Da muß ich dich etwas bremsen.

Griba, Dunkeldeutschland, Samstag, 20.02.2016, 19:56 (vor 3643 Tagen) @ nereus2739 Views

Hallo Nereus,


Vielen Dank dafür, daß Du Dich hier in die Diskussion einklinkst.
Ich hatte von Beginn ein komisches Gefühl bei diesem „Unfall“, der
auch ein Anschlag durch technische Manipulation gewesen sein könnte.

Derzeit ist alles möglich, ich aber gehe von Fehlinterpretation eines technischen Defektes aus mit einer verhängnisvollen Kettenraktion in der Folge.

1. Daß Unklarheiten bestehen und wiedersprüchliche Angaben zu Toten und Vermißten gemacht werden, ist bei einem Massenanfall von diesen die Regel. Die meldeketten laufen verschiedene Wege, +/- eine Person ist normal.

2. Zum vermuteten (!) Verhalten des FDL:
Es hat in der Geschichte der Eisenbahn immer wieder ähnlich geartete Unfälle gegeben: Ausganspunkt - der FDL "sieht" (entweder auf dem elektrischen Anzeigepult oder durch Inaugenscheinnahme), daß die Strecke frei ist, will das Signal auf Grün stellen, und es geht nicht.
Und jetzt beginnt die eigentliche Fehlerkette - der FDL realisiert nicht, daß die Anzeige (in anderen Fällen sein Sinneseindruck) fehlerhaft ist, sondern geht von einer Signalstörung aus.
Jetzt müßte er in den Modus "Signalstörung" übergehen, die aber wiederum hohe Hürden hat:

"Da muss etwas in dem Kollegen abgelaufen sein, was ihn dazu
veranlasst hat, diese besondere Handlung zu vollführen", so Seeger in dem
knapp fünf Minuten langen Gespräch mit Marietta Slomka. Denn, so stellt
der jetzige Chef des Infrastrukturunternehmens "Tegernsee-Bahn" klar:
Einfach sei es nicht, ein solches Ersatzsignal auszulösen. "Da muss man
schon bestimmte Handgriffe mehr machen." Schließlich handle es sich um
"besondere Schalter, besondere Taster" und eine "besondere Handlung".

Quelle:
http://www.rosenheim24.de/rosenheim/mangfalltal/bad-aibling-ort28271/ex-bob-chef-heino-...

Nach meinem Kenntnisstand (DR, 80er Jahre), darf ein Ausfahrsignal nur mit schriftlichem Fahrbefehl überfahren werden - ob hier inzwischen ein Ersatzsignal + fernmündlicher Fahrauftrag auch ausreicht, weiß ich nicht. Das spielt aber auch keine Rolle - es dauert viel länger, eine "Signalstörung" zu überlaufen, als der hypotetische Zeitgewinn wäre. Letzteres Argument zur Handlungsintention kann also defintiv ausgeschlossen werden.


Warum hat der Fahrdienstleiter so reagiert, wie er reagierte?
Wegen lächerlicher 4 Minuten?
Und warum hat er die Lokführer über die speziellen Umstände zuvor nicht
informiert?
Das war doch keine Routine-Aktion sondern ein absoluter Ausnahmefall im
Tagesbetrieb.

Was paßt dazu ebenfalls nicht?
Die Züge sollen beide mit Streckengeschwindigkeit gefahren sein - was nach Ausfahrt durch Ersatzsignal nicht sein dürfte, wohl aber nach (schriftlichem?) Fahrbefehl. Beide Züge müssen also ein klares "Fahrt frei" bekommen haben - wie auch immer.

Welche Möglichkeit hat der FDL, wenn er den Irrtum bemerkt?
1. Auf einigen Stecken ist es möglich, in eben diesem Falle die Fahrspannung abzuschalten - die Züge werden dann automatisch abgebremst. Ob diese Möglichkeit bestand, weiß ich nicht.
2. Das "Grün" zeigende Signal des Gegenzuges mittels "Ersatzsignal" ungültig machen - ist unsicher, aber besser als nichts.
3. Kontaktaufnahme über ZBF - läuft heute dem Vernehmen nach vollelektronisch, über die Zuverlässigkeit des Systems - s.o.

Das mit dem telefonieren über öffentliche Netze sollte man besser vergessen.

Jetzt kommt noch das Funkloch dazu.
Hier ist noch nichts geklärt.

mfG
nereus

Ich stimme dir zu: nichts ist klar. Ich meine aber, daß es sich wie in den meisten Fällen um eine Verknüpfung von technischem Fehler und menschlichen "Fehlverhalten" als Ursache handelt.

BG

--
Beste Grüße

GRIBA


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