Ist für mich absolut nicht nachvollziehbar

helmut-1, Siebenbürgen, Freitag, 24.05.2019, 21:41 (vor 2468 Tagen) @ Tünnes3497 Views

Was ich nun schreibe, hat nicht unbedingt was mit dem Thema zu tun, aber trotzdem. Das mag sich natürlich jetzt seltsam für Dich anhören, - aber ich sehe das völlig anders. Ja, es gab die Zeit, wo man bei einer Bewerbung nach Möglichkeit nicht älter als 30 sein und dabei 20 Jahre Berufserfahrung mitbringen sollte. Das aber hat sich - meines Wissens - irgendwann nach der Jahrtausendwende geändert.

Da sucht man gerade die Älteren, weil die eine ganz andere Berufserfahrung und vor allem Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Ich hab das schon lange vorher so gemacht. O.k., vielleicht sind die Branchen nicht vergleichbar, wir sind im Baunebengewerbe.

Den Letzten, den ich im Betrieb in Deutschland eingestellt habe, präsentierte mir mein Vertrauter am Arbeitsamt. Er sagte mir, - es handle sich um einen ausgesiedelten Siebenbürger, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet hätte. Alter: 53. Als ich mir die Einzelheiten anhörte, u.a. 34 Jahre am selben Arbeitsplatz, wollte ich sofort mit dem Mann sprechen. Er wurde eingestellt, wurde zur Stütze meines Betriebes und ging bei mir in die Rente. Arbeitete auch danach noch bei mir. Wir verstanden uns wie Brüder.

Ich brauchte eine Sekretärin, - da schickten sie mir vom Arbeitsamt 5 Stk. Vier davon in apartem Aussehen, wunderbar lackierte Fingernägel, etc. Die fünfte war ein 90-kg Faß und so um die 45. Arbeitete bei ihrem Mann im Baubetrieb als Sekretärin und führte ihm die Bücher, bis der pleite machte. Diese Frau habe ich eingestellt. Mit war klar, dass sie eines genau wusste: Nämlich wie mans nicht macht. Sie war besser als alle anderen, zuverlässig und besonders im Formulieren der Korrespondenz wesentlich besser als ich. Sie brachte mit der Hälfte der Wörter das auf den Punkt, worums ging, - im Vergleich zu mir.

Nachdem die Facharbeiter resp. überhaupt die Leute, die ihren Job verstehen, immer mehr zurückgehen, ist es für einen Betrieb unabdingbar, dass er die Erfahrung der Älteren nutzt. Für das Grobe nimmt man jüngere Leute, wenn man sie überhaupt bekommt. Ersatzhalber Ausländer. Aber der Ältere, der die Rente auf sich zukommen sieht, ist zuverlässiger, und ist mit Sicherheit auch am Rosenmontag um 7 Uhr präsent und macht nicht blau. Sieht vor allem bereits im Ansatz, wenn etwas bei der Arbeit in die Hose gehen könnte.

Mag sein, dass sich das alles höhnisch für Dich anhört, - aber irgendwas stimmt bei Deiner Sache nicht. Irgendwas packst Du dabei falsch an. Ich bin absolut sicher, dass gerade Dein Fachwissen irgendwo dringend benötigt wird, - Du hast wahrscheinlich noch nicht an die richtige Türe geklopft. Natürlich kann ich da keinen einschlägig verwendbaren Rat geben, weil ich weder Umstände noch Details kenne, - dazu ist mir die Branche auch fremd.

Ich gehe mal davon aus, dass Du - im Gegensatz zu mir früher - niemanden von dem Arbeitsklub (oder Agentur, wie das jetzt heißt) kennst. In diesem Fall würde ich beim örtlichen Direktor einen Termin machen, und ihn nach einer groben Erklärung darum bitten, dass Du zu seinem erfahrendsten und langjährigsten Sachbearbeiter geschickt wirst. Dann würde ich mit dem das Problem besprechen und diesen soweit animieren, dass er versucht, mit Dir zusammen genau die Nische zu finden, wo man Dich braucht.

So ein Mann hat auch die Möglichkeit, Betriebe anzusprechen, die dafür in Frage kommen würden, auch in den Fall, wenn keine Meldung über eine freie Stelle vorliegt. Im übrigen, - wenn man als Selbständiger keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, dann hat das nichts mit der Arbeitsvermittlung zu tun. Letzteres tritt in jedem Fall in Kraft, wenn man als arbeitssuchend gemeldet ist.

Dasselbe, nämlich die Nische zu suchen, gilt auch für Dich. Wobei ich mich nicht unbedingt an den Anzeigen der Stellengesuche orientieren würde, sondern in erster Linie an der Art des Betriebes, um auszuloten, ob genau Dein Wissen dort hinpasst. Wenn das ein mittelständiger und seriöser Betrieb ist, bei dem die Geschäfte normal laufen, würde ich (da findest Du sicher eine Methode, sonst wärst Du nicht solange selbständig geblieben) mir irgendeinen Zugang zu einem Mitarbeiter dieser Firma verschaffen (z.B. in einem Lokal, etc.) und versuchen, mit dem ins Gespräch zu kommen.

Bei dieser Gelegenheit erfährst Du dann, ob es sich für Dich lohnt, dort vorzusprechen, und dann wäre es wichtig, wenn der entsprechende Mitarbeiter in der Firma seinem Vorgesetzten sagt, - horch mal, ich hab da jemanden kennengelernt, der wär doch was für uns, etc. So wird der Schuhlöffel konstruiert.

Solltest Du das alles schon probiert haben (was ich mir aber nicht vorstellen kann), dann entschuldige meine unqualifizierten Ideen, - dann weiß ich nämlich auch nicht weiter.

Aber es gibt Situationen, wo man tatsächlich auf Granit beißt. Ich erinnere mich daran, als ich vor ein paar Jahren mal probehalber auf einschlägigen Fachschulen unseres Gewerbes angefragt habe, und zwar in Österreich und in Deutschland, wie es aussieht, wenn man da als freier Mitarbeiter im Teilzeitmodus in den fachlichen Sparten unterrichten würde. Schließlich habe ich nicht nur die Ausbildungsberechtigung, sondern auch (damals schon) 50 Jahre Berufserfahrung. Da gabs so gut wie kein Interesse.

Eigentlich wollte ich nur wissen, wie man sowas heutzutage bezahlt. Ein Bekannter sagte mir dann, dass diese Schulen an sowas nicht interessiert sind. Die brauchen keine jahrzehntelange Berufserfahrung, die brauchen jüngere Leute, die die heutigen pädagogischen Normen erfüllen und sich in den Lehrplan widerspruchslos einfügen. Leute wie ich neigen zu Problemen, weil sie nicht jeden Unsinn, der aus dem Lehrplan hervorgeht, aufgrund ihrer Berufserfahrung akzeptieren.


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