Bremsen schadet nie
Hallo Griba!
Du schreibst: Daß Unklarheiten bestehen und widersprüchliche Angaben zu Toten und Vermißten gemacht werden, ist bei einem Massenanfall von diesen die Regel. Die Meldeketten laufen verschiedene Wege, +/- eine Person ist normal.
Das Fehler auftreten können ist sicher kein Thema, dennoch müssen die Fehler einer bestimmten „Vernunft“ folgen.
Vermißt kann nur jemand werden, dessen Identität bekannt ist.
Die Meldung über einen Vermißten kam bundesweit und zwar ausgehend von der bayerischen Polizei.
Man hatte am Unglückstag nach diesem gesucht, die Suche wegen Dunkelheit abbrechen müssen und am nächsten Tag fortgesetzt. Wenn man einen solchen Aufwand betreibt, dann spricht sehr viel dafür, daß tatsächlich jemand vermißt wurde und dieser eben namentlich bekannt war.
Wenn dann am Morgen sogar noch einen Leichenfund gemeldet wird, dann darf man schon unterstellen, daß diese Nachrichten einigermaßen fundiert sind.
Bis dahin ist die Kette der Meldungen konsistent.
n-tv bezog sich schließlich auf das Polizeipräsidium und bestätigte auch noch, es sei der Vermißte.
Haben sich dies die Redakteure etwa aus den Fingern gesogen?
Ein gefundener Toter kann nicht einfach mit einem Datenabgleich erklärt werden.
Ein Datenabgleich kann ggf. Zahlen korrigieren, aber keinesfalls Opfer finden und sie dann wieder verschwinden lassen.
Tut mir leid, hier kann ich dem Verdacht auf Unklarheiten nicht folgen, auch wenn ich die Gründe dafür noch nicht erhellen kann.
Eine mögliche Spur könnte über das 11. Todesopfer – einem äußerst wichtigen Zeugen - führen, der schließlich zunächst überlebte und dann doch noch verstarb.
Am Samstag kam nun diese neue Meldung.
Am Bahnhof Kolbermoor wartete am Dienstagmorgen vergangener Woche um 6.45 Uhr der Meridian-Zug M 79506 auf das Ausfahrsignal Richtung Bad Aibling. Der Normalfall wäre gewesen, dass er erst losfährt, wenn der Gegenzug M 79505 aus Bad Aibling in Kolbermoor eingetroffen ist. Doch an diesem Tag hatte M 79505 drei bis vier Minuten Verspätung.
Der Fahrdienstleiter, gegen den nun ermittelt wird, stand vor einem gewissen Dilemma: Entweder er hätte den verspäteten Zug noch länger warten lassen, bis der Gegenzug aus Rosenheim vorbeigefahren ist. Dann hätte sich die Verspätung vergrößert. Oder aber er hätte den bisher pünktlichen Zug in Bad Aibling einige Minuten anhalten müssen (bis M 79505 zur Zugkreuzung eingetroffen ist) – dann aber hätten beide Züge Verspätung gehabt.
Offenbar entschied sich der Fahrdienstleiter für die erste Variante. Es war daher geplant, das Kreuzen der Züge in den Bahnhof Bad Aibling zu verlegen. Daher wurde für den bisher pünktlichen Zug M 79506 eine so genannte Ausfahrstraße freigeschaltet – das heißt, das Ausfahrsignal zeigte grün und der Zug fuhr los.
Gegenzug M 79505 indes hätte in Bad Aibling warten müssen – was aber nicht geschah. Warum nicht? Normalerweise ist das Ausfahrsignal auf rot geschaltet – und die Fahrstraße technisch blockiert. Hier kam offenbar dem Fahrdienstleiter eine fatale Rolle zu. Er griff, so stellte es der Traunsteiner Oberstaatsanwalt Jürgen Branz am Dienstag dar, in den technischen Ablauf ein und gab „ein Sondersignal“, das „nicht hätte gegeben werden dürfen“. In der Fachsprache heißt es Ersatzsignal Zs1.
Möglicherweise hat der Fahrdienstleiter Zs1 gleich zwei Mal betätigt – anders ist nicht denkbar, dass gleich zwei Sicherungsmechanismen außer Kraft gesetzt wurden. Zum einen die so genannte Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB), deren Wirkung der Lokführer bei einem Ersatzsignal zum Passieren des Ausfahrsignals unterbrechen kann. Das ist eigentlich nur erlaubt, wenn – was im Bahnverkehr tatsächlich nicht selten ist – ein Signal eine Störung hat. Eigentlich muss der Triebfahrzeugführer – wovon am Dienstag aber nicht die Rede war – durch Umlegen eines Kippschalters das Überfahren eines „Fahrt“ zeigenden Hauptsignals bestätigen.
Dann wurde aber offenbar noch eine zweite Sicherung übersprungen: Der Meridian-Zug, der Richtung Kolbermoor unterwegs war, hielt noch vorschriftsmäßig am Haltepunkt Bad Aibling-Kurpark, passierte aber beim Ausfahren ein Blocksignal, das wohl ebenfalls durch Eingriff vom Stellwerk neutralisiert worden war. Ein Blocksignal ist eine technische Sicherung zur Abstandshaltung, die definiert, dass in einem Streckenabschnitt („Block“) immer nur ein Zug fährt. M 79505 fuhr auf der eingleisigen Strecke weiter, obwohl der Zug aus Rosenheim eine gültige Fahrstraße hatte.
Quelle: http://www.merkur.de/bayern/ursachenforschung-bad-aibling-verhaengnisvolle-ersatzsignal...
Der Fahrdienstleiter hätte demnach nicht nur einmal eine sensible Sicherheits-Technik unterlaufen sondern gleich zweimal. Warum ließ er den Gegenzug nicht warten?
Ganz ehrlich, das klingt schon fast nach Sabotage und die Verspätung als Grund ist ein schlechter Witz.
Die Frage, die sich nun erhebt, ist diese:
Hat der Fahrdienstleiter einen Crash absichtlich herbeigeführt wegen irrationaler Gründe, die zu untersuchen wären oder spielte ihm die Technik einen fatalen Streich, die genau zu dieser Katastrophe führen mußte?
Ein Kommentar im Merkur dazu indiziert einen Technik-Fehler:
Aus sicheren Quellen weiß man, dass es an diesem Morgen eine Blockstoerung auf dieser Strecke gegeben hat. Der Fdl war einfach dadurch voll im Stress. Dieses Szenario, wie oben beschrieben, dass ein Fdl die Fahrwege so stellen wuerde, wäre Vorsatz gewesen. Aber anscheinend will man bewusst die Störung am Stellwerk Bad Aibling vertuschen, um den Schuldigen auf dem Menschen besser schieben zu können und DB waere fein raus. Aus Insiderkreisen ist bekannt, dass wohl der Zug aus Rosenheim auch dieses Ersatzsignal bekommen hätte.
Quelle, wie oben.
Daher schließe ich mich Deiner eingangs vermuteten Annahme an.
Derzeit ist alles möglich, ich aber gehe von Fehlinterpretation eines technischen Defektes aus mit einer verhängnisvollen Kettenreaktion in der Folge.
Sollte das stimmen – und es deutet sehr viel daraufhin - wäre nur zu klären, ob dieses Technik-Versagen BEWUSST herbeigeführt wurde.
Ich brauche Dir sicher nicht zu erklären, ob ich dies für wahrscheinlich halte.
mfG
nereus