Fairlane, Samstag, 26.03.2016, 21:33 (vor 3608 Tagen) @ Kaladhor3077 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 27.03.2016, 11:50

Hallo Kaladhor,

bin ebenfalls 76er Baujahr und an unserem Gymnasium wurde damals das Thema "Drittes Reich" ein Halbjahr lang behandelt. Wir bekamen noch Schallplatten mit Reden des GröFaZ vorgespielt, wobei sich der "Kult mit der Schuld" trotz allem in Grenzen hielt - eine halbwegs sachliche Diskussion war möglich, wurde aber in vorgegebene Bahnen gelenkt.

Nur wenige meines Jahrgangs hatten, wie mir rückblickend erscheint, etwas für unser Land übrig; es war einfach "in" sich möglichst weit links zu orientieren, weil das einschloss zur "intelligenten" Seite zu gehören.

Dass es mehr als dieses Schwarz-Weiß-Schema gibt, haben nur sehr wenige meiner Mitschüler erkannt. Heute denke ich kopfschüttelnd daran wer alles begeistert T-Shirts mit dem Konterfei von "Che" trug, linke Parolen zum Besten gab und keinen Gedanken daran verschwendete, was all die Revolutionäre so verbrochen hatten. Gulags, Säuberungen, Holodomor - Fehlanzeige...der einzig akzeptable Weg war weit links der Mitte.

Heute sind viele dieser verkannten Revolutionäre meiner Jahrgangsstufe studierte Besserverdiener und haben vergleichsweise biedere Jobs, die ihnen damals garantiert nicht in den Sinn gekommen wären.

Bei Treffen des Jahrgangs spare ich mir entsprechend bissige Bemerkungen mit dem Verweis auf "damals"...scheinbar musste man gegen das "System" sein, weil es zum guten Ton gehörte.

Einige Unverbesserliche gibt es nach wie vor; sie verherrlichen jede Kultur und treten ihre eigene mit Füßen.

Was will man also von der heutigen Jugend erwarten, wenn nicht mehr über den Tellerrand geblickt wird?

Wir waren nicht dabei und schuld, als die Welt in Brand gesteckt wurde, aber alle danach haben die Chance anders, ausgewogener und weniger ideologisch und fanatisch zu denken und zu handeln.

Es bedarf nur eines offenen Geistes und des Mutes, sich seines Verstands zu bemächtigen.

Leider bereitet die Schule einen längst nicht mehr auf das Leben vor, sondern nur noch darauf, ein Rädchen im Getriebe der Wirtschaft zu sein.
Für alles andere gibt es den Fernseher und die Couch vom Psycho-Klemptner.

Gruß, Fairlane


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