Schlicht der Zeitgeist der nachkulturellen Zivilisation
<"Wer von euch hätte anders gehandelt als Churchill?
Bitte mit Begründung.">
Tritt man zeitlich einen Schritt zurück,
dann hat man den Überblick, dann wird alles wird klar und verständlich.
Phase 1.
"Kriege" - vom Mittelalter bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts -
werden von adligen "Kriegern" untereinander geführt.
Es geht dabei um den Gewinn einer Provinz (nicht kaputt machen,
sonst ist das witzlos) ... auch mit Heirat wäre das zu bewerkstelligen,
macht aber doch nicht mal halb so viel Spaß.
Der Gegenüber ist auf Augenhöhe, oftmals verwandt, man achtet sich,
verträgt sich danach bestens, womöglich verbündet man sich.
Nach der Schlacht von Bannockburn 1314 wechselt der Kommandant
der belagerten Festung Sterling Castle einfach die Seiten und darf bleiben.
Phase 2.
Der Dreißigjährige Krieg und die Landsknechte machen die adligen Ritter
beschäftigungslos, weswegen sie sich an die Spitze der Kriegshaufen
stellen. Der König domestiziert sie - sehr schön zu sehen
in Preußen ab Friedrich-Wilhelm I.
Noch immer geht es darum, eine Provinz (und Ruhm!) zu erlangen.
Sehr schön zu sehen beim Siebenjährigen Krieg.
Die zerstörerische Gewalt der Kriege ist gedämmt mittels
der adligen Führer - Niemand wäre auf die Idee gekommen,
den gegnerischen König wie einen gemeinen Verbrecher
zu verleumden und zu verfolgen.
"Zivilisten" dürfen nicht mitspielen, sehr schön zu beobachten,
noch zu Beginn der Napoleonischen Kriege ...
Phase 3.
... wo dem Zivilisten Pierre im Abendanzug (Tolstoi "Krieg und Frieden")
auf der Schanze des Fürsten Bagration bei der Schlacht von Borodino
von den stümenden Franzosen kein Haar gekrümmt wird.
Aber der "Wurm" sitzt bereits im System.
Nämlich die Erfindung des Nationalstaates, der von nun an
vergötzt wird wie vormals die gewandelte Hostie der Katholischen Kirche,
die nun verblasst und vergeht.
=> "Levée en masse"
Nun wird es fatal!
Fatal eins:
Ab jetzt werden nämlich ganze Völker auf die Schlachtbank geführt.
Wozu die Betroffenen eigentlich - sofern noch ganz bei Verstand -
jedoch gar keine Lust verspüren.
Abhilfe schafft da die pauschale Verleumdung des Gegners als minderwertige
Feinde (!)... ab nun rast der Volkszorn gegen die Verbrecher.
Auf die abgehackten belgischen Kinderhändchen 1914
und die zeitgleich zu Seife verkochten russischen Kriegsgefangenen
sei exemplarisch verwiesen.
Fatal zwei:
a.
Nach Kriegsende muß der Volkszorn von den ihn generierten
Politikern befriedigt werden.
In den USA erhob sich z.B. eine Massenbewegung mit dem Ziel,
Wilhelm II als Kriegsverbrecher lebendig in kochendem Öl zu sieden.
Kein Witz.
Überhaupt muß das ganze gegnerische Volk "bestraft" werden,
wenn nicht gar vernichtet.
Denn die eigenen Opfer dürfen doch nicht unbelohnt bleiben?
Was zur Folge hat:
b.
Kein Staatsführer, der noch alle Tassen im Schrank hat,
kann es sich mehr leisten einen Krieg, der nicht mehr
zu gewinnen ist, per Friedensangebot zu beenden.
Denn er wird Nürnberg&Co. erleben.
Weswegen sich der Zweite Weltkrieg und dessen Folgen
noch viel barbarischer ausgestaltete als sein Vorgänger.
Zivilisation ist eben radikaler Kulturverlust.
Auf den Dritten Weltkrieg darf man gespannt sein.
Zu vermuten ist, dass da ganze Völker (wie Insektennester
mit der Flitspritze) erbarmungslos und komplett vertilgt werden.
Die Bevölkerung aufklärende Hinweise, wen das (demnächst)
treffen wird, wer der "Schuldige" ist, scheint mein Fernsehsprecher allabendlich
frei Wohnzimmer via Zwangsgebühren bereits zu vermitteln.
Grüße,
BB