Die (häufige) Biochemie der Depression
Hallo,
ich bin zwar nicht Balduin, aber zu dem Thema Depressionen gibt es einen sehr häufigen gemeinsamen Nenner, und der heisst Serotoninnmangel. Serotonin ist der Neurotransmitter für das Glücksgefühl und das Gefühl, der souveräne Chef, der Alpha, zu sein.
Man braucht also Tryptophan, die seltenste (der essentiellen) Aminsäuren. Die muss man essen. Bei Mangel gerne als einzelnes Pulver, idealerweise 2 Gramm nüchtern zusammen mit etwas Glukosehaltigem (oder einem Stück Obst), dann kommt es auch direkt im Hirn an und steht nicht im Wettbewerb mit den anderen Aminosäuren beim Durchgang der Bluthirnschranke.
Jetzt kommt die "Folsäure" ins Spiel. Langer Rede kurzer Sinn: 90% aller Menschen nehmen bereits zu wenig (Folsäure als synthetische Form oder Folat als natürliche Form) auf- sehr viele (fast 50%) können dies nicht oder nur schwer in aktive Folsäure (aufgrund eines MTHFR-Genallels) umwandeln. Daher kann man probeweise gut dosiertes 5MTHF, die aktive Form der Folsäure ausprobieren:
Jetzt hat der Körper also das sog. 5HTP gebildet. Ungeduldige können dies auch direkt ausprobieren, so 50 bis 200mg am Nachmittag eingenommen. Aber die beiden Vorprodukte gehen auch, hier kann der Körper die Produktion in Feedbackschleifen selber bauen. Bei der Verwendung einer Klasse von Antidepressiva, den sog. Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRI), lässt man 5-HTP aber bitte unbedingt weg- oder schleicht diese zuvor aus.
So, jetzt muss aus 5-HTP noch das eigentliche Serotinin bzw. Acetyl-Serotonin gebaut werden. Dafür braucht es Vitamin B6 (wird bei der häufigen und selten diagnostizierten Krankheit namens Hämopyrrollaktamurie vermehrt ausgeschieden, vielleicht macht man da ja mal einen Test drauf...). Hier empfehle ich gleich einen B-Komplex wie diesen, dort ist auch gleich 5MTHF als ideale Form der Folsäure mit enthalten.
Zink (bei Hämopyrrollaktamurie ebenfalls vermehrt ausgeschieden!) ist das nächste Element, im Serum als Blutwert gemessen sollte man in der oberen Hälte des Referenzbandes mitspielen. Bei Mangel eine ideale Form (die nicht wie die meisten anderen Formen die Aufnahme von Kupfer und Eisen behindert!) ist Zinkmonomethionin.
Und als letzter Punkt kommt noch Magnesium ins Spiel: ebenfalls ein sehr häufiges Mangelelement. Hier kann man seinen Blutwert im Serum messen lassen, das kostet weniger als 5 Euro beim Hausarzt als IGEL. 0,9 mmol/l sollten es schon sein- jedes hundertstel weniger ist ein echter Mangel, den man beheben sollte. 1,0 mmol/l sind optimal. Beheben geht etwa mit Magnesiumcitrat, 2,5 Gramm Magnesiumcitrat sind etwa 400mg elementares Magnesium und meist die höchste Menge, die man sich ohne beginnenden Durchfall verabreichen kann, das kann man sich dann zwei oder dreimal am Tag gönnen. Besonders einfach und bequem ohne Feinwaage geht das mit den Verla-Beutelchen aus der Apotheke, drei oder vier am Tag. Einen Magnesiummangel zu beheben kann aber schon einige Wochen dauern, also am Ball bleiben lohnt sich.
Nebeneffekt: Aus genug Serotonin wiederum kann der Körper auch bei Dunkelheit Melatonin bilden und so ausreichend Schlaf finden. Dieses Programm hilft also evt. auch bei Schlafstörungen!
Was zuvor aber ebenfalls gecheckt werden sollte: Vitamin D, gemessen als Speicherwert "25OHD", dieser sollte bei mind. 30 ng/ml, idealerweise zwischen 40 bis 60 ng/ml liegen. Als Daumenregel nimmt man je ng/ml, um den man bei rund 70kg Körpergewicht erhöhen möchte, einmalig(!) 10.000 IE ein und danach 100 IE je Tag. Der Magnesiumstatus sollte aber bereits zuvor passen, auch Vitamin K2 dazu einzunehmen ist kein Fehler.
Omega 3-Fischöl ist ebenfalls oftmals mit antidepressiven Wirkungen verbunden, hier kann man mit mind. 2 Gramm (Bezogen auf den Gehalt von EPA und DHA!) experimentieren. Eine gute Form wäre etwa diese hier, 4 Kapseln oder mehr am Tag.
Die beiden letzteren Stoffe helfen übrigens bei der Expression der Serotoninrezeptoren, also bei der bestmöglichsten Ausnutzung bestehender Serotoninmengen.
Erst wenn alles dies nicht hilft- obwohl die Blutwerte keinen Mangel an den Ausgangsstoffen zeigen- erst dann würde ich zu Medikamente greifen wollen!
Bei mir persönlich haben übrigens zwei dieser Stoffe so richtig "reingehauen", 5-MTHF und Tyrosin (nüchtern, mit Essen zusammen passiert fast nichts). Aber das kann bei jedem individuell anders sein, daher die Messungen bitte nicht vergessen. Oder man probiert mal alles zusammen aus.
PS: als Zusatz noch die Schritte um aus Tyrosin (eine weitere Aminsoäure, 2 bis 5 Gramm morgens nüchtern) Dopamin zu bauen- ein niedriger Basalwert ist oftmals mit Suchtverhalten verknöpft, der Mensch tut dann alles, um seinen Dopaminwert zu erhöhen. Das sind ähnliche Ausgangsstoffe, wie wir sie eben kennengelernt haben. Für den "Eisen"-Status lässt man seinen Ferritinwert bestimmen, der sollte über 50 ng/ml liegen. Und für "Vitamin C" kann man schon mal eine Retardtablette mit mind. 500mg einwerfen. Und das Thema "Methyldonatoren" hat man mit dem bereits erwähnte B-Komplex abgehandelt. "Bei Kupfer" sollte man sich nach Messen sich in der oberen Hälfte des Referenzband befinden, bei Mangel nimmt man ein Kupfercheleat, mehrere Wochen lang 6 bis 10mg und lässt dann nochmals testen.
![[image]](http://edubily.de/wp-content/uploads/2015/10/Katecholamin-Synthese-1.png)
PPS: ich habe hier nur Produkte verlinkt, die ich nach langer Recherche auch selber verwende und weiterempfehle, sie sind auch mit Links zu dem Affiliateprogramm unserer Forums erzeugt (soweit möglich). Also bitte nicht an den Formen der jeweiligen Vitamine (wie bei der "Folsäure") sparen, diese sind wichtig!
![[image]](http://edubily.de/wp-content/uploads/2015/01/Tryptophan-Stoffwechsel.png)