Determinimusliebe & Korrelationsbingo

nvf33, Montag, 05.12.2016, 14:36 (vor 3385 Tagen) @ DT2138 Views

Dank für die Blumen. Eine interessante Frage wirfst Du auf, ob das Problem mit der unrichtigen Implikationsumkehr statistisch nicht doch irgendwie möglich wird...ich glaube es nicht <img src=" />

Ob aber die Idee der Modellierung von Menschen als Partikel oder Atome ("Individuen") spezifisch amerikanisch ist, bezweifle ich. Mit gleichem Recht könnte man sie auch als kommunistisch-planwirtschaftliche Idee des Ostens bezeichnen. Nun gut.Die besten Bücher zu diesem Thema hat m.E, Frank Schirrmacher geschrieben (z.B. "Ego - Spiel des Lebens")

Der Reiz der Idee der sozialen Maschinisierung geht sicher davon aus, mit diesem Ansatz einfache Antworten zu geben zu können - genau wie mit einer Waffe. Ob die Antworten richtig sind, spielt dann eine untergeordnete Rolle, gewissermaßen aus der "Normativität des Faktischen" heraus.

Aber ein anderer Faktor wird diesen Irrsinn über kurz oder lang beenden:
Das Spektrum korrelierbarer Daten ist heute so gewaltig, dass viele sehr erregt davon sind (in positive und negative Richtung). Diese Erregung führt wie bei jedem Hype dazu, in der "big data" oder im Korrelationsbingo eine
eierlegende Wollmilchsau zu sehen. Daraus rührt die gewaltige Überschätzung, die gerade um sich greift, aber ich glaube, es ist viel Gutes an ihr. Ein japanisches Sprichwort sagt: "Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, sieht die ganze Welt wie ein Nagel aus." Wir befinden uns in der Phase, wo die korrelierenden Algorithmen auf Basis egoistischer Agenten immer öfter falsche Aussagen treffen.

Der freiheitsverneinende Determinismus hat genau da ein Loch, wo er selbst Ideologie ist: Nämlich in seiner Annahme, ALLES Wissen in einem logischen Punkt vereinen zu können. Das lässt in verkümmern gegenüber der Wirklichkeit.
Natürlich ist es auch Ideologie, stattdessen die Freiheit als vorrangig betonen, und aus ihr das Gute und Gewollte für uns Erdlinge zu erwarten. ABER immerhin können wir dann noch über uns hinaus wachsen!
Und wenn wir hart konstruktivistisch betrachtet unseres Glückes und Daseins Schmied sind, warum sollten wir uns mit der möglichkeitsmindernden Gedankenpest abgeben, dass Freiheit eine Illusion ist?
Was nützt oder bewirkt dieser Gedanke? "Anything goes" etwa? Ja, durchaus, aber das nur für die trüben Geister, die nicht spüren, dass ALLES ja nun irgendwo auch nicht möglich ist.

Meine Hoffnung richtet sich darauf, dass die Scheu vor echter Freiheit die bewußte Phase aufrichtiger Demut und Lernbereitschaft bedeutet. Determinusliebe wäre damit normativ erstarrte Demutsforderung,
und das gegenwärtige Korrelationsbingo das Ringen und Arbeiten an der Einsicht, dass wir auch mit sehr dicken Rechner das Wesentliche nicht besser erkennen können als ohne "Korrelationsbingo".

Ergebenst
nvf33


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