Die Wunde gehört geputzt, fertig!

n0by ⌂, München, Samstag, 11.06.2016, 00:04 (vor 3541 Tagen) @ n0by1987 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 11.06.2016, 14:16

In eigener Sache

Heute hat eine junge, einfühlsame Ärztin meine Wunde im Krankenhaus Sygehus Sonderyjlland in Aabenraa behandelt.

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Die Freunde vom Gelbenforum.net haben mir mit ihren Nachrichten so viel Angst eingejagt, dass schon morgens meine Versuche, ärztliche Hilfe in Schleswig zu bekommen, alle vergebens waren. Die erste Dame an der Rezeption verwies mich darauf, dass nur am Mittwoch offene Sprechstunde sei. "Was soll ich denn dann machen?", "Geh'n Sie gegenüber in die Praxis!". Doch die schickten mich ebenso weg, weil das Wartezimmer voll sei und die Menschen schon lange auf einen Termin warteten. Also packte mich die Energie und Empörung, dies unwirtliche Land DSchland schleunigst Richtung Dänemark zu verlassen. Doch die Sorge um die nun schon seit 20 Tagen eiternde Wunde plagte mich.

Auf dem Camp in Aabenraa, (diese Namen sind ebenso schwer zu merken wie die Namen der Salben für meine Wunde) steigerten sich meine Sorgen in einen psychodelischen Rausch. Derart: "Jetzt werden langsam meine Zehen nach dem Duschen weiß und taub...."

Im Internet gibt Aabenraa eine Nummer für Lagevegten, die von 16.00 bis 8.00 Uhr besetzt sei. In meiner sich steigernden Sorge, vergleichbar der Sorge der Wutbürger um ein von Flüchtlingen überflutetes Land, war mein Anruf unter der Nummer immerhin einen Versuch wert. Die Dame fragte mein Alter, meinen Namen ab und gab mir einen Termin um 9.30 Uhr. "Heute abend?", kam meine erstaunte Frage, "oder morgen früh?" "Nein, jetzt direkt, morgen kann ich keine Termine geben." "Ja, ja, mein Auto ist gleich gepackt, bin gleich da." Vor lauter Sorge um meine Wunde war mein Zustand total nüchtern, selten um die Abendstunde, aber so war's. Die sieben Kilometer zum Krankenhaus Sygehus Donderjylland waren dann auch in weniger als 15, 20 Minuten mit allen verschlossenen Schätzen im Wagen geschafft. Die Wartezeit verging wie im Flug, bis mich eine junge, einfühlsame, hübsche Ärztin aufrief: "Tourist? Deutschland?" Damit meinte sie mich, weil sie meinen Namen nicht kannte.

In ihrem Arbeitszimmer popelte sie unter reichlich Fluss von Alkohol mit einer spitzen Pinzette den Schorf von der Wunde, immer von Fragen begleitet, "tut das weh?"... "nein, machen Sie nur, das geht gut"... Sie entfernte allen Schorf, spritzte Alkohol aus ihrer Flasche mit spitzer Öffnung über die Wunde, tupfte mit einem flauschigen Wattebausch Flüssigkeit, Wundwasser und Schorf von der Wunde. "Da ist nichts entzündet. Das ist eine sehr tiefe Wunde. Aber das heilt alles. Tut das weh?" "Machen Sie nur, das macht mich glücklich, wenn es so gut geht." "Sagen Sie nur, wenn es weh tut, dann weiß ich mehr." Aber es tat nicht weh. Zum Schluss pappte sie ein Pflaster Cosmopor steril 10 cm x 8 cm auf die tiefe Wunde, von der Paul Hartmann AG aus Heidenheim und gab mir noch ein Muster mit, um es mir in der Apotheke zu besorgen. "Baden sollen Sie noch nicht mit der Wunde. Nach dem Duschen machen Sie ein neues Pflaster drauf, das ist besser."

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Innerlich jubilierend dokumentiert dies Bild meinen Freudensprung in der untergehenden Sonne. Vor vielen Jahren hatte uns ein privater Sicherheitsdienst in Kopenhagen einen unverschämt hohen Strafbefehl unter den Scheibenwischer geklemmt, den wir in aller Dummheit auch noch gleich bei der Bank bezahlt haben. Es war - meiner schwachen Erinnerung nach - etwa 150 Mark damals für ein PARKVERBOT! Die Polizei meinte nur, dass sie damit nichts zu tun hätten, das wären private Initiativen. Doch diese Behandlung hat mich mit Dänemark wieder versöhnt! Zur Freude und zum Glück und zur wunderbaren Heilkraft des Körpers pumpt sich in übermütiger Laune mein Organismus auch noch einen halbe Flasche edlen Bordeaux ab, um so mit großem Glücksgefühl in mein schmales Bett zu taumeln. Die Warnung der hübschen Ärztin hängt natürlich noch nach: "Es ist keine Entzündung. Aber wenn es sich entzündet, kommen sie sofort - oder wo immer sie dann sind."

Es bleibt ein Gefühl der Scham und Schuld, der Kleinen nicht aus Dank 200 Kronen für ihre Arbeit in die Hand gedrückt zu haben. Aber erstmal hat mir die Bank beim Wechseln von 100 Euro gleich sieben Euro Gebühr abgezogen und dann muss sich der böse Strafmandat von Kopenhagen vor vielen, vielen Jahren ja auch noch gegen rechnen. Ja so sind die Gesetze von Ursache und Wirkung! Mir ist bei der mörderischen Bombenflut aus Drohnen und aus Kampfflugzeugen absolute unverständlich, wie sich Menschen in Massenveranstaltungen derzeit in Paris wagen! Kann man nicht daheim oder zumindest in einem Park sein Leben feiern? Mir gefällt mein erster Platz in Dänemark in Aabenraa. Fast einsam - gegenüber Schleswig, Friedrichstadt, Cuxhaven, Bremerhaven und Bremen!

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p.s.: Das ist erst der Entwurf zum kommenden Bild-Blog-Bericht, danke allen, die sich sorgen!

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http://nobydick.de


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