere" System).
Auf lange Sicht entwickeln sich Gesellschaften immer dahin (so meine Theorie), dass Verantwortung nach oben abgegeben wird und damit auch Entscheidungskompetenz. Wissen wird arbeitsteilig ausgelagert, bis man nur noch ein "Fachidiot" ist und irgendwann ist die breite Masse der ursprünglichen Entscheidungsträger ein kleines Rädchen im großen Getriebe, auf dessen Meinung man gut und gerne verzichten kann - niemand hält ab dann den Fluss der Geschehnisse mehr auf.
Gruß
nemo
Gruss, Fairlane