Ein verborgenes As in der Hosentasche beruhigt bei Stress. Das ist auch wichtig!
Gruß, Bla!
Ein Aspekt kam mir zu kurz: Beruhigung in der Krise ist auch Sicherheitsgewinn.
In meiner rechten Jackentasche habe ich seit Jahren immer Pfefferspray. Den Reißverschluss ein Drittel zu, dass er nicht herausfällt, beim Radeln - Peinlich, wenn der hilfsbereit von Passanten aufgeklaubt wird: "... Hallo sie haben ihren Pfefferspray verloren!", schon erlebt. Aber immer an der selben Stelle, griffbereit in offener Jackentasche. Ich habe mich für rechts entschieden.
Sehr oft muss ich ihn herausnehmen, alle paar Tage leider: Ich fahre viel auf langen Radwegen, wo Rottweiler und ähnliches weit von Harrchen oder Dämchen entfernt (ohne Leine) herumtollen. Werde dann zwar oft angeschnauzt, das geht bis Drohungen "... auf die Fresse!", aber das Vorbeifahren am Köter fällt mir leichter. Wie gesagt, wenn ich dann bei dem Tätowierten mit der Bierflasche ankomme, wirds erst richtig gefährlich, wenn der begreift, dass ich mich bereit gemacht hatte, seinen Wauwau ggf. zu pfeffern.
In meinem Gartenweg hat mich mal Nachbarin's Köter 100 m verfolgt und schnappte die ganze Zeit nach meinen Waden. Große Heiterkeit, aber nicht bei mir. Ich hätte beim ersten Schmerz gesprüht, deswegen bin ich ruhig weitergefahren und habe kein Wort gesagt. Hatte selbstverständlich schon die Dose in der Hand, richtig rum, Daumen drauf. Zum Glück kam es nicht zum Einsatz, denn die Zeugen hätten sicherlich sofort ihre heitere Laune verloren ("der hat halt Jagdtrieb, beißt ja nicht"). Ich wäre als Tierquäler ins Gerede gekommen in der ganzen Nachbarschaft.
Merke: Haben beruhigt, Einsatz meist nicht nötig.
Mir hat mal in den 90ern ein junger Nachbar mehrfach aufgelauert, um mich zu verhauen. Ich bin immer wieder schmählich weggerannt, immer schlau genug gewesen, zum Glück. Einmal zum Beispiel stand der damals 18-jährige 100-Kilo-Junge (mit anderen Glatzen hinter den Büschen) vor meiner Einfahrt, sein geparktes Moped quer im Weg (mir war klar, fass ichs an, gibts auf die Fresse). Ich habe seelenruhig das Tor zu gemacht, Autotür offen, Radio an, sein Gebrüll die ganze Zeit (ob ich zu feige wäre mich zu schlagen oder so, von hinten über die Schulter in mein Ohr) zum Auto mit der offenen Tür gegangen, er langsam hinter mir mitkommend, schmähend, ich (unerwartet, er durfte schon frohlockt haben weil ich sein Moped wegstelle) am Auto ruhig vorbeigegangen, auf sein Moped zu und ... gerannt, gerannt, bis zur Telefonzelle. Polizei riet mir, einen Kasten Bier zu kaufen und ... Blabla. Mir war klar, dass das irgendwann klappen würde und ich machte mir Sorgen nicht nur um meine weißen Naturzähne. Aber ich hatte immer meine kleine 8 mm "Detektiv" 1x Knall, 5x CS in der rechten Hosentasche, wäre beim ersten Anfassen eingesetzt worden, habe ich mir immer wieder vorgestellt und das machte mich unglaublich "cool". Ich glaube mein Glück in dieser Sache heute selbst kaum.
Auch, als er später wieder mir auflauerte, vorn sein Rad vor die Räder meines Autos geworfen, versuchte, meine Seitenscheibe einzudrücken, weil die Tür von innen verriegelt war (wollte mich wohl rausziehen). Verärgert brach er dann wenigstens die Antenne ab, sprang auf meine Motorhaube und hüpfte. Das dauerte sehr lange, beim langsamen Rückwärtsfahren streifte ich einen Pfeiler. Ich war selbstverständlich aufgeregt. Ich weiß nicht, ob ich das nervlich ohne die Schreck(!)Schussswaffe so arschkalt durchgestanden hätte immer wieder.
Sehr viel später, beim Prozess, ging das ganze Gericht runter zum Halteverbot, wo meine Auto stand. Die Richterin selbst zählte die Beulen in der Motorhaube. Wieder oben, schmiss sie seinen Kumpel raus, den er als Zeugen mit gebracht hatte, belehrte ihn über Meineid, weil auch der behauptete, ich hätte diesen armen Nachbarsjungen (in Bundeswehruniform vor Gericht!) überfahren wollen.
Verurteilung, Revision, sein Angebot meine Motorhaube auszubeulen schlug ich aus mit dem Hinweis, er müsse mich nicht lieben, und das Verfahren wurde eingestellt, ich sagte meinem Anwalt: nix tun, und er ging als Kämpfer, der er war nach Jugoslawien, zuletzt Kosowo, Friedenstaube (Bundeswehr). Wir grüßen uns. Alles gut.
Fazit: Immer wieder mental alle Möglichkeiten durchgehen. Ruhig bleiben. Weglaufen, wenn es geht. Zäh aushalten. Erniedrigen lassen. Bei Mobbing Anwalt nehmen, oder auch nicht, kommt drauf an.
So ein Pfefferspraydöschen kostet nicht viel und beruhigt ungemein. Ich habe etliche, in der Werkstatt einen, Vorbau, Wohnungstür, Garderobe, in jeder Jacke und in den Rucksäcken ...
Da (Urlaub, Rucksack, Flughafenkontrolle) habe ich übrigens mal in Dublin erlebt, wie streng so ein Bobby gucken kann (Dose vergessen aus dem Rucksack zu nehmen, streng verboten dort sowieso, nicht nur im Flugzeug), fast den Heimflug verpasst, gewinselt und Reue gezeigt im Beisein meiner Gattin ---> nix pasiert.
Winseln muss man auch lernen, fällt mir besonders schwer, mich selbst so zu erniedrigen, unter den Augen der eigenen Frau (DIE wollte ja schließlich den Heimflug nicht riskieren
).
Meine Frau würde ich übrigens verteidigen, wenn sie nicht so schnell rennen könnte wie ich. Das ist wahrscheinlich, schon wegen der unvernünftigen Schuhe, die sie sich immer kauft.
Grusz an Alle und hoffe geholfen zu haben?
H.
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Eine Hand für den Mann und eine Hand für das Schiff.