Danke, Du beschreibst genau die komplexe Problematik. - Ein aktuelles Beispiel.
Hallo kieselflink @all,
danke für deine umfassende Zusammenstellung zu dieser Thematik.
Ich halte es für sehr wichtig diese gesellschaftliche Problematik immer wieder zu thematisieren, um die Öffentlichkeit dafür zu sensiblisieren. Das wird noch ein weiter Weg, weil es so komplex ist und so schwierig zu erkennen.
Ich hatte in meinem Betrieb von 2000 bis 2005 einen Psychopathen als Teilhaber und konnte ihm nur Dank der Kenntnis des Buches "Gewissenlos - Robert D. Hare" sein kriminelles Verhalten nachweisen und ihn aus der Firma entfernen. Rückblickend kann ich nur sagen, dass diese 5 Jahre eine schreckliche Zeit waren.
Hier beschreibst Du Wesentliches zum Erkennen von Psychopathen:
Es gibt eine Zahl an Wesenszügen, die wir in Psychopathen finden: Ein
offensichtliches Merkmal ist das vollständige Fehlen von Gewissen. Ihnen
fehlt jeder Sinn von Reue oder Empathie mit Anderen. Sie können aber
extrem charmant sein und sind Experten darin sein, wie man durch Sprache
ihre Beute bezaubert und hypnotisiert. Weiters sind sie unverantwortlich.
Nichts ist jemals ihre Schuld; jemand anders oder die ganze Welt ist immer
für ihre 'Probleme' oder Unzulänglichkeiten zu beschuldigen. Dr. Martha
Stout identifiziert in ihrem Buch Der Soziopath von Nebenan etwas, das sie
Mitleidsmasche nennt. Psychopathen setzen Mitleid ein, um zu manipulieren.
Sie überreden dich dazu, ihnen nur eine einzige weitere Chance zu geben,
aber niemandem etwas davon zu erzählen, was sie getan haben. Also ist ein
weiterer Wesenszug von ihnen - und noch dazu ein sehr wichtiger - ihre
Fähigkeit, den Fluss von Informationen zu kontrollieren.
Aktuell betreue ich eine über 80jährige Frau, die ich seit vielen Jahren kenne und schätze. Sie ist hoch intelligent und verfügt über eine außergewöhnliche Sensibilität/Empathie für ihre Mitmenschen. Seit einiger Zeit kam sie zu mir in die Praxis und zeigte für sie ungewöhnliche Stressanzeichen. Sie hat seit ca. einem Jahr einen neuen Partner aus ihrer Nachbarschaft. Man unterstützt sich gegenseitig im Alltag und ist bei der Bewältigung des Lebens zum Teil aufeinander angewiesen/von einander abhängig. Sie hat ein - für dieses Alter - großes soziales Netz. Vor kurzem erzählte sie mir, dass ihr Partner weiß, was sie denkt und sie manipuliert. Gestern hat Sie mir berichtet, dass sie sich von diesem Mann getrennt hat. "Ihr seien 1000 Steine vom Herzen gefallen." Bei dieser Entscheidung wurde sie von ihrem gesamten Umfeld unterstützt.
Bei mir war sie wegen ihrer äußerst hartnäckigen Schmerzen. Erst eine Behandlung mittels Ohrakupunktur (Angst, Valium, Depression, Ohr Shen Men) führte zu weitgehendem Abbau der vegetativen Grundanspannung des gesamten Körpers, so dass ich die Schmerzsymptomatik gezielt behandeln konnte. Ihre Atemfrequenz normalisierte sich im Verlauf der Akupunktur und Arme und Beine kribbelten heftig und wurden schwer - ein Zeichen von tiefer Entspannung und Loslassen.
Diese für sie ungewöhnliche Anspannung führe ich auf die inneren Konflikte auf Grund immer wieder versuchter und teilweise erfolgreicher Manipulation zurück. Wenn sie seine Manipulation durchschaut hat, hat er sie meist dadurch "beruhigt", dass er sich für schuldig erklärt hat. Dieses soziale Muster hat er anscheinend in seiner Ehe gelernt und auch dort oft verwendet. Seine Frau war schwer an Rheuma erkrankt.
Letzteres beschreibe ich, weil in obigem Zitat steht: Nichts ist jemals ihre Schuld.
Er hat es sicher so betrachtet, konnte aber sein sozial erlerntes Muster zur Manipulation nutzen.
Man sei sich bitte nie sicher:
Nach Robert Hare, Cleckley, Åobaczewski et. al. und vielen andere
Experten in Psychopathie, kann eine Diagnose von Psychopathie nicht auf der
Basis von einfach sichtbaren Verhaltenssymptomen unter Ausschluss von
zwischenmenschlichen und affektiven Symptomen getroffen werden, denn ein
solcher Versuch würde Psychopathen aus vielen Menschen machen, die einfach
nur durch das Leben oder die Gesellschaft selbst verletzt worden sind, und
erlaubt stattdessen den wahren Psychopathen, die eine gut konstruierte
Maske der Normalität tragen, einer Entdeckung zu entgehen.
Ob nun der Debitismus das maßgebliche Problem ist, oder dass Psychopathen an vielen Schalthebeln der Gesellschaft sitzen, gleicht eventuell der Frage nach Huhn und Ei. Ich kann sie nicht beantworten; halte es aber für möglich, dass beides zwei Seiten der selben Medaille sind.
Es gibt daneben vielfältige andere Probleme, die im Gelben nicht außer Acht gelassen werden sollten. Monolithische Problemlösungen werden der komplexen Lage eher nicht gerecht.
Mit herzlichen Grüßen
Vatapitta
PS: @ QuertreiBär kannst Du bitte den Titel und den Namen der Autorin des Artikels nennen. Da der Moderator den Link wegen Copyright gelöscht hat, kann ich den Artikel sonst nicht finden.
Psychopathie ist laut Robert D. Hare nicht zu therapieren. Psychologische Sitzungen sind, seiner Einschätzung nach, für Psychopathen Fortbildungen in Manipulation.
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Chronisch sind die Schmerzen dann, wenn der Doktor sie nicht heilen kann. http://www.liebscher-bracht.com/