Weil Ihr ja immer meint, GR sei eine Blaupause. Na, dann will ich Euch doch mal berichten, wie angeschiXXen man mit ner Immo ist

Gaby, Mittwoch, 28.09.2016, 11:09 (vor 3404 Tagen) @ stokk17641 Views

Moin,

wenn Griechenland auch nur im Ansatz ne Blaupause für das ist, was Euch so noch bevor steht, dann mal viel Spaß beim Lesen.

Erster Schritt war die Erhebung einer Sondersteuer auf Immobilien. Weil das ein sofort verfügbarer Datenpool war, man schnell Geld brauchte und das sofort fällig gestellt werden konnte - man musste nicht das Fiskaljahr abwarten und ggf. höhere Einkommensteuern einziehen. Das war saftig, je nach Lage waren es bis zu 100 Prozent Aufschlag

Zweiter Schritt war die Umstellung der Besteuerungsgrundlage. Nicht mehr der Einheitswert wurde zu Grunde gelegt, sondern ein durchschnittlicher Marktwert, dieser zusammengetragen aus Werten zu Spitzenzeiten der Blase. Vergleich: Ein Haus mit Grundstück in unserer Gegend hier wurde damals locker für 400.000 bis 500.000 Euro verkauft. Real zu erzielen waren aber zum Zeitpunkt dieser Umstellung der Besteuerungsbasis nicht mal mehr die Hälfte - heute gehen genau diese Immobilien für 100.000 Euro weg, wenn überhaupt. Die Steuergrundlage ist und bleibt 500.000

Dieser "objektive" (haha) Wert wurde - wenn es überhaupt zum Verkauf kam - auch für die Grunderwerbssteuer zu Grunde gelegt. Nicht der real gezahlte und im Notarvertrag fest gehaltene Preis.

Dann wurde im nächsten Schritt der "Zugewinn" des Verkäufers besteuert und zwar mit 15 Prozent. Aber aufgepasst: Wieder auf der Basis der irrwitzigen und irrealen Blasenpreise. Also: Jemand hat ein Haus mal gekauft für sagen wir 80.000 Euro (umgerechnet, war ja meist zu Drachmen-Preisen). Verkauft er es heute für 100.000, der Fiskus aber nimmt den Wert von 500.000 Euro an, zahlt er 75.000 Euro Steuern. Bleiben ihm stolze 25.000 Euro für sein Haus.

Der Käufer zahlt aber noch mal 3 Prozent Grunderwerbsteuer - auf die 500.000. Die verhandelt er natürlich vorher vom Preis runter (da absoluter Käufermarkt). Merkt Ihr was?

Dann hat man letztes Jahr noch eine neue Besteuerung eingeführt. Jetzt wird die Nettofläche zusammengezählt, die man besitzt (sagen wir, ein Haus, zwei, drei Mietwohnungen?). Sobald diese Fläche 300 qm übersteigt, gibt es noch mal eine saftige Extra-Steuer von drei Prozent zusätzlich zur ohnehin hohen Steuer oben drauf. Diese kann sich bis zu 10 Prozent erhöhen, je nach Immo"Vermögen".

Meine Vermieterin besitzt dieses Haus, das wir bewohnen, zwei Eigentumswohnungen und - dummer Weise - auch noch die Fläche des Labors, das sie betreibt. Sie zahlt pro Jahr 23.000 Euro nur Grundsteuern.

Wir haben jetzt die Situation, dass viele Immobilienbesitzer die Steuer nicht mehr bezahlen können. Sie haben jetzt die freundliche Möglichkeit, dem Staat dafür die Immobilie zu übereignen. Den Differenzbetrag aus geschuldeter Steuer und Immopreis, den gibt es aber natürlich nicht ausgezahlt.

Auch schlagen immer mehr Erben Häuser aus. Weil sie einerseits die - ebenfalls in die Höhe geschossene - Erbschaftssteuer nicht bezahlen können, geschweige denn die Grundsteuer.

Viele Grüße

Gaby

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"Das Dumme an Internetzitaten ist, dass man nie weiß, ob sie auch stimmen." Leonardo da Vinci


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