Die 100 Mio. bringen rein gar nichts

Leserzuschrift, Dienstag, 31.05.2016, 12:13 (vor 3547 Tagen) @ Otto Lidenbrock3204 Views

Servus in die Runde.

Die 100 Millionen sind ein Witz und bringen rein gar nichts, weder den Bauern, noch den vor- und nachgelagerten Bereichen. Sie dienen lediglich der Politik als Feigenblatt für ihr Versagen in den letzten 30 Jahren. Bauern wurden mit billigen Krediten und staatlichen Beratung in ein Wachstum gelockt, was ihnen nun um die Ohren fliegt. Der einzelne ist in unserem Mantra "wachsen oder weichen" gefangen (sind wir hier nicht bei den konkreten Auswirkungen des Debitismus und dem zinsbelasteten Geld?). Denn konkret kann man mit Tier- und Flächenbeständen wie vor 30 Jahren definitiv nicht mehr überleben.
Es ist auch erstaunlich, mit welchen Anforderungen die Landwirtschaft konfrontiert wird. Wir sollen naturnah, billig, tiergerecht (wobei auch hier das Rind "vermenschlicht" wird), idyllisch und und und.............. alles produzieren.

Man vergisst leicht, dass auch hier ein Bauer, Mensch und seine Familie dahinter steht, der sein Auskommen bestreiten muss. Wir werden eben nicht mehr von irgendwelchen Zöllen und dergleichen geschützt. Ölrüchte aus der ganzen Welt, Tierhaltung aus der ganzen Welt, andere Pflanzenprodukte aus der ganzen Welt mit ihren Sozialstandards und Umweltauflagen stehen mit uns in direkter Konkurrenz. Wer Forderungen stellt, muss uns auch durch Zölle schützen, da wir austauschbare Massenwaren produzieren. Und bevor einer von Direktvermarktung und Biolandwirtschaft faselt, der sollte bedenken, dass das Nischenmärkte sind und bleiben werden (preisbedingt).

Schließlich wundert mich noch die Kritik an der Milchviehhaltung generell. Tierhaltung ist in einer nachhaltigen Landwirtschaft absolut notwendig. Weltweit sind ca 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche als absolutes Grünland zu betrachten, welches nicht ohne schwere, langfristige Schäden zu Ackerland umgewandelt werden kann.
Weidehaltung ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Hier gibt es das Problem, wie bekomme ich die Kühe zum Melken? Entweder ich laufen die Tiere jeden Tag zwei mal zum Melkhaus, wie die Treibwege dahin dann aussehen (punktuelle Belastung mit Stickstoff, da die Tiere hier massiert abkoten) kann sich mancher vorstellen. Oder ich fahre mit einem transportablen Melkstand hinterher, aber mit prinzipiell gleichen Problemen (starke Belastung mit Stickstoff und letztlich mit Nitrat). Arbeitswirtschaftlich ist das alles nicht zu machen unter deutschen Standards.

Man kann ruhig sagen, dass einfach ein Teil in die Pleite entlassen werden kann. Nichtsdestotrotz, werden die Flächen von anderen Berufskollegen übernommen und weiter bewirtschaftet, meistens dann intensiver, als vorher, da ja zusätzlich der Pachtzins erwirtschaftet werden muss.

Also alles nicht so einfach.............

Gruß Rotti

Nebenerwerbsbauer (nicht Landwirt) und Fahrdienstleiter
(also momentan doppelt in der Kritik stehend......)


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