Reichsstädte ohne Abgabenerhebung des Machthalters? Wo denn das?!
Hi Meph,
unsd da ist Geld eben NICHT als Abgabe an den Machthalter
entstanden. sondern hängt sehr eng zusammen mit der Geschichte der
FREIEN Reichsstädte in Deutschland und Nord- bis Mittelitalien. Wo
das Bankwesen und Banknotenentwickelt wurden.
Du darfst die Privilegien derartiger Städte nicht mit einer Unabhängigkeit vom Kaiser (Obermachthalter) verwechseln. Die Städte waren unmittelbar an Weisungen des Kaisers gebunden. Besonderes Merkmal: Sie verwalteten und erhoben die Abgaben selbst. Dass sie eigene Verwaltungen und Hohheit hatten, entkoppelte sie aber nicht vom Reichsfinanzsystem. Die Abgaben an den Kaiser gingen sogar so weit, dass nicht mehr nur Kredit- / Wechsel- / Bankgeschäfte untereinander, sondern direkte Kreditvergaben der Städte an den Kaiser zu erfolgen hatten, wodurch das Reichsfinanzsystem lange Zeit finanziert wurde.
Und deren FREIHEIT bestand eben darin, dass sie keine Abgaben an
den Landesherrn abführen mussten, eine - im übrigen extrem wirksame -
Maßnahme zur Wirtschaftsförderung, welche unsere gegenwärtig
herrschenden Demokraten vergessen haben.
Ob Frankfurt, Leipzig, Regensburg oder auch Augsburg, sie alle haben eigenständig Abgaben erhoben, mittels denen sie die Verschuldungen der städtischen Instanzen und die Kreditvergaben an den Kaiser besicherten / bezahlten. Die Kredite an den Kaiser waren ja nur Vorfinanzierung von noch zu liefernden Abgaben, die mit den festgesetzten Abgaben (Matrikularbeiträgen) später aufgerechnet wurden. Ein fein durchdachtes Vorfinanzierungsmodell des Reiches (der Waffe / des Obermachthalters).
Die Machthaber mussten, wenn sie Geld benötigten, um ihre Soldatesca zu
bezahlen,sich dieses von den freien Reichsstädten oder einzelnen Bürgern
(Fugger, Welser) leihen!
So wie es auch heute läuft. In der Zeit der Reichsstädte ging es über nicht handelbare Kreditvergaben der Reichsstädte an den Kaiser. Heute über handelbare Anleihen.
Geld wurde zwar in Mitteleuropa nicht erfunden, aber unabhängig
wiedererfunden. Wie das Porzellan.
Nur zur Klarstellung: Nicht die Untertanen erfanden es, sondern die Zentralinstanzen und untergeordneten Instanzen, die da nur durch Machtkreislauf (Abgabe = Redistribution) finanzier und refinanzierbar blieben. Der Handel lief doch gerade deswegen, weil alle wussten, dass sie vielzahl der Abgabenschulden mit Geld tilgen konnten. Die Personal- und Realsteuern, sowie auch die Akzisen, Verkehrssteuern, Verbrauchssteuern, und Zölle baten eine solche lokal unterschiedliche Vielfalt. Dagegen wirken unsere heutigen Machthalter sehr Einfallslos. Wird sich aber nun rasch ändern, wie wir alle noch selbst spüren werden.
Und das ohne die Machthaber, die liefen der Entwicklung nur hinterher.
Quatsch, all die Reichsstädte mussten Abgaben erheben und waren damit ein Arm der Zentralmacht, die da von dem Machtkreislauf abhängig war. Der Kaiser hatte ein ideales Vorfinanzierungsmodell, dass auf Vorschuss basierte. Die Reichsstädte fühlten sich damit erhaben, auch wenn sie in Wahrheit niemals finanziell, da unfähig ihre Grenzen gegen den Kaiser zu verteidigen, unabhängig waren. Die Abgaben an den Kaiser entwickelten sich immer weiter.
Und die Geschichte der Geldentstehung in Mitteleuropa halte ich für
durchaus noch nicht für abschließend geklärt.
Es lief wie überall (statt Provinzen halt lange Zeit erhabene Reichsstädte).
Vorfinanzierung des Machthalters -> Abgaben (Schuld ex nihilo) -> Redistribution. Wenn so jeder weiß worum es geht, läuft der Handel wie geschmiert.
Die Reichsstädte trügen, da sie den Traum der Unberührtheit und Souveränität suggerierten. Solange die Vorfinanzierung des Kaisers funktionierte und die Abgaben kamen, sprach nichts gegen diesen Tagtraum. Was später passierte, kannst du ja an den Residenzstädten und dem Zerfall der Finanzstrukturen der Reichsstädte beobachten.
Herzlichst,
Ashitaka
--
Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.